Was aus den guten Ideen von "Jugend forscht" wird

Künzelsau  Bei "Jugend forscht" zeigen junge Tüftler intelligente Lösungen für Alltagsprobleme. Mit einer Erfindung von Lauritz Abel und Kevin Erdmann sollen Lkw-Unfälle durch abfallendes Eis der Vergangenheit angehören. Doch oft scheitert die wirtschaftliche Realisierung.

Von Torsten Büchele
Email

Lauritz Abel und Kevin Erdmann (beide 19) haben eine Eis-abweisende Schicht für Lkw-Planen entwickelt. Eine Spedition zeigt schon Interesse.

Fotos: Torsten Büchele

Wenn es wie jetzt klirrend kalt ist, haben die Laster der Spedition Rüdinger aus Krautheim ein Problem: Eisplatten lasten auf den Dachplanen. Fallen diese bei voller Fahrt herunter, kann es zu schweren Unfällen kommen. Lauritz Abel (19) und Kevin Erdmann (19) haben eine Lösung parat: Ihr Spezial-Schmiermittel verhindert, dass sich das Eis in den rauen Poren der Planen festsetzt. Damit lässt sich ein Eispanzer in wenigen Minuten abstreifen.

Die Welt ein bisschen besser machen

Die Gewerbeschüler aus Altkrautheim und Ingelfingen-Lipfersberg präsentierten am Freitag eines von 69 Projekten beim 20. Regionalwettbewerb von "Jugend forscht". Sie sind die Sieger in der Kategorie Arbeitswelt. 127 junge Tüftler aus der Region Heilbronn-Franken stellen bis Samstag in der Reinhold-Würth-Hochschule Künzelsau pfiffige Projekte vor, die die Welt ein wenig besser machen.

Abels Mutter arbeitet bei der Spedition Rüdinger und hat die Schüler auf das Problem aufmerksam gemacht. "Unser erster Gedanke war: Man könnte die Planen beheizen. Doch das ist zu teuer", sagt Abel.

Warum ist noch niemand auf die Idee gekommen?

Dass die Industrie nicht längst auf die gleiche Idee gekommen ist, wundert beide nicht: "Neue Planen sind glatt", erklärt Erdmann. "Sie werden erst mit der Zeit so rau, dass sich Eis festsetzt. Dann sagen die Hersteller: Kauft eine neue Plane. Wir sagen: Warum soll man die alte wegschmeißen?"

Einen Test-Lkw hat die Spedition Rüdinger bereits auf der Straße. Statt bis mittags um 12 Uhr mühsam das Eis abzuschlagen, kann der Fahrer wie im Sommer morgens um sechs auf die Piste. Zuvor haben die Jungs ihr hundert Grad heißes Gemisch aus Paraffin, Sonnenblumenöl und Kettensägen-Haftöl aufgesprüht. Bei Zimmertemperatur wird es fest, bleibt aber auch bei Minusgraden geschmeidig. Beiden Ansprüchen zu genügen, darin liegt die Kunst der richtigen Mischung der drei wasserabweisenden Stoffe.

Viele Fragen haben die beiden noch nicht geklärt

Einmal wie MacGyver sein

Die Azubis Marko Hepp und Philip Stöckel (beide 17) mischen bei Ziehl-Abegg den Betrieb auf: Ihr Pneumatik-Zylinder zerlegt E-Motoren zur Wartung in Windeseile.

Ob ihre Idee in Serie geht, hängt von vielen Faktoren ab: Wie reagiert die Beschichtung bei Dauerbelastung auf Fahrtwind und Salzwasser? Wie schnell geht sie in der Waschanlage ab? "Vorhin kam ein Chemielehrer und hat uns kritisiert: Das Paraffin sei doch viel zu umweltschädlich." Noch ein Hindernis. Die Jungs aber tüfteln weiter: Sie entwickeln bereits den passenden Eiskratzer.

Auch interessant: Mit dieser Idee hat eine Schülerin aus dem Kraichgau den Regionalentscheid gewonnen

Bernd Ludwig, Ausbildungsleiter bei EBM-Papst, hat 20 Jahre Regionalwettbewerb miterlebt. Er dämpft die Euphorie: "Die wirtschaftliche Realisierung ist oft schwierig." Einmal hat er erlebt, wie zwei Erfinder einen Stöpsel fürs Auto-Türschloss entwickelt hatten, mit dem Vereisungen der Vergangenheit angehören. Doch die Autoindustrie hatte eine andere Lösung: Sie schaffte die Türschlösser ab.

Wo ist MacGyver, wenn man ihn braucht?

Der Wettbewerb hat sich in 20 Jahren enorm verändert: "Heute ist es hier viel digitaler", meint Wettbewerbsleiterin Silvia Böhler. Jugendliche programmieren Apps, verwalten Clouds und bieten Lösungen für das Internet der Dinge.

Einer ist Kilian Leutner (18) aus Buchen: Er überträgt den Limes im Odenwald in dreidimensionale Computerwelten, die man mit einer virtuellen Brille begehen kann. Auch Nachhaltigkeit ist ein Thema. Ausgestellt sind ein Solarflugzeug und ein Regenwasser-Kraftwerk.

Ludwig vermisst ein bisschen den Werkstattcharakter von früher, als Bastelobjekte mechanisch zusammengebaut wurden: "Ich wünsche mir wieder mehr Tüftler, die mit den im Haushalt zur Verfügung stehenden Mitteln basteln."

 


Kommentar hinzufügen