Warum es so teuer ist, eine Ortsdurchfahrt zu sanieren

Bretzfeld  Die Sanierung der Ortsdurchfahrt in Bretzfeld war eine Großbaustelle. Warum dauern Arbeiten wie diese so lang - und warum kostet eine erneuerte Straße oft Millionen? Der Bauamtsleiter erklärt: Es liegt an den Anwohnern.

Von Yvonne Tscherwitschke

Ortsdurchfahrt Bretzfeld
Großbaustelle zur Sanierung der Bretzfelder Ortsdurchfahrt: Dort wurden Leitungen und Kanäle verlegt. Archiv/Foto: Julia Glass

Warum dauert es mitunter ewig, bis Ortsstraßen saniert sind? Und warum kostet es oft Millionen? Diese Fragen beantworten Benjamin Müller, Leiter des Bretzfelder Bauamts, und sein Mitarbeiter Manfred Riese. Beide haben die Großbaustelle mit der sanierten Ortsdurchfahrt Bretzfeld gerade abgeschlossen und die nächste mit der zu erneuernden Edelmannstraße in Rappach vor sich.

Anlieger sind Kostenfaktor

"Könnten wir ohne die Anwohner bauen, dann würde das ein Drittel kosten und wir wären in einem Bruchteil der Zeit fertig", sagt Benjamin Müller und verweist auf Neubaugebiete. "Bei Sanierungen müssen wir viel hinbauen, Behelfswege kiesen, Hilfsbrücken bauen und dann alles wieder abreißen." Das kostet Geld - und vor allem Zeit.

Dazu kommt: Je mehr Anlieger, desto mehr Hausanschlüsse gilt es neu zu machen. "Und weil wir die Anwohner ja nicht während der Zeit der Baustelle ohne Wasser, Strom und Abwasser lassen können, müssen wir Provisorien bauen und wieder entfernen." So würden provisorische Wasserleitungen über den Gehweg gelegt, beispielsweise, und der Abwasserkanal an der gekappten Stelle überbrückt.

Berücksichtigt werden diese Arbeiten bereits bei der Ausschreibung und Kostenkalkulation. "Das ist auch der Grund, weshalb die Baufirmen lieber Erschließungsarbeiten machen als Sanierungen", sagt Müller. Allein das Lagern des Materials und die Zufahrten sind bei Sanierungen oft schwierig.

Untersuchung des Baugrunds

Vor der eigentlichen Arbeit stehen Untersuchungen des Baugrunds. Wie belastet sind die Böden, die abgegraben werden? Wie tragfähig ist der Untergrund? Wo liegen die Hausanschlüsse, die gemacht werden müssen. Außerdem, sagt Wiese, wird geklärt, welche Leitungen wo liegen und wer was mit sanieren will. Denn die Gemeinde macht ihre Wasserleitung und ihren Abwasserkanal neu, legt Leerrohre für Glasfaser.

Doch Anbieter von Gas und Telekommunikation können, müssen aber nicht die offene Straße nutzen. "Es kann sogar sein, die kommen keine zwei Wochen, nachdem die Straße zu ist, und beginnen ihre Arbeiten", berichtet Müller. Das ist ärgerlich, aber nicht zu vermeiden. Deshalb werden Telekommunikationsleitungen gern in Gehwegen verlegt, die gepflastert werden. So entsteht nicht nach kurzer Zeit ein Flickenteppich.

Erneuert, was schadhaft ist

Wenn die Straße sowieso schon aufgerissen ist, wird erneuert, was schadhaft ist. Sechs Meter breit ist eine durchschnittliche Straße. Über zwei Drittel der Breite ist mit Rohren und Kanälen belegt. Ganz unten, in vier bis fünf Metern, damit auch das am tiefsten liegende Gebäude entwässert werden kann, liegt der große Abwasserkanal.

Bretzfeld hat ein Mischsystem. Das heiß, Schmutzwasser und Oberflächenwasser laufen durch einen breiten Kanal, meist aus Beton oder Stein. Der Kanal ist braun oder grau. Abgetrennt etwas weiter oben liegt blau die Wasserleitung, Gas ist gelb. Die Schächte, in denen die Leitungen eingebaut sind, haben eine Breite zwischen 80 Zentimetern (Gas) und zwei Metern (Abwasser).

Von der Wasserleitung gehen die Hausanschlüsse ab, die in Hydrantenschächten gesammelt werden. Diese erkennt man an Deckeln ohne Löchern. "Die Deckel mit Löchern sind von den Abwasserschächten", erklärt Riese. Die Belüftung sei wichtig.

Zumachen und auffüllen

Ist alles in der Straße verbaut worden, wird sie zugemacht. Auf die Wasserleitungen kommt Sand, auf die Abwasserkanäle Split. Dann wird der Rest aufgefüllt - oft mit Fremdmaterial aus dem Steinbruch. Bei der Bretzfelder Baustelle aber wurde die ausgebaute Erde verflüssigt und mit einem Bindemittel versehen wieder eingebracht. "Das spart Transportwege und Ressourcen", denkt Müller, dass sich dieses Verfahren durchsetzen wird. Zumal auf das lärmintensive Verdichten verzichtet werden kann. 600 Meter Straßensanierung dauerten etwa ein Jahr.

Das kostet ein Meter Straße

Und was kostet ein Meter Straße? Benjamin Müller holt den Rechner: Für Abwasser werden 1300 Euro gebraucht, für Wasser 1200 Euro, für den Straßenbau mit Beleuchtung und beidseitigem Gehweg 1750 Euro. Das macht 4200 Euro für den laufenden Meter. Jede Menge Geld.

 


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