Warum der Schülerstreik in Künzelsau eher Elternsache ist

Hohenlohe  Erwachsene unterstützen in Künzelsau das Engagement der Jugendlichen für den Klimaschutz und gehen bei Demonstrationen voran. Die Schüler würden in einem Zwiespalt stecken.

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Fridays for Future in Hohenlohe
Am 20. September war die letzte große Fridays-for-Future-Demonstration in der Künzelsauer Innenstadt. Bei der Stadt angemeldet wurde sie von den Parents-for-Future. Foto:Färber/Archiv HSt

Wütende Schüler, die freitags mit Plakaten durch die Straßen ziehen und die Politik zu mehr Klimaschutz auffordern - an diese Bilder hat man sich längst gewöhnt. Auch in Künzelsau gab es schon mehrfach Fridays-for-Future (FfF)-Demonstrationen. Die jungen Leute sind sauer und wollen der Klimakrise nicht tatenlos zusehen. Ist das tatsächlich so?

Bei der Demonstration am 20. September in der Künzelsauer Innenstadt gingen vor allem Leute mittleren Alters voran. Auf der FfF-Website gibt es eine Ortsgruppe Öhringen und eine aus Heilbronn. Künzelsau? Fehlanzeige.

Ein Schüler machte den Anfang

Die ersten Demonstrationen im Frühjahr 2019 stellte der Schüler Leonard Höhn vom Schlossgymnasium auf die Beine. "Er war der Wegbereiter der Klima-Bewegung in Künzelsau", sagt Hannelore Gloger, Pressesprecherin des Gymnasiums. "Seit er das Abitur gemacht und die Schule verlassen hat, waren hauptsächlich die Eltern und wir Lehrer die treibenden Kräfte." Sie wolle die Aktivitäten gerne "stärker in die Hände der Schülerinnen und Schüler" legen. Aber: "Wir werde die Schüler nicht zum Jagen tragen." Fehlt den jungen Leuten der Anführer der Bewegung? Oder brennt ihnen das Thema doch nicht so sehr unter den Nägeln?

Das Schuljahr ist noch jung und es gibt viel zu tun. Erst vor wenigen Wochen wurde die Schülermitverantwortung (SMV) gewählt. Zuerst müssten die Schüler sich organisieren und die Planungen für das kommende Schuljahr festlegen, speziell was das neu gegründete Klimakomitee betrifft, sagt Gloger.

Lob für das Engagement

Priscilla Reinauer von den Parents-for-Future Hohenlohe, die selbst ein Kind am Schlossgymnasium hat, lobt das Engagement der Schüler. "Gerade diejenigen im Klimakomitee sind sehr engagiert und machen viele tolle Aktionen. Sie bleiben aber meistens an der Schule."

 

„Wir sind froh, wenn wir überhaupt ein funktionierendes Busnetz haben.“

von Priscilla Reinauer

 

Sie gibt zu bedenken: Die Themen, mit denen in Großstädten auf die Straße gegangen werden, betreffen die Schüler in Hohenlohe meist nicht. "Die Leute sollen mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Wir sind froh, wenn wir überhaupt ein funktionierendes Busnetz haben." Ohnehin sei Künzelsau zu klein. Es müsse einen FfF-Hohenlohe geben: "Dann engagieren sich sicher auch mehr Schüler."

Antonia Zarth geht in die 13. Klasse am Schlossgymnasium. Sie sagt ganz klar: "Wir wollen die FfF-Bewegung auf jeden Fall weiterführen. Doch es ist in der Oberstufe schwierig, wenn nicht der Schulalltag vernachlässigt werden soll." Ganz sicher würden die Schüler aus dem Klimakomitee jetzt ihre Arbeit in Angriff nehmen. Sie denke an Aktionen, die mit dem Schulalltag verträglich sind. "Immerhin stehen wir kurz vor dem Abitur."

Schulleiter sieht Rollenkonflikt

Damit spricht sie als Schülerin genau das aus, was Edwin Straßer, Schulleiter des Ganerben-Gymnasiums, so wichtig ist. "Ich sehe meine Schüler beim Thema FfF in einem Rollenkonflikt: Einerseits wollen sie sich beteiligen, andererseits aber auch nicht die Schule schwänzen."

Er plädiere dafür, freitags nach Schulschluss zu demonstrieren. "Ich unterstütze das Thema sehr. Trotz allem habe ich meinen Schülern deutlich gemacht: Sie haben ein Demonstrationsrecht, kein Streikrecht." Der Schulleiter freut sich über die gute Gemeinschaft zwischen Lehrern und Schülern: "Meine Schüler wollen mit den Lehrern arbeiten und nicht gegen sie."

 


Sarah Arweiler

Sarah Arweiler

Autorin

Sarah Arweiler ist seit 2016 Redakteurin bei der Heilbronner Stimme. Sie gehört zum Redaktionsteam der Hohenloher Zeitung und schreibt über Themen aus dem Altkreis Künzelsau. 

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