Viele Besucher beim Herbstpferdemarkt in Dörzbach

Dörzbach  Geflochtene Mähnen hier, sorgfältig gebürstete Schweife da: Dörzbach feiert mit 52 Vierbeinern den traditionellen Herbstpferdemarkt. Die schönsten Tiere werden gekürt. Auf dem Krämermarkt gibt es Honig und Strickmützen.

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Ein charmantes Gespann: Die Esel tragen zum Festtag sogar Blumen auf der Stirn und stehen den Pferden in nichts nach.

Fotos: Tamara Ludwig

Der markant-herbe Geruch von Pferd liegt in der Luft, vermischt sich mit den ersten Bratwürsten, die in den Buden auf dem Grill brutzeln. Pferdeäpfel weisen den Weg zum Wertungsring im äußeren Schlosshof von Schloss Eyb. Dort stehen vierbeinige Schönheiten bereit, um sich den kritischen Augen der Jury beim Dörzbacher Herbstpferdemarkt zu präsentieren.

Geflochtene Mähnen hier, sorgfältig gebürstete Schweife da, saubere Hufe und glänzendes Fell verstehen sich von selbst. "Unter fünf Stunden kann man die Tiere nicht so schön herrichten", erklärt Willi Schmitt, Moderator und ehemaliger Bürgermeister von Dörzbach, dem Publikum. Trotz Nieselregens füllt sich der Zuschauerbereich zunehmend, während ein graziles Tier nach dem anderen in Schritt und Trab im Kreis geführt wird.

So manche Dame verhält sich wenig damenhaft

Nicht alle verstehen es jedoch, sich der Jury von der besten Seite zu zeigen. Einer noch jungen, temperamentvollen Rappstute scheint der Trubel zu viel. Sie tänzelt, bockt und schlägt aus.

Eine Haflinger-Dame dreht den Wertungsrichtern demonstrativ den Hintern zu und entleert erstmal ihren Darm. Die aufsteigenden Dämpfe lassen die Jury einige Meter zur Seite weichen.

Insgesamt allerdings bestechen die Stuten "durch ihre weibliche Art", ihre "schöne Schulterlage und Oberlinie" oder ihr "korrektes Fundament". Manche Dame sieht man "locker durch den Körper trabend", andere mit "fleißigem, raumgreifendem Schritt". Der Jury fallen allerlei Schmeicheleien ein, die die Züchter stolz auf ihr Tier blicken lassen.

Wie aus Sugar Cane das Schimmelchen wurde

Suche Pony, biete Lebkuchenhaus

Die zehnjährige Emilia Wagner aus Rengershausen führt ihre Pony-Stute Sugar Crane schon fast wie ein alter Hase durch den Ring.

Mindestens ebenso stolz schaut Valerie Wagner aus Rengershausen ihrer Tochter zu. Die zehnjährige Emilia führt ihre Pony-Stute Sugar Cane sicher durch den Wertungsring und bezaubert die Jury. Auch wenn Emilia zunächst in die falsche Richtung läuft. Macht nix, dreht sie eben um und muss über sich selbst ein wenig schmunzeln.

Dass das Schimmelchen, wie Familie Wagner die weiße Stute nennt, überhaupt in deren Besitz ist, geht auf eine kuriose Geschichte zurück: "Ich habe sie gegen ein Lebkuchenhaus eingetauscht", erzählt Valerie Wagner.

Die Familie, bei der die Stute ursprünglich war, kam mit dem Tier nicht klar, zudem hatte Sugar Cane gesundheitliche Probleme. Als Gegenleistung für das Pony sollte Wagner lediglich etwas Nettes für die Kinder machen. Also buk sie ein Lebkuchenhaus - und bekam dafür etwas ähnlich Süßes. Denn der Name der Stute lautet übersetzt Zuckerrohr.

Und als im Ring die letzten Schönheiten ihre Kreise ziehen und mit der Schwarzwälder Stute Nele von Züchterin Silke Abel aus Pfedelbach die Tagessiegerin gekrönt wird, formiert sich so langsam der Festumzug.

Schlendern auf dem Krämermarkt

Suche Pony, biete Lebkuchenhaus

Silke Amann hilft am Stand im Universum, umringt von süßen Verführungen.

Noch ist Zeit über den Krämermarkt zu schlendern, Honig, eine dicke Strickmütze für die kalten Wintertage oder weihnachtliche Holzdeko zu erwerben.

Dann geht es los, die Laibacher Musikkapelle gibt gekonnt den Takt an, die ersten Zuschauer wippen mit. Während Musiker, Pferdegespanne, Reiter, Fußgruppen, Oldtimer-Zweiräder und -Traktoren unter bunten Girlanden durch Dörzbach ziehen, zeigen sich blaue Flecken am Himmel und die Sonne taucht die Hügel des Jagsttals in warmes Herbstlicht.

Ergebnisse

An der Prämierung nahmen 52 Pferde teil. Die Kommission bestand aus Jutta Laubner, Marina Kissinger, Bernhard Schumm und Hartmut Fürst.

Tagessieger wurde die fünfjährige Schwarzwälder Kaltblutstute Nele von Silke Abel (Pfedelbach).

Ehrenpreise erhielten:

Warmblut: Markus Kuch (Blaufelden) mit Donnarina, Nicole Zeilein-Fruh (Stimpfach) mit Fabulous Holly, Willi Schmitt (Dörzbach) mit Chicca.

Haflinger: Jürgen Sturm aus Niederstetten mit Nieke, Robert Meier aus Schrozberg mit Ninette.

Norweger: Ulrich Förch aus Lampoldshausen mit Nelke.

Isländer: Anna Leiser (Dörzbach) mit Röska vom Wiedenhof.

Dartmoor-Pony: Familie Wagner (Michelfeld) mit Rika.

Deutsches Reitpony: Lea Schmelzer (Jagstberg) mit Bünteeiden Corana.

Shetland-Pony: Lukas Wulff aus Igersheim mit Mon Cherie.


Tamara Ludwig

Tamara Ludwig

Autorin

Tamara Ludwig ist seit 2014 Redakteurin der Hohenloher Zeitung. Dabei hat sie vor allem die Ereignisse und Kommunen im Altkreis Künzelsau im Blick.

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