Ungeklärte Todesursache bei Tieren

Hohenlohe  Ein Damwild-Züchter entdeckt bei Waldenburg ein totes Reh. Es ist übel zugerichtet. Bei Kupferzell wird ein verbissenes Wildschwein gefunden. Das Veterinäramt sagt: Es war kein Wolf. Viehhalter sind verunsichert.

Von Jürgen Kümmerle

Viehhalter verunsichert

So traf Hans-Frieder Messerschmidt das tote Tier an. Bei einer Prüfung des Landratsamts Hohenlohe ist kein Verdacht auf einen Wolfsverbiss nachgewiesen worden.

 

Als Hans-Frieder Messerschmidt an einem kühlen Samstagmorgen zu seiner Damwild-Herde in Waldenburg geht, macht er eine grausige Entdeckung. Eins seiner Tiere ist übel zugerichtet. Es ist an Hals und Hinterteil verbissen. Blut färbt den verschneiten Weideboden rot. Freitags noch seien alle Tiere am Leben gewesen. Am nächsten Tag ist eins davon tot. Was ihn wundert: Es seien mehrere Kilogramm Fleisch vom Tier gefressen worden.

Dass es ein Fuchs gewesen sein könnte, schließt der Landwirt aus. "Der kann die Menge gar nicht wegfressen. Und eine Fuchsfamilie gibt es in der Winterzeit nicht. Es ist Ranzzeit*", sagt der 66-Jährige. Messerschmidt fragt sich, ob"s ein Wolf gewesen sein könnte. Experten des Landratsamts Hohenlohe begutachten den Kadaver.

Die Überreste des Tieres seien zur Beurteilung an die Veterinärmedizinische Untersuchungseinrichtung nach Stuttgart-Fellbach gebracht worden, erzählt Messerschmidt. Ergebnis: Es war kein Wolf.

In Hohenlohe geht trotzdem die Sorge um. Nicht, dass man dem Urteil des Veterinäramts misstraut. "Aber warum hat man Proben nicht zur DNA-Untersuchung weitergeleitet?", fragt Messerschmidt. Dr. Wolfgang Eißen ist Leiter des Landwirtschaftsamts im Hohenlohekreis. Er tippt auf wildernde Hunde, die das Damtier zugerichtet haben könnten.

Vorfälle nehme man ernst

Dass kein DNA-Test gemacht wurde, verteidigt er. "Fachleute haben vor Ort entschieden und kamen eindeutig zu dem Ergebnis, dass es kein Wolfsbiss war." Da DNA-Untersuchungen sehr umfangreich seien, bestehe man nur bei ernsthaftem Verdacht auf einen Test. Man nehme solche Vorfälle dennoch ernst und habe Verständnis für die Beunruhigung der Menschen. "Man darf aber nicht in Hysterie verfallen."

Viehhalter verunsichert

Das Damwild von Hans-Frieder Messerschmidt steht auf einer Wiese in Waldenburg. Rund 60 Tiere hält der Landwirt. Vor wenigen Wochen hat er ein totes Tier entdeckt. "Es herrscht ein ungutes Gefühl unter den Kollegen."

Fotos: Hans-Frieder Messerschmidt

 

Das muss Michael Bucka nicht. Er ist Landwirt und besitzt 30 Kühe und Rinder. Von dem Vorfall habe er selbstverständlich gehört. In der Regel greifen Wölfe keine Rinder an. "Grundsätzlich geht"s mir bei dem Gedanken nicht gut", sagt der Landwirt. Würden Wölfe im Hohenlohekreis auftreten, müsse man sie bejagen. "Der Wolf muss wissen, dass vom Menschen eine Gefahr ausgeht", sagt der 56-Jährige aus Waldenburg-Goldbach.

Opfer eines Verkehrsunfalls

Ein zweiter Vorfall im Januar sorgt zusätzlich für Verunsicherung bei Tierhaltern. Ein verbissenes Wildschwein ist bei Kupferzell entdeckt worden. Da sich wildernde Hunde für gewöhnlich nicht mit Wildschweinen anlegen, hat man den Kadaver auf DNA-Spuren untersucht. Ergebnis: Es war kein Wolf. 

Eißen hat mehrere Erklärungen. Das Wildschwein könnte von einem Auto angefahren worden sein. Oder es wurde Opfer eines ungenauen Schusses eines Jägers. Verendet das Tier, machten sich Füchse oder wildernde Hunde an dem Kadaver zu schaffen. Ist die Sorge von Viehzüchtern übertrieben?

Darum geht es Corinna Janßen nicht. "Ich möchte keine Panik auslösen", sagt die 49-Jährige aus Waldenburg-Ziegelhütte. Dennoch wäre ihr ein Gentest an dem toten Damwild lieber gewesen. Um Gewissheit zu haben. Janßen züchtet "mit großer Leidenschaft" Welsh-Ponys, eine aus Wels stammende Pony-Rasse. Ihre Weiden grenzen direkt an einen Wald.

Von Mai bis November leben ihre Tiere im Freien. Generell sei sie keine Wolfsgegnerin. "Aber sie passen nicht in unsere Kulturlandschaft." Ihr Traum von einer Idylle sei kaputt. Sollte es ein Wolf gewesen sein, hätte das Konsequenzen für ihre Herde, sagt Janßen. Sie würde ihre Tiere nachts in den Stall sperren.

Auch interessant: Im Oktober vergangenen Jahres ist ein Wolf gesichert in Widdern im Landkreis Heilbronn nachgewiesen worden. Das Tier hatte drei Lämmer gerissen

 

Begriffserklärung

Ranzzeit: Rüden suchen nach paarungswilligen Weibchen.