Trauer in der Region um Eppler

Schwäbisch Hall  Josip Juratovic nennt das SPD-Urgestein ein großes Vorbild. Sein wacher Geist werde dem Land und der Sozialdemokratie fehlen. Die Betroffenheit nach dem Tod des 92-jährigen Erhard Eppler ist groß. Die Stadt Schwäbisch Hall trauert um ihren Ehrenbürger.

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Josip Juratovic mit Erhard Eppler im Januar 2019 bei einer Begegnung in Künzelsau. Foto: privat

Die Nachricht vom Tod des SPD-Politikers Erhard Eppler hat über die Parteigrenzen hinweg Betroffenheit ausgelöst - auch in der Region. Der in Ulm geborene Eppler starb am Samstag im Alter von 92 Jahren in seiner Wahlheimat Schwäbisch Hall. Er galt als Urgestein der Sozialdemokraten und einer ihrer großen Vordenker.

Eppler hatte ab 1972 das Bundestags-Direktmandat im Wahlkreis Heilbronn inne und war von 1973 bis 1981 Landesvorsitzender der SPD in Baden-Württemberg. Josip Juratovic vertritt heute die SPD für den Wahlkreis Heilbronn im Bundestag. Er erinnert sich gerne an die vielen Begegnungen mit Eppler, die letzte war im Januar diesen Jahres in Künzelsau.

„Seine Ideen waren immer scharfsinnig”

Regelmäßig habe sich Eppler mit aktiven Außenpolitikern getroffen, sagt Juratovic im Gespräch mit unserer Redaktion. Und dabei habe der SPD-Senior seine große Sorge um die Demokratie, um den Zusammenhalt in Europa geäußert. Vor allem habe er aber vor einer zunehmenden Bedrohung der repräsentativen Demokratie gewarnt, die von rechts- wie linksextremen Populisten und ihren Bewegungen bedroht würde. „Diese Sorge haben wir geteilt“, sagt Juratovic. „Seine Gedanken, seine Ideen waren immer scharfsinnig“, schildert er den Menschen Eppler.

Seit den 60er und 70er Jahren sei Eppler bereits ein Vorbild für viele Sozialdemokraten gewesen, ein Vordenker. „Wir Jüngere haben seine Ideen wie ein Schwamm aufgesaugt“, erzählt Juratovic. In der Entwicklungshilfe- oder der Umweltpolitik, besonders aber als Ikone der Friedensbewegung der 80er habe er sehr vorausschauend gedacht und gehandelt. „Er war seiner Zeit in vielen Dingen voraus“, urteilt der Heilbronner Bundestagsabgeordnete. Was ihm besonderes an dem Haller Politiker gefallen habe? Juratovic: „Er hat nie Politik mit dem erhobenen Zeigefinger gemacht, er war kein Oberlehrer - Erhard Eppler war immer besonnen und überlegt, auch im hohen Alter. Er ist auch für mich persönlich ein großes Vorbild, weil er geradlinig und ein standhafter Demokrat war. Sein wacher Geist wird diesem Land und der Sozialdemokratie sehr fehlen.“
 

Evelyne Gebhardt: Stets als Ratgeber geschätzt

Die SPD-Europaabgeordnete Evelyne Gebhardt zeigt sich ebenfalls sehr betroffen: „Mit Erhard Eppler verliert die SPD eine ihrer herausragendsten Persönlichkeiten und einen Vordenker. Ich habe den Ehrenbürger meiner Heimatstadt Schwäbisch Hall stets als Ratgeber geschätzt und denke an viele Begegnungen zurück.“ Bei einer Begegnung im Frühjahr habe Eppler seine Besorgnis zur Zukunft Europas Ausdruck verliehen. Gebhardt: „Die Solidarität der Mitgliedstaaten untereinander habe die EU stets zusammengehalten. Ohne diese Solidarität sei Europa gefährdet, so sein Fazit bei unserer letzten gemeinsamen Veranstaltung im Mai dieses Jahres. Es bleibt uns Mahnung und Auftrag zugleich."
 

Harry Mergel: Schon 1972 bewundernd zu Eppler aufgeblickt

Auch Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel fühlt sich Eppler seit langem verbunden. Mergel: „Ich habe schon bewundernd zu Erhard Eppler aufgeblickt, als er 1972 das Direktmandat für den Bundestag im Wahlkreis Heilbronn gewann. Seit dieser Zeit hat er mir immer das gute Gefühl gegeben, als Sozialdemokrat politisch auf der richtigen Seite zu stehen: im Umgang mit der Schöpfung, in der Friedenspolitik, in der Gerechtigkeitsdebatte und auch in seiner Forderung nach einem starken und handlungsfähigen Staat.“

Die Heilbronner SPD sieht das Wirken Epplers als Verpflichtung. Kreisvorsitzende Tanja Sagasser-Beil: „Erhard Eppler war ein Visionär und seiner Zeit weit voraus, als er Umwelt und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt seines politischen Handelns stellte. Gerade heute ist es Aufgabe der SPD, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit zusammenzubringen. Im Sinne von Erhard Eppler sollten wir uns diesem Thema mit aller Kraft widmen.“
 

Strobl: Aufrecht für seine Haltung eingetreten

„Auch wer seine politische Position nicht teilte, achtete seine intellektuelle Schärfe“ sagt der Landesinnenminister und CDU-Bundesvize Thomas Strobl. Eppler sei aufrecht und konsequent für seine Haltung und seine Überzeugung eingetreten, erklärt der Heilbronner.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) würdigt Epplers Verdienste für den Umweltschutz: „Er war nicht nur für seine Partei, die SPD, prägend, sondern hat schon sehr früh Wege vorgezeichnet, die letztlich zur Gründung der Grünen führten.“ Wie kaum ein anderer habe Eppler die Ökologie als notwendiges Themenfeld in die Politik eingeführt. Zudem sei der Sozialdemokrat immer um Ausgleich und Zusammenhalt bemüht gewesen. Kretschmann: „Einen solchen Menschen zu verlieren, zumal in Zeiten, in denen Zuspitzungen und Verletzungen immer mehr in die politische Auseinandersetzung einziehen, tut weh.“

Eppler leitete fast 20 Jahre die SPD-Grundwertekommission. Zwei Mal war er Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages. „Erhard Eppler war seiner Zeit weit voraus und hat aus seinem christlichen Glauben heraus Verantwortung übernommen - auch dann, wenn es unpopulär und seiner Parteikarriere nicht förderlich war”, so der Evangelische Landesbischof in Württemberg, Frank Otfried July.

„Wir sind Erhard Eppler unendlich dankbar für das, was er uns alles gegeben hat. Er war eine herausragende Persönlichkeit der Sozialdemokratie, im Bund und in Baden-Württemberg, dessen Wertefundament und Prinzipientreue für uns wegweisend bleiben werden“, sagt SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende in Baden-Württemberg, der Heidenheimer Andreas Stoch, über Eppler, dem 2015 das Ehrenbürgerrecht in Schwäbisch Hall verliehen wurde. Die Laudatio hielt damals Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder.
 

Hermann-Josef Pelgrim: Stadt wird ihm ehrendes Andenken bewahren

In Epplers Wahlheimat ist die Trauer jedenfalls groß. Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim erklärt „Schwäbisch Hall trauert um seinen Ehrenbürger Erhard Eppler. Als kritischer Geist und Vordenker hat er die Landes- und Bundespolitik über Jahrzehnte mitgeprägt, auch wenn er als moralische Instanz seiner Zeit mitunter voraus war.“ Wer ihn gekannt habe, sei beeindruckt gewesen von seiner „visionären Kraft und vor allem von der Stärke, mit der er auch gegen Widerstände an seinen Überzeugungen festhielt. Auch für mich persönlich war er ein Vorbild“. Pelgrim weiter: „Die Stadt ist dankbar, dass sie Erhard Eppler zu ihren Bürgerinnen und Bürgern zählen durfte und wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.“


Hans-Jürgen Deglow

Hans-Jürgen Deglow

Chefkorrespondent in Berlin

Hans-Jürgen Deglow ist seit Januar 2017 bei der Heilbronner Stimme.

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