Transnet: Netzbooster bei Kupferzell wird gebaut - aber nur halb so stark

Kupferzell  Jetzt ist klar: In Kupferzell wird eine Riesenbatterie, ein sogenannter Netzbooster gebaut. Das gab EnBW/Transnet am Freitag bekannt. Nun beginnt die konkrete Planung.

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So ähnlich könnte die geplante Anlage in Kupferzell auch aussehen: In der Wüste Australiens hat Tesla vor wenigen Jahren einen 100-Megawatt-Speicher gebaut. Der Kupferzeller Booster wäre mit nun avisierten 250 Megawatt deutlich größer. Der genaue Standort soll nun bald konkreter festgelegt werden.

Foto: Archiv/dpa

Mit einem Netzbooster soll die Übertragungsfähigkeit der bestehenden Leitungen erhöht werden. Klar ist nun auch die Dimension der Riesenbatterie. Sie wird nur halb so stark wie ursprünglich geplant.

Im Entwurf sah die Planung noch 500 Megawatt Leistung vor. Nun werden es nur noch 250 Megawatt. Mit der Halbierung der Leistung reduziert sich auch die Fläche für den Containerbau.

Bereits im April dieses Jahres waren die Pläne und Unterlagen für die nach bisher offiziell unbestätigten HZ-Informationen rund 200 Millionen Euro teure Riesenbatterie von EnBW/Transnet bei der Bundesnetzagentur (BNetzA) eingereicht worden. Das Ziel: Die Bestätigung vonseiten der Bundesbehörde, dass das innovative Pilotprojekt mit einem Flächenverbrauch in Dimensionen von mehreren Fußballfeldern tatsächlich final in den Netzentwicklungsplan Strom 2030 (NEP) aufgenommen wird. Der Entwicklungsplan definiert die Ausbau-Maßnahmen, die künftig für eine sichere Stromversorgung notwendig sind.

Anteil regenerativer Energien erhöhen

Transnet bestätigt: Netzbooster bei Kupferzell wird gebaut - aber nur halb so stark

Innenansicht eines Batteriespeichers: Die Anlage in Kupferzell soll jedoch weitgehend automatisch laufen. Arbeitsplätze vor Ort entstehen nicht.

Foto: Archiv/privat

Erstmals ist dem aktuellen NEP-Entwurf das Ziel der Bundesregierung zugrunde gelegt, den Anteil der erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2030 auf 65 Prozent zu erhöhen.

Monatelang haben die Experten in Bonn die Unterlagen für die Transnet-Anlage, die nach ersten Planungen in etwa die Dimension eines großen Möbelhauses haben sollte, geprüft. Mit Erfolg: Der Booster ist nun im Netzentwicklungsplan bestätigt worden. Mit dieser Entscheidung der Bundesnetzagentur sind die Weichen gestellt.

Leuchtturmprojekt

"Der Netzbooster ist ein Leuchtturmprojekt der Energiewende. Er bietet die große Chance, Netzinfrastruktur langfristig effizient zu gestalten und zu betreiben. Er ist aber auch eine wirtschaftliche Chance für die Region. Wir investieren einen hohen mehrstelligen Millionenbetrag in diese umweltfreundliche Speichertechnologie", sagt Transnet-Pressesprecherin Regina König.

Nach der finalen Aufnahme in den Netzentwicklungsplan fließt das Pilot-Projekt nun automatisch ins gesetzgebende Verfahren - den sogenannten Bundesbedarfsplan. Damit ist die Verpflichtung zur Umsetzung verbunden. Der Bundestag wird den nächsten Bundesbedarfsplan im kommenden Jahr beschließen.

Genehmigungsprozess startet

Transnet bestätigt: Netzbooster bei Kupferzell wird gebaut - aber nur halb so stark

Viele kritische Fragen gab es bei der Info-Veranstaltung im Juni.

Foto: Nick

Ehe der Booster jedoch tatsächlich in Kupferzell gebaut werden kann, muss unter anderem zunächst noch ein behördlicher Genehmigungsprozess samt Ausschreibung und Planfeststellungsverfahren folgen. Losgehen wird es mit dem Bau voraussichtlich dann im Jahr 2021.

Auch der genaue Standort soll nun bald konkreter festgelegt werden. Von einem Transnet-Experten wurde diesbezüglich bisher bei einer Info-Veranstaltung im Sommer nur bestätigt, dass sich die mögliche Zone auf den "Umkreis einiger hundert Meter" Entfernung vom Kupferzeller EnBW-Umspannwerk erstrecken wird. Insider sprachen damals gegenüber der HZ von einer Lage "Richtung Kubach".

"Die genaue Definition des Standorts werden wir erst jetzt nach der endgültigen Bestätigung der Bundesnetzagentur treffen", sagt Transnet-Sprecherin König gegenüber unserer Zeitung. "Wir wollen auf die Gemeinde zugehen und gemeinsam eine geeignete Fläche suchen. Dabei sind wir flexibel in Bezug auf den Ort und nicht auf unser eigenes EnBW-Gelände fixiert."

Projekt nicht unumstritten

Ihr Unternehmen setze auf Kommunikation und Kooperation, sagt Regina König: "Wir suchen den Dialog mit der Bevölkerung."

Das Projekt ist jedoch vor Ort nicht unumstritten: Zahlreiche Bürger hatten sich bereits bei der Info-Veranstaltung, mit der Transnet möglichst frühzeitig die Bevölkerung einbeziehen wollte, mit teils durchaus berechtigten und kritischen Fragen zu Wort gemeldet. Kupferzells Rathauschef Christoph Spieles sieht auf Nachfrage unserer Zeitung gleicherweise Chancen und Risiken in dem Projekt. Zunächst sei er nun jedoch etwas "überrascht" von der Entscheidung der Bundesnetzagentur: Denn im Spätsommer "hatte es von dort noch geheißen: wohl nicht genehmigungsfähig". Dass sich die Kapazität nun um die Hälfte reduziert hat, freut den Bürgermeister: "Das Schreckgespenst ist damit kleiner."

Noch Fragen offen

Für ihn ist aber auch klar: "Die Energiewende geht uns alle an. Der Netzbooster kann für Kupferzell auch eine Chance sein; ein Zeichen dafür, beim KIimaschutz ganz vorn dabei zu sein." Dennoch seien für ihn auch zum jetzigen Zeitpunkt noch viele Fragen offen.

Er erinnere sich eben noch gut an die "desaströse Vorstellung", die EnBW/Transnet beim Informationsabend seiner Ansicht nach abgegeben habe. "Was ist mit der Strahlung, welcher Batterietyp wird nun genau installiert - und wie ist es mit dem Brandschutz", rekurriert der Verwaltungschef auf zahlreiche Punkte, die seinerzeit von den Bedenkenträgern artikuliert wurden. "Die Offenheit und Gesprächsbereitschaft des Unternehmens finde ich aber positiv", so Spieles.

Transnet bestätigt: Netzbooster bei Kupferzell wird gebaut - aber nur halb so stark

Christian Nick

Christian Nick

Autor

Christian Nick ist Redakteur bei der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung. Schwerpunktmäßig betreut er die Kommunen Kupferzell, Neuenstein und Waldenburg – schreibt aber auch über alles andere gerne.

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