Rund 3000 Läufer sind beim EBM-Papst-Marathon am Start

Niedernhall  Trotz Dauerregen und niedrigen Temperaturen herrscht gute Stimmung beim Niedernhaller Laufevent. Wie die Sportler mit dem Wetter umgehen und warum der Trainingspartner eines Läufers nicht mitmachen durfte.

Rund 3000 Läufer beim EBM-Papst-Marathon
Schnellster Mann über zehn Kilometer: Steffen Burkert hat von Beginn an einen komfortablen Vorsprung – und ist im Ziel kaum außer Puste. Foto: Ludwig

Tief hängen dunkelgraue Wolken ins Kochertal herab, spenden den von der Natur so dringend benötigten Regen. In Niedernhall heißt es am Sonntag "Running in the Rain" oder auch "September Rain" - frei nach zwei bekannten Songs der Musikgeschichte.

Denn neben Bäumen, Sträuchern, Blumen und Gräsern bewässern die Wolken auch rund 3000 Läufer und weitere Hunderte Helfer und Besucher des EBM-Papst Marathons.

Ferien als Grund für Teilnehmerrückgang?

Ob das der Grund ist, dass in diesem Jahr rund 500 Teilnehmer weniger an den Start gehen als 2018? "Ich glaube nicht, dass es am Wetter liegt", sagt EBM-Papst-Pressesprecher Hauke Hannig. Er vermute vielmehr - und das sei ihm auch von verschiedenen Seiten zugetragen worden, dass es an den Ferien liege.

"Da die Schule in diesem Jahr erst am Mittwoch wieder beginnt, sind viele noch im Urlaub", erklärt Hannig. "Der Regen hingegen mache den Läufern nichts aus. "Das ist den meisten lieber als 30 Grad", ist Hannig sicher.

So sieht das auch Peter Lutz aus Niedernhall. "Ich laufe am liebsten bei schlechterem oder zumindest kühlerem Wetter", sagt er. Als Landwirt habe er bei gutem Wetter ohnehin keine Zeit. Das sei auch der Grund, warum er den ganzen Sommer kaum zum Trainieren gekommen sei.

Trainingspartner durfte nicht mitlaufen

Mit seinem Ergebnis ist er dennoch zufrieden: "Ich wollte die zehn Kilometer in einer Stunde schaffen, das hat geklappt." Nur sein Trainingspartner konnte heute nicht dabei sein: "Normalerweise läuft mein Hund mit, aber das ist nicht erlaubt", sagt Lutz und lacht.

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Beim EBM-Papst-Marathon endet in diesem Jahr eine Ära: Der Veranstalter des Events, der Polizeisportverein Hohenlohekreis (PSV), hört auf. „Wir bedauern das, die Zusammenarbeit war immer sehr gut“, sagt Hauke Hannig, Pressesprecher von Hauptsponsor EBM-Papst. Die PSV-Vorsitzende Petra Baas ist den Tränen nah, als sie auf der Bühne Abschied nimmt. „Uns fehlt einfach der Nachwuchs“, nennt sie den Grund für den Rückzug. Man schaffe das personell nicht mehr. Ab kommendem Jahr übernimmt der TSV Niedernhall die Rolle des Veranstalters. Vorstandsmitglied Ralf Herrmann hat großen Respekt vor der Aufgabe. „Wir haben lange überlegt, ob wir das machen sollen“, sagt er. Die langjährige Erfahrung könne man nicht ersetzen. In diesem Jahr durften die TSV’ler noch im Windschatten der alten Hasen mitlaufen und lernen. Ab 2020 müssen sie selbst zu Zugläufern werden. Herrmanns Zielvorgabe: „Dass niemandem auffällt, dass es einen Wechsel gab.“

Einer, der es lieber etwas wärmer und trocken gehabt hätte, ist Ulrich Pfeffer. Probleme scheint ihm das Wetter allerdings keine bereitet zu haben. In der Altersklasse 70 belegt er den stolzen zweiten Platz mit rund 51 Minuten über die zehn Kilometer-Distanz.

Zwar habe er sich einen Treppchenplatz vorgenommen, aber der Lauf sei für ihn vor allem ein Familienevent. Auch sein Sohn Stefan läuft die zehn Kilometer, eine Enkeltochter ist bei den Bambini am Nachmittag am Start, die andere auf der Ein-Kilometer-Strecke.

Helfer schenken fleißig aus

Eine andere Art von Familienevent ist der Marathon für Familie Ehnes aus Niederstetten. Heinz, Andrea und Tochter Lea Ehner sind als Helfer am Getränkestand für die Läufer im Einsatz. Und langweilig ist ihnen keineswegs: Trotz Wasser von oben, schenken sie einen Becher Mineralwasser nach dem anderen aus.

Wer dem Nass entfliehen will, der hält sich in der Sporthalle auf. Dort gibt es eine Laufmesse, die der eine oder andere noch für den Erwerb eines Last-Minute-Regencapes nutzt. Auch Irina Winter aus Buchen (Neckar-Odenwald-Kreis) stöbert durch einen Kleiderständer mit regenfesten Laufjacken.

Kaufen wird sie aber wohl nicht. "Eigentlich versuche ich mir vor allem, die Zeit bis zum Start im Trockenen zu vertreiben", sagt sie. Sie ist zum ersten Mal hier und startet zum allerersten Mal bei einem Halbmarathon. Und was hat sie sich vorgenommen? "Nichts", sagt sie und lacht. "Ich lasse das einfach auf mich zukommen."

Von Sandkasten bis Bubble-Ball: Die Kinder trotzen dem Regen

Ebenso wenig wie die Sportler scheinen sich die Kinder am Regen zu stören. Einige ganz Hartgesottene spielen im Sandkasten, andere hüpfen vergnügt am Bungee-Trampolin auf und ab.

Wieder andere scheinen vom Wasser gar nicht genug zu kriegen: Sie rennen, taumeln, überschlagen sich lachend und kreischend in einem großen Schwimmbecken. Allerdings wird hier nicht gebadet, sondern die Kinder umhüllt ein sogenannter Bubble-Ball, also ein mit Luft - und Kind - gefüllter Ballon. Als hätten sie es sich mit ihrer Unbekümmertheit verdient, hört der Regen pünktlich zu den Kinderläufen auf.

 

 

 

Tamara Ludwig

Tamara Ludwig

Autorin

Tamara Ludwig ist seit 2014 Redakteurin der Hohenloher Zeitung. Dabei hat sie vor allem die Ereignisse und Kommunen im Altkreis Künzelsau im Blick. 

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