Party für Alexander Gerst mit Annâweech in Moskau

Künzelsau/Moskau  Die Hohenloher Mundartband Annâweech spielt am Mittwochabend in der Deutschen Botschaft. Die Party sollte eine Überraschung sein für Astronaut Alexander Gerst. Ganz geheim ist sie inzwischen nicht mehr.

Von Ralf Reichert

Alexander Gerst
Alexander Gerst blickt während seines Fluges mit der Internationalen Raumstation ISS durch ein Fenster in der Kuppel auf die Erde. Foto: Nasa/dpa

Es sollte eine Überraschung werden. Status der Mission: streng geheim. Jetzt hat Alexander Gerst doch schon Wind davon bekommen, was da am Mittwochabend in der Deutschen Botschaft in Moskau ablaufen wird: Eine Party mit 200 Gästen, auf der die Hohenloher Mundartband Annâweech spielen wird.

Die US-Amerikanerin Serena Auñón-Chancellor und der Russe Sergej Prokopjew sind ebenfalls dabei, sie waren mit Gerst vom 6. Juni bis 20. Dezember im All. Und an ihrer ISS-Mission "Horizons" nahm die ganze Welt teil.

Das war der urspüngliche Plan

So weit entfernt von ihrer Heimat sind Annâweech noch nie aufgetreten. Doch was macht man nicht alles für Alexander Gerst, den Hohenloher All-Star. "Eigentlich hatten wir das Ding schon abgehakt", sagt Frank "Molle" Winkler. "Der ursprüngliche Plan war, dass wir auf dem offiziellen Empfang spielen, den die russische Weltraumorganisation Roskosmos für die drei Astronauten gibt." Dann aber stellte sich heraus: "Es bleibt nur ein Zeitfenster von zwei Minuten übrig, was keinen Sinn gemacht hätte."

Botschafter hat die Lösung

Freuen sich auf den Auftritt, die Musiker von Annâweech. Foto: privat

Was also tun? Der deutsche Botschafter in Moskau, Rüdiger von Fritsch, hatte eine Lösung parat: "Er schlug vor: Wir machen eine Extra-Überraschungs-Party, mit allen Botschaftern, den Roskosmos-Leuten und Esa-Vertretern sowie Menschen, die Alexander Gerst nahestehen."

Gesagt, getan. Und so werden Annâweech am Mittwochabend statt zwei Minuten ganze "zwei bis zweieinhalb Stunden" die Räume der Deutschen Botschaft erklingen lassen.

"Mister Cool" ist der Opener

Das Programm soll laut Winkler "nicht ganz so inhaltsschwer" sein. "Es wird eher auf gute Melodien ankommen, weil ja nicht alle hohenlohisch verstehen", sagt er und schmunzelt. "Eine paar englische Songs sind auch dabei: von den Beatles, von Simon and Garfunkel oder Jon Denver." Ein Lied darf natürlich nicht fehlen: "Mister Cool", das Annâweech 2014 für Gerst geschrieben haben, als der seine erste ISS-Mission absolvierte. "Es wird der Opener", verrät Winkler. "Und wir singen es auf Englisch."

Sound-Mann vom Bolschoi am Mischpult

Party für Alexander Gerst mit Annâweech in Moskau

Den Song "Mister Cool" hat die Band 2014 eigens für Gerst geschrieben.

Am Ende habe alles sehr schnell gehen müssen, "die Visas waren erst am Freitag da". Sogar seinen Urlaub hat Winkler deshalb verkürzt. Und Hohenloher Wein hat er auch schon in die Deutsche Botschaft geschickt: "vom Weingut Fröscher, einen Grauburgunder und einen Lemberger Barrique". Die Verstärkeranlage? "Stellt eine deutsche Schule in Moskau bereit." Und das Mischpult? Bedient kein Geringerer als "der Sound-Mann vom Bolschoi-Theater".

Hefeschnaps als Geschenk

Offiziell eingeladen ist die Band von der Deutschen Botschaft. "Dort übernachten wir auch." Wie kam der Kontakt zustande? "Beim Kongress der Weltmarktführer 2018 in Schwäbisch Hall habe ich Rüdiger von Fritsch erstmals getroffen." Winkler schenkte ihm einen Forchtenberger Hefeschnaps. Er revanchierte sich mit einem seiner Hochprozentigen. "Auch beim Start der Sojus-Rakete in Baikonur haben wir uns gesehen" - wo Winkler übrigens "Mister Cool" solo anstimmte. Und so kam eines zum anderen.

 

Alexander Gerst war ein halbes Jahr im All

Nach gut einem halben Jahr an Bord der Internationalen Raumstation kehrte Alexander Gerst kurz vor Weihnachten wieder auf der Erde zurück. Die Sojus-Kapsel mit Gerst, der US-Astronautin Serena Auñón-Chancellor und dem russischen Kosmonauten Sergej Prokopjew landete in der Nacht auf den 20. Dezember in der kasachischen Steppe. Ein Video der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos bei Twitter zeigte die erfolgreiche Landung der Sojus-Kapsel. 

 

 

Letzte Botschaft zur Erde

Als letzte Botschaft aus dem Weltall hatte Alexander Gerst noch ein Video getwittert. In seiner ganzen Zeit auf der ISS hatte er immer wieder Fotos von der Erde bei Twitter und Facebook geteilt - einige davon haben auch seine Hohenloher Heimat gezeigt.

In seinem letzten Video von der ISS sagt Gerst: "Wenn ich so auf den Planeten runter schaue, dann denke ich, dass ich mich bei euch leider entschuldigen muss." Damit spricht er seine Enkelkinder an, die er irgendwann haben möchte. "Im Moment sieht es so aus als ob wir, meine Generation, euch den Planeten nicht gerade im besten Zustand hinterlassen werden."

 

 

Zur Person: Alexander Gerst

Gerst wurde am 3. Mai 1976 in Künzelsau geboren. Am Technischen Gymnasium in Öhringen legte er 1995 das Abitur ab. Danach leistete er Zivildienst und bereiste anschließend als Rucksacktourist verschiedene Länder. Vor allem die Vulkane Neuseelands beeindruckten ihn sehr. Später studierte er Geophysik an der Universität Karlsruhe, wo er auch das Diplom ablegte. 2006 war er Sommerstipendiat des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt.

Beim Auswahlverfahren der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) setzte sich Gerst gegen 8407 andere Bewerber durch und wurde als einziger Deutscher unter sechs neuen Astronauten am 20. Mai 2009 der Öffentlichkeit vorgestellt. Am 18. September 2011 nominierte die Esa Gerst für einen Raumflug zur Internationalen Raumstation ISS. Der erfolgreiche Nachtstart von Sojus TMA-13M war am 28. Mai 2014 um 19.57 Weltzeit in Baikonur. Gerst war als Bordingenieur der ISS-Expeditionen 40 und 41 bis zum 10. November 2014 im All.

Er ist nach Thomas Reiter und Hans Schlegel der dritte deutsche Astronaut auf der ISS. Am 18. Mai 2016 teilte die ESA mit, dass Alexander Gerst für einen zweiten Flug zur Internationalen Raumstation eingeplant ist. Gersts Langzeitmission soll vom 6. Juni 2018 bis Dezember 2018 dauern. Für drei Monate soll er, als erster Deutscher und zweiter Westeuropäer, auch die Funktion des Kommandanten übernehmen. Als Missionsbezeichnung wurde der Name Horizons gewählt.

 
 
 

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