PCB-Belastung an Öhringer Gymnasium

Öhringen  Der Unterricht im C-Bau des Hohenlohe-Gymnasium Öhringen geht trotz Schadstoffen in der Raumluft weiter. Lüften und Putzen sollen helfen, bis voraussichtlich Anfang 2020 eine grundlegende Sanierung beginnt.

Von Peter Hohl

PCB am HGÖ

Die vor Jahren begonnene Sanierung des C-Baus soll nun schleunigst fortgesetzt werden. Grund ist die PCB-Belastung der Raumluft in dem Gebäudeteil aus den Siebzigerjahren.

Foto: Peter Hohl

Wir haben ein Problem", sagt Oberbürgermeister Thilo Michler. Schulleiter Frank Schuhmacher hat deshalb zu einem heutzutage eher ungewöhnlichen Mittel gegriffen: dem klassischen Brief an die Eltern, in Papierform und direkt zugestellt. Nach einigen einleitenden Sätzen zu Umbau und Sanierung des Hohenlohe-Gymnasiums (HGÖ) erfahren die Eltern, worin das Problem besteht: Es geht um "eine PCB-Belastung im Bauteil C." Allerdings liegen die gemessenen Werte des Giftes deutlich unter der Grenze, ab der wegen akuter Gesundheitsgefahr sofort eingegriffen werden muss.

Sanierung vorziehen

Die Eltern erfahren zugleich, wie Schule und Stadt die Beseitigung des Problems angehen wollen: Vorerst sollen die Klassenzimmer konsequent gelüftet und häufiger geputzt werden. Überdies will die Stadt die Sanierung des C-Baus vorziehen. Der für Anfang 2020 geplante Start des Neubaus (als Ersatz für den A-Bau) muss deshalb warten. Der Unterricht im C-Bau kann vorerst weitergehen - sofern eine erneute, intensivere Messung in den Herbstferien keine dramatisch höheren Werte bringt.

Eigentlich ging es nur um vorbereitende Untersuchungen, als Fachleute des Dortmunder Ingenieurbüros Geoexperts zu Beginn der Sommerferien die zu Abbruch (A-Bau) und Sanierung (C-Bau) anstehenden Teile des HGÖ ins Visier nahmen. Im C-Bau maßen sie die Raumluft, jeweils in einem Raum in jedem der drei Stockwerke. Während der Wert im Erdgeschoss bei lediglich 41 Nanogramm PCB je Kubikmeter Raumluft lag, waren es im Raum C 102 im ersten Obergeschoss 1560 und im Physikraum 210 im zweiten Obergeschoss 1060 Nanogramm.

Hausmeister und Lehrer gefragt

Am Montagmorgen hat Schulleiter Schuhmacher die Hausmeister informiert, am Mittag das Lehrerkollegium. Sie werden dafür Sorge tragen, dass ausreichend gelüftet und damit die Raumluft verbessert wird. Außerdem sollen die Räume einmal häufiger als bisher feucht gereinigt werden. "Das Gesundheitsamt sagt, es sei richtig, wie wir es machen", sagt Kai Langenecker, Leiter des städtischen Hochbauamtes.

Die Quelle für die giftigen organischen Chlorverbindungen ist gefunden: Es sind die elastischen Fugen zwischen den Waschbetonplatten an der Front des gut 40 Jahre alten Gebäudes. Sie sind die sogenannten Primärquellen. Doch es gibt mittlerweile auch Sekundärquellen: Der Beton selbst ist belastet, weil das PCB aus den Fugen in die Umgebung entweicht - nicht nur auf den Staub in der Luft. "Je länger das drin ist, desto mehr strahlt es auf andere Bauteile ab", weiß Kai Langenecker.

Der Hochbauamtsleiter hofft nun, dass das rund 15 000 Euro teure Gutachten mit den Messungen in den Herbstferien keine bösen Überraschungen zutage fördert. Schließlich liegen mehr als 30 Schulräume im C-Bau. Verwaltung und Schulleitung haben sich schon vorsorglich nach Ersatzräumen umgeschaut, doch in Öhringen sieht es damit derzeit nicht gut aus.

Kosten steigen

Ersatzräume werden spätestens dann gebraucht, wenn - laut Langenecker voraussichtlich ab Frühjahr 2020 - die Sanierung des C-Baus beginnt. Diese zwar ohnehin geplante, aber nun umfangreichere Maßnahme bringt nicht nur den Zeitplan für den Neubau durcheinander, sondern treibt auch die Kosten weiter in die Höhe. Mitte Oktober sollen belastbare Zahlen auf den Tisch kommen, was das Gesamtprojekt Neubau und Sanierung kostet und welche Zuschüsse realistisch zu erwarten sind. Dann müssen die Räte über das Konzept entscheiden.

Sorgenvoll blickt die Stadt derweil auf die andere Seite der Ohrn: Die Realschule wurde wie der C-Bau des HGÖ in den Siebzigerjahren gebaut, als ohne PCB nur wenig ging. Sie solle nun "schnellstmöglich" untersucht werden, kündigt Thilo Michler an. Sie könnte damit das nächste Problem werden.

Alltagsgift

Sie sind in der Luft nachweisbar, im Wasser und im Boden: Polychlorierte Biphenyle, kurz PCB, gehören zu den organischen Giftstoffen, die in der Umwelt allgegenwärtig sind, auch wenn sie in Deutschland im Februar 1989 und weltweit im Mai 2001 verboten wurden. Die organischen Chlorverbindungen können Krebs auslösen. Bis in die Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts galten sie als wertvolles Hilfsmittel, beispielsweise auf dem Bau. Dort sorgten sie unter anderem dafür, dass Lacke oder Dichtungsmassen elastisch blieben.

Seit 1995 gilt in Deutschland die PCB-Richtlinie. Danach gelten Belastungen von 300 Nanogramm (Milliardstel Gramm) pro Kubikmeter Raumluft als tolerabel. Bei Werten darüber muss die PCB-Quelle unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit mittelfristig beseitigt werden. Ab 3000 Nanogramm PCB je Kubikmeter Raumluft muss wegen akuter Gesundheitsgefahr sofort eingegriffen und saniert werden.

PCB wurde in Hohenlohe in den vergangenen Jahren beispielsweise in der gewerblichen Schule Öhringen sowie in Künzelsau im Landratsamt und in der Grund- und Werkrealschule nachgewiesen.


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