Öhringer Stadtbus startet unter Strom

Öhringen  Ohne Auspuff: In Öhringen ist der erste elektrisch angetriebene Stadtbus unterwegs. Ein zweiter soll im April bestellt werden.

Von Peter Hohl

Stadtbus startet unter Strom

Keine Sorge: Der Stadtbus kommt, auch wenn er sich nicht durch markiges Motoren-Gebrumm ankündigt. Fast lautlos rollt er heran. Denn er wird von zwei Elektromotoren angetrieben. "Das elektrische Zeitalter hat begonnen", haben Stadt und NVH auf die Rück- und Seitenscheiben drucken lassen. Seit knapp zwei Wochen ist der erste Stadt-E-Bus im Einsatz.

"Es hat länger gedauert, als wir gedacht haben", sagt Oberbürgermeister Thilo Michler. Schließlich hatte der Gemeinderat bereits im März 2014 beschlossen, drei E-Busse anzuschaffen, für den Pendelverkehr während der Landesgartenschau und zum anschließenden Einsatz las Stadtbusse. Schon ein Jahr später mussten sich Stadt, Nahverkehrsbetrieb und Busunternehmer von der Hoffnung verabschieden, dass die für den Innenstadtverkehr notwendigen kurzen Busse lieferbar sind. Während der Laga pendelten längere Modelle mit Radnabenantrieb - wenn sie denn einsatzbereit waren. Und auch Ende 2016, wie zunächst erhofft, war kein kurzer E-Bus zu bekommen.

"Mercedes hat mir mitgeteilt, 2021 würden sie einen bauen", sagt Busunternehmer Thomas Lidle hörbar frustriert. Deshalb hat die Firma Hütter-Lidle beim Hersteller Sileo in Salzgitter einen Stadtbus geordert. Allerdings nicht mit dem zur Gartenschau präsentierten Radnabenantrieb aus Hohenlohe, sondern mit einer Antriebsachse vom Bodensee. "Noch kann Ziehl-Abegg den Anforderungen nicht so gerecht werden wie die hier verbaute Achse von ZF Friedrichshafen", sagt Sileo-Vertriebsleiter Sven Bohnstedt. Der niederflurige, 10,70 Meter kurze E-Bus von Sileo, der speziell für den Stadteinsatz entwickelt wurde, erhalte seinen Strom von Batterien auf dem Dach, gewinne beim Bremsen Energie zurück und habe dadurch eine Reichweite von 230 Kilometer.

Deutlich teurer

Die neue Technik hat ihren Preis. Auf 530 000 Euro beziffert Thomas Lidle die Anschaffungskosten. Das ist deutlich mehr, als ein konventioneller Diesel kostet. Deshalb sind Zuschüsse besonders wichtig. Neben den 40 000 Euro, die es unabhängig von der Antriebstechnik für Busse im öffentlichen Nahverkehr gibt, flossen 150 000 Euro vom Bund. "Das Land hat uns komplett sitzen lassen", klagt Thomas Lidle. Dabei war eine Förderung aus der Beschaffungsinitiative E-Mobilität fest eingeplant. Dazu jedoch waren die Öhringer zu spät dran. Der E-Bus hätte Ende 2016 rollen müssen.

Ungesichert ist die Förderung des zweiten Busses. Die Firma Herbold soll ihn im April bestellen, damit er noch 2018 zum Einsatz kommen kann. Doch im Unterschied zu Hütter-Lidle hat Herbold keinen Zuschussantrag beim Bund gestellt.

Partner NVH

Die Stadt Öhringen hat den Stadtbus-Vertrag mit dem Nahverkehrsbetrieb des Kreises vor zwei Jahren bis Ende 2026 verlängert, um die Finanzierung der teuren E-Busse zu sichern.