Öhringen führt die "Shisha-Verordnung" ein

Hohenlohe  Shisha-Bars im Hohenlohekreis müssen ab sofort massiv aufrüsten, um ihre Gäste und Mitarbeiter zu schützen. So mancher Betreiber zeigt dafür sogar Verständnis.

Von Christian Nick

Viel Rauch um den Gesundheitsschutz

Dutzende Wasserpfeifen warten im "Metropol" auf die Lungen der Gäste.

Es ist ein Trend aus dem arabischen Raum, der auch hier immer mehr Fans findet: das gesellige Nuckeln an der blubbernden Wasserpfeife.

Zahlreiche Lokalitäten bieten seit einigen Jahren ihren Gästen diese Möglichkeit. Doch das Vergnügen ist nicht ganz ungetrübt - denn es droht eine unsichtbare Gefahr: Kohlenmonoxid (CO), das im schlimmsten Fall zu einer tödlichen Vergiftung führen kann.

Denn das geruch- und farblose Gas wird beim Verbrennen der Kohle auf dem Wasserpfeifenkopf freigesetzt. Und das hat Folgen: Erst vor drei Tagen musste etwa eine Hamburger Shisha-Lounge wegen akuter Gefahr für Leib und Leben evakuiert werden.

Städte im Hohenlohekreis ziehen die Notbremse

Dieser Gefahr will die Stadt Öhringen nun etwas entgegensetzen: Vor rund einer Woche wurde eine "Shisha-Verordnung" erlassen - und damit das Anliegen der Landesregierung umgesetzt, wie die Verwaltung auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilt.

Viel Rauch um den Gesundheitsschutz

Zu 60 Sorten Tabak kommt jetzt eine Lüftung: Diyar Bekler zeigt die Rohre.

Ab sofort müssen in allen fünf entsprechenden Lokalen im Stadtgebiet professionelle Lüftungsanlagen, CO-Warnmelder und im Bereich, in dem die glühenden Kohlen erhitzt werden, auch ein geschlossener Rauchabzug installiert werden.

Bei Verstößen drohen empfindliche Strafen. Ähnliche Vorschriften gelten laut örtlicher Pressestelle seit Kurzem auch in Künzelsau.

Neue Lüftungsanlage für 20.000 Euro installiert 

Stippvisite im "Metropol" an der Öhringer Rathausstraße: Was hält Betreiber Diyar Bekler von der Verschärfung? "Ich habe in meinen Räumen glücklicherweise erst vor wenigen Wochen eine Lüftungsanlage installieren lassen", berichtet der Gastronom. Auf eigene Initiative - denn das Schreiben der Stadt hat Bekler gerade erst erhalten.

"Man hat in der Szene schon gemunkelt, dass da bald strenger durchgegriffen wird", sagt er. 20.000 Euro hat der 25-Jährige nun investiert, um für Sicherheit zu sorgen, wenn in seinen vier Räumen bisweilen 50 Wasserpfeifen gleichzeitig gedampft werden. Nun schlängeln sich die Alu-Rohre durch den ganzen Laden. Gereinigt wird die Luft per Aktivkohlefilter.

Jahrelang war der Gesundheitsschutz unzureichend

"Der Wasserdampf sinkt in Richtung Boden, die Zuluft bläst ihn dann hoch zur Decke, wo er dann von der Abzugsanlage angesogen wird", erklärt Bekler. Die Kohlen werden bei ihm ab sofort im geschlossenen Ofen erhitzt. Auch CO-Warnmelder liegen schon im Hinterzimmer bereit: "Die werden bald auch montiert."

Vorher, während der vier Jahre, in denen Bekler die Räume nun als Shisha-Bar betreibt, war es um den Gesundheitsschutz nicht zum Besten bestellt. Das gibt der Jungunternehmer auch unumwunden zu: Es gab lediglich eine alte, unzureichende Lüftung mit normaler Gastronomie-Zulassung - und ein paar Luftbefeuchter.

Viel Rauch um den Gesundheitsschutz

Er liebt den Qualm mit Fruchtgeschmack: Shisha-Bar-Mitarbeiter Michael Lechler nuckelt am Schlauch. Sorgen um seine Gesundheit habe er keine.

Fotos: Christian Nick

Dass sich die "enorme Investition" amortisieren wird - daran hat er keine Zweifel: Die Branche boomt; sein Laden, zu dem ab sofort auch nurmehr Erwachsene Zutritt haben sollen, sei insbesondere an Wochenenden proppenvoll.

Behörden sehen Trend mit Sorge

Hat Bekler denn Verständnis für all die neuen Reglementierungen? "Gesundheitsschutz ist uns wichtig", sagt er. Aber: "Dass wir jetzt auf einem Schild an der Tür auf die Gesundheitsgefahren hinweisen müssen, das finde ich geschäftsschädigend."

Apropos Gesundheitsrisiken: Wie positionieren sich die örtlichen Behörden zum Shisha-Trend? Durchaus erwartungsgemäß: "Wasserpfeifen-Konsum wird häufig gar nicht als Rauchen wahrgenommen", heißt es etwa vonseiten des Gesundheitsamts. Shisha-Rauchen spiele jedoch in einer Liga mit Zigarettenkonsum - und könne durch die fruchtigen Aromen den Einstieg in den regelmäßigen Tabakkonsum erleichtern.

"Mit Sorge beobachten wir den Trend zur Wasserpfeife und die steigende Zahl der Shisha-Bars", sagt auch Öhringens Pressesprecher Michael Walter. Und: "Die Umsetzung der neuen Verfügung wird künftig immer wieder in unregelmäßigen Abständen kontrolliert."

Bisher (zu) wenige Kontrollen

Das scheint auch notwendig: "In den vergangenen vier Jahren haben wir nur sehr wenig von der Stadt gehört, das Ordnungsamt war erst einmal bei uns im Laden", berichtet Diyar Bekler. Die Gewerbeaufsicht oder der Arbeitsschutz hätten sogar noch nie vorbeigeschaut. "Das finde ich traurig", sagt der Gastronom.

 

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