Mutmaßlicher Würth-Sohn-Entführer festgenommen

Künzelsau/Offenbach  Kidnapper hatten im Juni 2015 in Osthessen den Sohn von Reinhold Würth entführt. Sie sollen ein Millionen-Lösegeld verlangt haben. Jetzt konnte die Polizei den mutmaßlichen Täter festnehmen. Eine Stimmanalyse führte die Ermittler auf die Fährte, der mutmaßliche Täter verriet sich auch durch seine Höflichkeit.

Von Alexander Klug und dpa

In dieser Einrichtung in Schlitz in Hessen hatte Würths Sohn zum Zeitpunkt der Entführung gelebt. Foto: Arne Dedert/Archiv/dpa

Fahnder der hessischen Polizei und der Gießener Staatsanwaltschaft haben heute Vormittag in Offenbach einen Mann festgenommen, der der Entführer des Sohnes des Künzelsauer Unternehmers Reinhold Würth sein könnte. Das bestätigt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Osthessen auf Stimme-Anfrage.

Der Mann sei schon länger im Visier der Ermittler gewesen. „Im Moment wird der Mann dem Haftrichter in Offenbach vorgeführt“, teilt der Sprecher weiter mit.

SEK stürmt Hochhaus

In diesem Wald bei Kist wurde der Entführte aufgefunden.

Wie Bild Frankfurt zuerst berichtete, stürmten Polizisten des Frankfurter SEK ein Hochhaus in der Offenbacher Rhönstraße. „Sie rammten die Tür eines Apartments im fünften Stock auf, überwältigten den Serben Nezdad A. (48).“ Die Fuldaer Kriminalpolizei sei überzeugt, den Kidnapper von Markus Würth geschnappt zu haben.

Zu der Festnahme kam es den Angaben zufolge am Mittwochmorgen. Gegen den Mann sei Haftbefehl wegen dringenden Tatverdachts des erpresserischen Menschenraubes erlassen worden. Er befinde sich in einer Justizvollzugsanstalt, hieß es am späten Nachmittag. Am Donnerstag wollen sich die Ermittler bei einer Pressekonferenz in Fulda ausführlicher äußern.

Markus Würth war 2015 an einen Baum gekettet gefunden worden

Reinhold Würths Sohn war am 17. Juni 2015 in Schlitz im hessischen Vogelsbergkreis entführt worden. Der damals 50-Jährige lebte dort in einer integrativen Wohngemeinschaft. Eine Lösegeldforderung ging telefonisch am Stammsitz des Unternehmens ein. Würth und seine Ehefrau waren zu dem Zeitpunkt auf einer Geschäftsreise in Griechenland.

Einen Tag später wurde er in einem Wald bei Würzburg unversehrt an einen Baum gekettet gefunden. Zuvor hatte ein Entführer die Geodaten des Ortes preisgegeben. Zu einer Übergabe der drei Millionen Euro Lösegeld kam es aber nicht – sie scheiterte nach Angaben der Ermittler.

Man habe von der Festnahme erfahren, sagt eine Sprecherin der Würth-Gruppe auf Anfrage. Da es sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren handele, könne man aber zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Angaben machen.

Ermittler konnten Rückschlüsse aus Stimmanalyse ziehen

Die Ermittler nutzten auch die Fernsehsendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“, um Hinweise aus der Öffentlichkeit zu bekommen. Ende April 2017 zeigten sie den spektakulären Kriminalfall im ZDF und präsentierten den TV-Zuschauer auch eine Sprachanalyse.

Nach den damaligen Erkenntnissen sollte der Täter aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen, denn der Mann sprach mit deutlichem Akzent. Den Erkenntnissen nach lernte er Deutsch im Rhein-Main-Gebiet. Die Ermittler glaubten, dass er dort lebte oder arbeitete. Die Analyse ergab ein Alter des Täters zwischen 40 und 52 Jahren. Er soll demnach wahrscheinlich aus dem Raum Sandzak im Grenzgebiet zwischen Serbien und Montenegro stammen.

Das Wort "bitte" führte die Ermittler auf eine Fährte

Aus der Stimmanalyse zogen die Ermittler weitere Rückschlüsse. Beruflich sei der Mann wahrscheinlich im Umgang mit Menschen geübt. Jobs als Fahrdienstleister für Personen oder als Bote seien ebenso denkbar wie eine Beschäftigung im sozial-karitativen Bereich oder in der Gastronomie. Seine Höflichkeit und die wiederholte Verwendung des Wortes „bitte“ führte die Ermittler auf diese Fährte.

Neben der Stimmanalyse wertete die Polizei seinerzeit Handy-Daten aus. Dadurch entstand ein Bewegungsbild des mutmaßlichen Täters. Nach den Erkenntnissen der Ermittler lud der Kidnapper an verschiedenen Orten sein Handy-Guthaben auf. Er soll dafür im Rhein-Main-Gebiet in verschiedenen Geschäften sogenannte Cash-Codes erworben haben - auch am Tattag in einem Supermarkt in Würzburg-Eisingen. In der Nähe wurde später der entführte Sohn gefunden.

Die Sonderkommission zu dem Fall wurde im September 2015 aufgelöst, die Ermittlungen liefen aber weiter. Der Sohn Würths lebt inzwischen an einem anderen, geheim gehaltenen Ort.

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