Mit Lüftern gegen die Blaualgen im Neumühlsee

Waldenburg  Der Neumühlsee ist wieder einmal von Blaualgen betroffen. Die Stadt Waldenburg versucht, gemeinsam mit dem Landratsamt und Biologen eine Lösung für das Problem zu finden.

Von Sandra Andrés und Christine Faget

Blaualgen bereiten wieder Probleme im Neumühlsee

Blaualgen zieren die Oberfläche des Neumühlsees. Foto: Sandra Andrés

 

Die Badesaison am Neumühlsee endet mit einer Warnung: Ein Schild rät Schwimmern davon ab, im See zu baden. Der Grund ist offensichtlich, wenn man am Ufer spaziert: Blaualgen marmorieren die Wasseroberfläche wie ein modernes Kunstwerk.

Vergangene Woche hat das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises das Wasser zum letzten Mal in diesem Jahr untersucht - gemessen wird nur bis zum Ende der Badesaison, die am Freitag endete. Seit 2008 kämpft die Stadt immer wieder gegen Blaualgen, 2010 wurde der See komplett entschlammt. Der Stadt gehört der See. "Auf Null kommen die Werte so schnell sicher nicht", sagt Bürgermeister Markus Knobel. "In Zusammenarbeit mit Biologen und dem Landratsamt haben wir Bausteine gegen das Problem erarbeitet", erklärt er weiter.

Eine Maßnahme ist auf den ersten Blick ersichtlich. Zwischen blühenden Seerosen und Enten schwimmen blaue Teichlüfter. Sie sollen für ausreichend Sauerstoff sorgen und das Wasser in Bewegung halten. Weiter plane die Stadt ein Regenrückhaltebecken. Man werde versuchen, den See nicht dauerhaft sperren zu müssen. "Das wäre ein Supergau", meint der Bürgermeister.

Für Verbot müssten Werte erheblich höher sein

In den vergangenen Jahren war das Wachstum meist ab Anfang September am stärksten, erklärt Dr. Antje Haack-Erdmann, Leiterin des Gesundheitsamts. Somit war die Badesaison kaum betroffen.

Dieses Jahr kamen die Warnungen hingegen früher: Die ersten Blaualgen hatten sich im Juni ausgebreitet. Und auch in diesem Herbst sind die Bedingungen früher als gewohnt förderlich für starkes Wachstum. Die Gründe dafür "könnten die warmen Temperaturen und die wenigen Niederschlägen im Frühjahr sein", vermutet Haack-Erdmann.

Der Neumühlsee ist das einzige Gewässer im Hohenlohekreis, das dieses Jahr Probleme mit Blaualgen hat. Eigentlich sind diese keine Algen, weil sie keinen eigenen Zellkern haben - der Name ist im Volksmund entstanden. Blaualgen gehören zur Familie der Bakterien, Wissenschaftler nennen sie Cyanobakterien. Mehr als 2000 verschiedene Arten sind bekannt, nur einige enthalten Giftstoffe. Diese misst das Gesundheitsamt und spricht Badewarnungen aus. Für ein Badeverbot müssten die Werte der Giftstoffe noch erheblich höher sein als die nun gemessenen. Von einer Sperrung ist der Neumühlsee momentan nicht bedroht.

Vor allem bei Allergien problematisch

Zur derzeitigen Situation erläutert Haack-Erdmann: Baden könne zu Hautreizungen, allergischen Reaktionen, Atemwegsbeschwerden und Übelkeit führen. Dieses Jahr habe sich noch niemand mit Beschwerden beim Gesundheitsamt gemeldet. Mit den Symptomen gebe es wenig Erfahrung, daher sei sie über Informationen von Betroffenen dankbar.

Auch Gewässerwart Johann Strack vom Angel-Sport-Club (ASC) Waldenburg beschwichtigt: "Das Algenproblem wird immer sehr hochgespielt." Die Schwimmsaison sei ohnehin vorbei und die Blaualgen seien vor allem bei Allergien ein Problem. Für die Tiere im See seien die Blaualgen ungefährlich.

"Es ist halt ein Natursee", sagt der Gewässerwart bei einem Spaziergang rund um den See. Und in der Natur gebe es eben auch Blaualgen.

Cyanobakterien

Cyanobakterien gibt es seit mehr als 3,5 Milliarden Jahren - sie gehören zu einer der ältesten Lebensformen überhaupt. In geringer Konzentration sind diese Bakterien in vielen Gewässern und nicht schädlich. Im Gegenteil: Sie nutzen das Sonnenlicht zur Fotosynthese und geben Sauerstoff frei. Allerdings beziehen einige Arten auch Pflanzennährstoffe wie Phosphor und Stickstoff und bilden Giftstoffe. Hohe Wassertemperaturen, stehendes Gewässer und ein hoher Phosphatgehalt im Wasser beschleunigen die Vermehrung der Bakterien. Hohe Phosphatgehalte werden durch intensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen mitverursacht. Die Konzentration der Bakterien kann sehr schwanken, da sie wetterabhängig ist.