Lesersommer-Wanderung: Das ist der Gipfel

Mulfingen  Steile Anstiege und herrliche Ausblicke, heiße Sonnenbäder und kühle Waldpartien, genussreiche Rasten und spannende Infos: Was die Stimme-Leser am Samstag mit der Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins Mulfingen erlebt haben.

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Der Anstieg ist steil. Erst geht es über Treppen, dann über Gras. Bis ein flacher Weg erscheint. Doch nach der nächsten Gabelung geht es schon wieder hinauf. Bei der Lesersommer-Wanderung am Samstag in Mulfingen wird nicht lange gefackelt. Von der Ortsmitte führt die Tour schnurstracks nach oben. In einem fort. 175 Meter höher und 50 Minuten später schnauft die Gruppe erstmal durch. Und genießt die herrliche Aussicht vom Geisberg.

Most und Vesper, Kaffee und Kuchen

Sogar ein großes Holzkreuz liegt auf dem Weg. Die Leser bleiben stehen und staunen. Das grüne Jagsttal unter ihnen, der blaue Himmel über ihnen: Wander-Herz, was willst du mehr. Das ist der Gipfel. Am Startplatz der Drachenflugfreunde ist der Blick nicht minder spektakulär. Und der Schwäbische Albverein hat zur verdienten Rast stattlich aufgetischt. Most und Vesper, Kaffee und Kuchen. Hier lässt es sich aushalten. Und die rührigen Vereinsmitglieder um den Vorsitzenden Hermann Handschuh haben immer ein Lächeln auf den Lippen.

Der Ex-Schultes spricht

Dann ergreift Hermann Limbacher (71) das Wort. Von 1976 bis 2008 war er Bürgermeister. Mit jedem Wort spürt man, wie groß die Leidenschaft für sein Mulfingen immer noch ist. Und wie sehr es ihm gefällt, die Stimme-Leser über seine Gemeinde zu informieren. "Hier ist es ein Kittel kälter, sagt man bei uns." Im Vergleich etwa zu Heilbronn oder Künzelsau. An diesem heißen Spätsommertag will man ihm das nicht so recht glauben. Er berichtet von EBM-Papst und Jako, den beiden großen Firmen. Er sagt, Mulfingen habe mehr Arbeitsplätze als Einwohner. Er bedauert, dass immer mehr kleine Geschäfte und Gasthöfe schließen. Er betont, die Breitbandversorgung sei sehr gut. Und er weiß, dass Bauen hier sehr günstig ist. "Der Quadratmeterpreis liegt bei uns unter 70 Euro - voll erschlossen." Ein Raunen geht durch die Reihen. "Bei uns zahlt man das Dreifache", sagt Werner Feifel (73) aus Gundelsheim.

Gottesmutter am Wegesrand

Frisch gestärkt und bestens informiert wartet die nächste Etappe. Nach ein paar Minuten ist der höchste Punkt erreicht. 200 Meter liegen jetzt hinter den Lesern. Respekt. Auf der Höhe führt der Weg entlang von Äckern und Wiesen. In der prallen Sonne. Dann wird es schattiger. Und etwas kühler. Waldluft: Das tut gut. Aber was ist das? Eine kleine Gottesmutter steht am Wegesrand, in der Nähe von Simprechtshausen. Und in einem gepflegten Hain gleich noch eine, nur viel größer. Mulfingen ist hier urkatholisch. Und Bildstöcke so verbreitet wie Wegkreuze. Dieser Standort hier basiert auf einer schönen Sage. Die Gruppe ist ganz Ohr, als Hermann Handschuh erzählt: Es begab sich dereinst, dass ein Mann an dieser Stelle von einem Keiler angegriffen wurde. Also sprang er auf einen Baum. Und legte ein Gelübde ab: Wenn ich gerettet werde, stifte ich der Jungfrau Maria einen Bildstock. Dann fing der Baum an zu schwanken, und sein Hut fiel auf den Boden. Dies jagte dem Wildschwein einen solchen Schrecken ein, dass es von dannen saute. Der Mann war gerettet. Und der Bildstock fortan da.

Der Stausee taucht auf

Dann geht es weiter bergab. Immer durch den Wald. Bis wieder die Sonne das Regiment übernimmt und rechter Hand der Mulfinger Stausee auftaucht. Ute Conrad aus Pfaffenhofen läuft zum Ufer und kann es nicht fassen: "Ein Badesee mit nur zwei Leuten im Wasser, bei diesem Wetter: Das ist der Hammer." Bei ihr Zuhause, nahe Zaberfeld und Katzenbach, gebe es zwar zwei tolle Badeseen: "Die sind aber so überlaufen, dass viele Einheimische gar keine Lust mehr haben, dort ins Wasser zu hüpfen." Aber hier: fantastisch. Sie zieht ihre Schuhe aus und watet im gar nicht so kühlen Nass: "Ist das toll. Für die Füße gibt es nach einer solchen Wanderung doch nichts Besseres." Und das letzte Stück? Geht sie barfuß. Das macht sie öfter, das ist sie gewohnt. Ihr Sohn wanderte jüngst sogar in den Alpen ohne Schuhe und Socken. Unglaublich. Und so entwickelt sich der letzte Kilometer zu einer Art Seminar im Barfußlaufen. Doch die anderen lassen ihre Schuhe lieber an.

"Wir sind einfach begeistert"

Dann ist das Ziel erreicht: die St. Anna-Kapelle. Und wieder darf zur Belohnung getrunken und gegessen werden. Brigitte (51) und Klaus Weber (52) aus Pfedelbach waren zum ersten Mal bei einer Lesersommer-Wanderung dabei. Ihr Resümee: "Wir sind einfach begeistert, wie das abgelaufen ist. Es war sehr schön. Vor allem der Albverein hat das sehr gut organisiert." Finden auch die anderen. Und sparen nicht mit Applaus, als der Abschied naht. Nach viereinhalb Stunden ist Schluss. Und nicht nur einmal ist zu hören: Wir kommen wieder.


Ralf Reichert

Ralf Reichert

Redaktionsleiter Hohenloher Zeitung

Ralf Reichert ist seit Oktober 2006 Redaktionsleiter der Hohenloher Zeitung. Die Region Hohenlohe ist seit jeher seine journalistische Heimat. Er kam vom Haller Tagblatt und stammt aus dem Taubertal. Bei der HZ kümmert er sich vor allem um die Kreisthemen. 

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