Kreistagswahl 2019: Kandidaten-Karussell kommt in Schwung

Hohenlohe  Wer hört auf, wer ist neu, wer tritt wieder an im Hohenlohekreis? Bis zum Wahltermin sind es noch acht Monate, doch in der Bürgermeister-Riege ist schon Bewegung

Von Ralf Reichert

Kreistagswahl 2019: Kandidaten-Karussell kommt in Schwung

Der Hohenlohekreis steht vor gewaltigen Herausforderungen. Krankenhausneubau in Öhringen, Medizinzentrum und neues Landratsamt in Künzelsau. Dazu Millioneninvestitionen im Müllbereich, wichtige Weichenstellungen beim Ausbau des schnellen Internets, eine neue Ära im Nahverkehr und der ständige Druck, Schulen und Straßen in Schuss zu halten. Nicht zu vergessen der Schienenverkehr: Eines Tages soll die Stadtbahn möglichst bis Schwäbisch Hall oder eventuell sogar bis Künzelsau fahren. Dies alles wird den Kreistag massiv beschäftigen, der am 26. Mai 2019 neu gewählt wird. Doch wer wird Stand heute kandidieren?

Was sagen die Bürgermeister?

Die Bürgermeister haben ein besonderes Gewicht. Von den Rathauschefs, die seit der letzten Wahl am 25. Mai 2014 neu im Amt sind, bekunden drei gegenüber der HZ: Ja, wir kandidieren. Michael Foss (Forchtenberg) und Andy Kümmerle (Dörzbach) für die CDU und Karl Michael Niklas (Neuenstein) für die Freien Wähler. Achim Beck (Niedernhall) hat sich noch nicht entschieden, Martin Piott (Bretzfeld) kann sich nicht bewerben, weil er in Dinkelsbühl wohnt.

Von den Bürgermeistern, die derzeit einen Sitz im Kreistag haben, sagen aus den Reihen der CDU zum jetzigen Zeitpunkt Markus Knobel (Waldenburg) und Torsten Kunkel (Pfedelbach): Ja, wir treten wieder an.

Thilo Michler erstaunlich wankelmütig

Thilo Michler (Öhringen), der kein Parteimitglied ist, 2014 aber auf der CDU-Liste kandidierte, ist erstaunlich wankelmütig: "Ich habe mich noch nicht entschieden", lässt er die HZ wissen. Erst im Januar wolle er sich dazu äußern. "Es ist eine Frage der Zeit und welche Prioritäten man setzt in Bezug auf die Stadt und die eigene Person." Es gebe "genügend Beispiele, wo Bürgermeister nicht im Kreistag dabei sind und trotzdem alles hervorragend läuft". Zuletzt machten in Öhringen Gerüchte die Runde, wonach man CDU-Mitglied sein müsse, um auf die Partei-Liste zu kommen. "Mir ist dazu kein Beschluss bekannt", so Michler. "Ich bleibe parteilos."

Joachim Schaaf kandidiert nicht mehr

Auch Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann hat 2014 diese Option gewählt, ob er daran festhält, war nicht zu erfahren, weil er noch im Urlaub ist. Andreas Köhler (Krautheim) ist in der CDU, derzeit aber urlaubsbedingt ebenfalls nicht erreichbar. Michael Bauer (Ingelfingen), der nach der letzten Wahl von den Freien Wählern ins Lager der CDU wechselte, will sich "zum jetzigen Zeitpunkt dazu noch nicht äußern". Dafür steht für Joachim Schaaf (Kupferzell) von den Freien Wählern fest: "Nein, eine Kandidatur für den Kreistag ist von meiner Seite nicht geplant." Patrizia Filz (Schöntal) wiederum geht für die Freien nochmals ins Rennen, Rainer Züfle (Weißbach) kann sich "durchaus vorstellen, mich nochmals zu bewerben", auch wenn er darüber "heute noch keine verbindliche Aussage" treffen möchte. Die Bürgermeister Robert Böhnel (Mulfingen) und Klaus Gross (Zweiflingen) sitzen nicht im Kreistag und ließen die HZ-Anfrage unbeantwortet.

Fraktionsvorsitzende und Gruppensprecher

Entscheidende Figuren sind die Fraktionsvorsitzenden und Gruppensprecher. Karlheinz Börkel (CDU), Ex-Rathaus-Chef von Schöntal, will die Karten noch nicht auf den Tisch legen ("Ich muss erst noch mit meinen Leuten reden") - genauso wenig wie Thomas Föhl, Bretzfelds Ex-Bürgermeister von den Freien Wählern ("Ich überlege es mir, nachdem mein Nachfolger Martin Piott nicht antreten kann") sowie Erika Bauer von den Grünen ("Ich erkläre mich erst im Oktober") und Gerhard Feiler von der FDP ("Ich lasse das derzeit noch offen"). Wieder kandidieren wollen Irmgard Kircher-Wieland von der SPD ("Mir macht das immer noch Spaß") und Ernst Kern von den Linken, der 2014 wie die Partei selbst erstmals in den Kreistag eingezogen war ("Es war für mich hochinteressant, Zusammenhänge kennenzulernen, die man als Normalbürger nicht hat").

Drei erfahrene Kreisräte hören auf

Drei erfahrene Ex-Bürgermeister haben ihren Abschied angekündigt: Der Forchtenberger Martin Tuffentsammer (CDU), ein Mann der ersten Stunde ("Es wird Zeit zu gehen, so lange man noch klar im Kopf ist"), der Niedernhaller Freien-Kreisrat Emil G. Kalmbach ("Die Entscheidung ist schon vor der letzten Kandidatur gereift") und der Dörzbacher Willi Schmitt (CDU).

AfD ganz neu im Rennen

Ganz neu im Rennen ist die AfD. Anton Baron, Landtagsabgeordneter des Wahlkreises Hohenlohe und wohnhaft in Öhringen, erklärt: "Ja, ich trete höchstwahrscheinlich an."

 

 

Wie die Fraktionen und Gruppen auf diese Ankündigung reagieren und was sie bei der Kreistagswahl 2019 erreichen wollen

Linke und AfD

Mit der Linken ist 2014 erstmals eine sechste Kraft in den Kreistag eingezogen. Jetzt schickt sich eine siebte an, den Sprung in dieses Gremium zu schaffen: die AfD. Doch während der bisherige Einzelkämpfer Ernst Kern schon froh wäre, ab 2019 mit insgesamt zwei Linken-Sitzen im Hohenloher Kreistag vertreten zu sein, legt AfD-Mann Anton Baron die Latte von Beginn an sehr hoch. "Ich bin zufrieden, wenn wir fünf Sitze holen", erklärt der Landtagsabgeordnete aus Öhringen. Er selbst tritt wohl ebenfalls an. Wie viele Kandidaten werden es sein? "20 bis 30 werden wir wohl mit viel Mühe hinbekommen."

CDU

Wie reagieren die anderen Fraktionen und Gruppen auf diese forschen Ankündigung der AfD? Wie schätzen sie ihre eigenen Chancen ein? "Unser oberstes Ziel ist es, die stärkste Fraktion zu bleiben und so viele Sitze wie möglich zu kriegen", sagt CDU-Fraktionschef Karlheinz Börkel. Ganz egal, ob die AfD neu dabei sei. Unglücklich ist Börkel mit dem Wahlrecht. Denn: "Es begünstigt kleinere Parteien."

Freie Wähler

Die CDU hat gerade 16 Sitze. Danach folgen die Freien Wähler: mit neun Sitzen. "Wir wollen unsere Position als zweitstärkste Fraktion halten", erklärt deren Vorsitzender Thomas Föhl. "Ob es nun acht, neun oder zehn Sitze sind: So gerechnet haben wir im Vorfeld noch nie." Es kommt, wie es kommt: Das ist die Devise der Freien. "So stark wie möglich werden, mit Zugpferden in allen Wahlkreisen." Und: "Egal, was links oder rechts passiert." Und die AfD? "Auch das ist uns erstmal egal, wir können es ja nicht ändern."

SPD

Gleichwohl: Wo man hinhört, klingt mehr oder weniger durch, wie ein Einzug der rechtspopulistischen Partei die sachliche und ausgleichende Atmosphäre im Kreistag negativ beeinflussen könnte. "Aus meiner Sicht wäre das eine bedauerliche Entwicklung", sagt SPD-Fraktionsvorsitzende Irmgard Kircher-Wieland. "Mit der AfD wird es im Kreistag mit Sicherheit anders werden. Die Zusammenarbeit würde sehr schwer, wenn sie überhaupt möglich wäre bei diesen politischen Inhalten." Welche Ziele hat die SPD? "Wir wollen die sechs Sitze halten, auch wenn das nicht einfach wird."

Grüne

Erika Bauer von den Grünen sagt: "Es macht mir große Sorgen, wenn AfD-Kandidaten in den Kreistag gewählt werden." Ein "konstruktives Arbeiten" sei von deren Seite wohl nicht zu erwarten, eher würde wohl "ein Antrag nach dem anderen gestellt: so wie im Landtag". Die Bewerbung der AfD wäre für die Gruppen-Sprecherin "ein Grund zu sagen: Ich trete nochmal an, um dem etwas entgegenzusetzen". Derzeit haben die Grünen vier Sitze, zu den Wahl-Ambitionen für 2019 äußert sich Bauer noch nicht.

FDP

"Wenn die AfD in den Kreistag einzieht, wäre die Ausgewogenheit nicht mehr so wie jetzt", sagt Gerhard Feiler, Sprecher der dreiköpfigen FDP-Gruppe. Die "konstruktive Arbeit" würde dadurch gestört. Die FDP selbst wolle wieder "an vier Sitze herankommen".