Klinisch sichere Corona-Diagnosen ohne Tests in Hohenlohe noch nicht gemeldet

Hohenlohe  Die offiziell bestätigten Corona-Fälle im Hohenlohekreis sind das eine. Die tatsächliche Zahl der Infizierten liegt wohl um einiges höher. Warum die offiziell bestätigten Corona-Zahlen im Hohenlohekreis keineswegs alle tatsächlichen Fälle umfassen.

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Klinisch sichere Corona-Diagnosen ohne Tests in Hohenlohe noch nicht gemeldet

Das bestehende Gesundheitsamt (rechts) in Künzelsau ist wegen der Corona-Krise um das Gebäude des Flurneuordnungsamts (links) erweitert worden.

Foto: Ralf Reichert

Da ist nicht nur die hohe Dunkelziffer derer, die das Virus in sich tragen, aber wenige bis keine Symptome spüren und sich deshalb gar nicht melden. Da sind auch alle jene, die zwar eine klinisch sichere Diagnose bekommen haben, danach aber nicht mehr getestet wurden. Landrat Matthias Neth beteuert: "Wir testen weiter." So viel wie möglich. Die bei der Abstrichstelle in Belzhag angemeldeten Verdachtsfälle genauso "wie im Zweifel" diagnostizierte Fälle, sagte er der HZ am Dienstag. Neue Laborkapazitäten hätten sich aufgetan, Testmaterialien seien wieder vorhanden. Beides war zuletzt fraglich.

Landesgesundheitsamt muss entscheiden

Fakt ist: Die klinisch sicheren Diagnosen ohne Tests gelten bisher nicht als offiziell bestätigte Corona-Fälle. "Wir haben noch keine an das Landesgesundheitsamt weitergeleitet", erklärt Mike Weise von der Verwaltungsleitung des Kreisgesundheitsamts. "Das Landesgesundheitsamt muss jetzt entscheiden, wie sie das haben wollen", ergänzt Neth. Ob also positive Test-Befunde und rein positive Diagnosen gleichermaßen in die offizielle Statistik einfließen. Das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises erfasst diese puren Diagnosen ebenfalls. Zahlen gibt es aber nicht. Dazu müssten die Fälle an das Landesgesundheitsamt gemeldet werden.

Test-Bilanz
Das Gesundheitsamt hat im Hohenlohekreis bislang 1628 direkte Kontaktpersonen ermittelt und 278 Infizierte, die getestet und deren Befunde im Labor bestätigt wurden (Stand 25. März). Vergangene Woche gab es täglich über 150 Tests, diesen Montag 50, am Dienstag 70 und gestern 132. Im Gesundheitsamt Künzelsau wurden vom 10. bis 15. März insgesamt rund 150 Abstriche genommen, in Belzhag vom 16. bis 23. März insgesamt 808 Abstriche. Für Dienstag waren 70 geplant, für heute 132. Die Zahl der Tests wird durch neue Laborkapazitäten in den nächsten Tagen weiter steigen.

Das gilt für die klinisch sicheren Diagnosen

"Wir werten die ärztlich gestellten Diagnosen gerade aus und testen gegebenenfalls nach", sagt Sascha Sprenger, Sprecher des Landratsamts. Um eine Corona-Infektion feststellen zu können, seien nicht zwingend Tests nötig, hieß es aus dem Landratsamt am Sonntag. Dies gilt nach wie vor. Aus medizinischer Sicht sei eine Diagnose aufgrund klinischer Befunde ausreichend. "Stellt ein Arzt die Symptome fest, gilt die Covid-19-Infektion als nachgewiesen", sagte Dr. Antje Haack-Erdmann, die das Gesundheitsamt leitet. Die Datenlage im von bestätigten Fällen besonders betroffenen Hohenlohekreis genüge, um abschätzen zu können, dass das Krankheitsbild auf eine Coronavirus-Infektion zurückzuführen sei. Dieses Vorgehen sei erforderlich, da die Testkapazitäten derzeit bundesweit erschöpft seien. Durch die teilweise Umstellung auf eine Diagnose solle sichergestellt werden, dass benötigte Testmaterialien für Risikogruppen zur Verfügung stünden.

Einheitliche Regelung

So oder so: Die "einheitliche und rechtssichere Regelung für den Hohenlohekreis" - abgesprochen mit den niedergelassenen Ärzten im Kreis - besteht weiter. "Sie ist speziell für die beiden Hotspots Kupferzell und Pfedelbach gedacht. Ob andere Kreise ähnlich verfahren, entzieht sich unserer Kenntnis", erklärt Sprenger. Demnach gelten im Hohenlohekreis Personen, die klinische Symptome zeigen, als erkrankt. Und würden genauso behandelt wie die positiv Getesteten - inklusive der behördlichen Pflicht zur Quarantäne.

Aktuelle Zahlen

Insgesamt befinden sich Stand 25. März 1906 Personen in Quarantäne: 278 "laborbestätigte Infizierte" und 1628 direkte Kontaktpersonen. Zehn sichere Corona-Patienten und zehn Verdachtsfälle werden derzeit im Hohenloher Krankenhaus in Öhringen versorgt, weitere in der Lungenfachklinik Löwenstein, im Schwäbisch Haller Diak-Klinikum und im Bad Mergentheimer Caritas-Krankenhaus.


Ralf Reichert

Ralf Reichert

Redaktionsleiter Hohenloher Zeitung

Ralf Reichert ist seit Oktober 2006 Redaktionsleiter der Hohenloher Zeitung. Die Region Hohenlohe ist seit jeher seine journalistische Heimat. Er kam vom Haller Tagblatt und stammt aus dem Taubertal. Bei der HZ kümmert er sich vor allem um die Kreisthemen. 

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