Ist die Anti-Windpark-Werbung zu polemisch?

Öhringen/Waldenburg  Angstschürerei: Ein Vorstandsmitglied der Öhringer Nabu-Gruppe kritisiert die Öffentlichkeitsarbeit der Bürgerinitiative "Gegenwind Waldenburg, Michelbach, Öhringen", die gegen den geplanten Windpark Karlsfurtebene Front macht.

Von Christian Nick
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Ist die Anti-Windpark-Werbung zu polemisch?

Mit solchen Info-Broschüren (Ausschnitt) wirbt die BI.

Foto: privat

"Polemisch und inhaltlich teils falsch" - so urteilt Karl-Heinz Müller, Mitglied im Vorstand des Öhringer Naturschutzbundes (Nabu) über den Flyer, mit dem die Bürgerinitiative (BI) "Gegenwind Waldenburg, Michelbach, Öhringen" versucht, die Stimmung der Hohenloher Öffentlichkeit zu ihren Gunsten und gegen die geplanten neun Windräder zu beeinflussen. Müllers Fazit: "Nicht seriös - es geht darum, Angst zu schüren."

Nach eigener Aussage wurde die Hochglanz-Info-Broschüre von der Initiative bereits über 6500 Mal an den Mann gebracht. Dass die darin gegen die Windenergieanlagen vorgebrachten Argumente indes nicht ganz Hochglanz-Niveau haben, findet Karl-Heinz Müller. Diesem Eindruck hat der Naturschützer Ende Juli auch in einer Mail an die BI Ausdruck verliehen. "Eine Antwort habe ich leider nicht erhalten."

"Dass es dort nicht genug Wind gibt, ist vollkommener Quatsch"

Für Müller ist klar: "Das Thema Windkraft wird auch bei uns im Nabu kontrovers diskutiert." Jedoch: Zahlreiche Punkte, die in den Flyern der Bürgerinitiative, die Eigenangaben zufolge überdies bereits rund 500 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt hat, angeführt sind, kann der Naturschützer nicht nachvollziehen. Als da wäre zum Beispiel die von den Kritikern bezweifelte Windhöffigkeit: "In Süddeutschland gibt es entweder zu wenig oder zu viel Wind", postuliert die BI ebendort. "Dass es in Baden-Württemberg nicht genügend Wind gibt, ist vollkommener Quatsch", entgegnet der Nabu-Repräsentant.

Vielmehr leisteten Windkraftanlagen einen wichtigen Beitrag zum Ausgleich des herrschenden Stromungleichgewichts zwischen Nord- und Süddeutschland: Der Flächenverbrauch sei angesichts der produzierten Zahl an Kilowattstunden "doch Peanuts", glaubt Müller.

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Waldbrandgefahr durch Windkraft?

Windpark Karlsfurtebene verzögert sich weiter
So würden die neun Windkraftanlagen, die südlich von Waldenburg entstehen sollen, aus Blickrichtung Neuenstein aussehen. Aber das Planungsverfahren zieht sich nun weiter in die Länge. Visualisierung: Abo Wind

"Die hydraulischen Getriebe der Windräder neigen zum Überhitzen", heißt es unter anderem weiter auf dem Flyer. "Getriebe brennen nicht, da sie durch Sensoren abgeschaltet werden", so der Nabu-Chef.

Auch die von den Gegnern geschürte Angst vor Fledermaus-"Frikassee" sei überzeichnet: "Für den Fledermausschutz werden die Anlagen von April bis Oktober bis zu drei Stunden vor Sonnenuntergang und bis Sonnenaufgang, bei Temperaturen über 10 Grad und einer Windgeschwindigkeit von weniger als sechs Metern pro Sekunde abgeschaltet."

Auch die notwendigen Rodungen seien keine Hiobsbotschaft: "Lichtungen in Wäldern sind vor allem für Kleinvögel und Insekten ein tolles Biotop, da dort oft viele Blumen blühen und sich eine niedere Vegetation bildet", so Müller.

"War enttäuscht, auf welchem Niveau das Ganze ablief"

Dass er beim Thema Windkraft nicht ganz unvoreingenommen ist, gibt er auf Nachfrage offen zu: Müller ist Teilhaber am Bürgerwindpark Hohenlohe, sitzt dort auch im Beirat - betont aber: "Ich habe da viel Praxiswissen sammeln können." Mit Abo Wind, dem Projektierer im Fall Karlsfurtebene, habe er "rein gar nichts zu tun". Und die öffentliche Erörterung zum Projekt? "Leider war ich recht enttäuscht, auf welchem Niveau das Ganze ablief und mit welchen Argumenten man versuchen will, das Projekt zu verhindern", sagt Müller.

 

 


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