In drei Schritten zur neuen Mülldeponie

Kupferzell  Die Mülldeponie im Hohenlohekreis erhält ein völlig neues Gesicht. Schritt für Schritt. Was von Herbst 2018 bis Ende 2022 in Beltersrot passiert.

Von Ralf Reichert
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Der erste Abschnitt wird stillgelegt, ein zweiter neu aufgemacht. Wertstoffhof, Grüngutplatz, Betriebsgebäude, Gerätehalle und Einfahrt werden erneuert.

Foto: Manuel Maier

Alle Funktionsbereiche im Eingangsbereich werden modernisiert, bevor der Deponiekörper an der Reihe ist. Das Vorhaben ist so komplex und verschachtelt, dass man schnell den Überblick verliert. Die HZ liefert Orientierung und bringt den aktuellen Stand der drei wichtigsten Phasen auf den Punkt:

  • Phase 1

Wertstoffhof, Grüngutplatz und Vorflutkanal sind als Erstes dran: ab Herbst 2018. Alles ist genehmigt, die letzten Arbeiten sollen bis Ende 2019 erledigt sein. Bei der jüngsten Kreistagssitzung gab es nur noch wenig zu beraten. Die Eckpunkte für den zentralen Wertstoffhof des Kreises und den Grüngutplatz sind klar. Die Übergangsphase wird bereits das im Kleinen abbilden, was im Großen folgen wird: Alles soll einfacher, schneller und geordneter ablaufen. Staus zu Stoßzeiten und Chaos bei der Anlieferung? Das soll dann passé sein.

Für den Wertstoffhof muss der Kreis rund 1,7 Millionen Euro berappen, für den Grüngutplatz 280.000 Euro. Die Arbeiten mussten zwei Mal verschoben werden, weil die Entwässerungsfrage komplizierter war als gedacht. Jetzt hinkt die Abfallwirtschaft etwa zwei Jahre hinterher. Über den Vorflutkanal werden Oberflächenwasser, Abwasser und Sickerwasser abgeleitet: aus diesem Bereich wie aus der Deponie. Der Bau kostet 900.000 Euro.

  • Phase 2
In drei Schritten zur neuen Mülldeponie

Deshalb dauert es wohl bis 2020, ehe die zweite Phase starten kann: mit dem neuen Einfahrtsbereich, dem neuen Betriebsgebäude und der neuen Gerätehalle. Dafür gibt es bisher nur ein grobes Konzept. Nachdem der Kreistag am 9. Juli grünes Licht gegeben hat, kann das Ingenieurbüro Roth jetzt in die konkreten Planungen einsteigen.

Dessen Chef Johann Roth sagt: "Den Einfahrtsbereich zu erneuern, bringt nur Vorteile. Der einzige Nachteil sind die Kosten." Er rechnet mit 700.000 Euro. "Dafür haben wir dann eigentlich keine Staus mehr." Pkw und Lkw kommen sich demnach bei der An- und Abfahrt nicht in die Quere. Die Verkehrsführung sei flüssig und die jeweiligen Spuren klar abgetrennt zwischen Wertstoffhof und Grüngutplatz sowie dem zweiten Deponieabschnitt, der ab Ende 2021 neu befüllt wird.

Das Betriebsgebäude (Baujahr 1979) müsse dringend erneuert werden. "Es ist weit entfernt von jeglichem Arbeitsschutz", erklärt Roth. Die Fenster seien morsch, die Wände asbestverkleidet, die Räume schlecht aufgeteilt und veraltet. Die Mängelliste ist lang, deshalb führt an einem Abriss kein Weg vorbei. In den Neubau werden dann mehr Mitarbeiter einziehen. "Das gesamte technische Personal der Abfallwirtschaft wird dort zusammengezogen", sagt Roth. Ein Großteil ihrer Aufgaben fällt direkt vor Ort an: sei es in der Deponie (Nachsorge der stillgelegten Fläche und Einbau des neuen Materials) oder im Bereich des Wertstoffhofs. Damit setzt der Kreis auch ein Ergebnis des Bürgerdialogs um, das da lautet: so viel Fachpersonal wie möglich an der Deponie.

Geplant sind zwei Stockwerke mit neun Büroarbeitsplätzen, einer Warte und einem großen Konferenzraum. Hinzu kommen Sanitärräume sowie ein Pausenraum samt Küche. Die Kostenfrage umtreibt den Kreistag. Sparen wo es geht: So heißt die Devise. Das ist aber gar nicht so einfach. "Unsere aktuelle Kostennote liegt bei rund 1,2 Millionen Euro", sagt Roth. "Wir könnten versuchen, unter eine Million Euro zu kommen. Ich kann aber nicht versprechen, ob dies gelingt."

Bei der Gerätehalle mit Werkstatt, einer "Stahlbaukonstruktion mit Pultdach", fällt die Schätzung leichter: rund 550.000 Euro. "Es gibt fünf Stellplätze: etwa für Einbaumaschinen, Kehrmaschinen und Containerwechselfahrzeuge".

  • Phase 3

Fehlt noch der Deponiekörper. Der erste Verfüllabschnitt, der 1980 aufgemacht wurde, seit 2015 voll ist und weitgehend mit Hausmüll bestückt ist, soll bis Ende 2022 stillgelegt sein, der zweite Verfüllabschnitt, in dem 60 Jahre lang unbelastete und schwach belastete Abfälle wie Bauschutt und Erden entsorgt werden, soll bis Ende 2021 bereit stehen. Im Februar hieß es noch, Müll könnte schon Ende 2020 eingebaut werden. Das passt ins Bild, denn Verzögerungen gab es immer wieder.

"Die Planungen waren intensiv und hochkomplex", sagt Sebastian Damm, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft. Vorschriften prallten aufeinander. Der Natur- und Artenschutz war die größte Bremse: erst die Haselmaus, dann die Zauneidechse und zum Schluss die Gelbbauchunke. Auch der Ausgleich von Waldflächen gestaltete sich zäh. So konnten erst Anfang Juli 2018 alle Unterlagen an das Regierungspräsidium Stuttgart geschickt werden: zweieinhalb Jahre später als gedacht. Und wann erfolgt die Genehmigung? "Wir erwarten sie noch 2018", so Damm. Baubeginn wäre dann im April 2019. Zwei neue Anlagen sind bereits in Betrieb: die eine, um Sickerwasser vorzureinigen, die andere, um Deponiegase klimaschonend abzusaugen.

Das Gesamtkonzept hat der Kreistag schon im Dezember 2016 beschlossen. Drei Monate vorher war ein hitziger Bürgerdialog gestartet, etliche Forderungen der Deponie-Kritiker fanden Eingang in die Planung. Die wichtigsten Punkte: Ausbau als Mischdeponie, Betrieb durch den Kreis, Überwachung in den ersten Jahren durch eine Fremdfirma, keine Annahme von gefährlichen Abfällen und Kunstmineralfasern sowie Abfällen aus dem Rückbau von Kernkraftwerken. Und: Nur Asbest aus dem Hohenlohekreis darf eingelagert werden. Insgesamt kostet die Stilllegung und Erweiterung der Deponie den Kreis rund 16 Millionen Euro. 
 


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