In der neuen Kfz-Zulassungsstelle in Künzelsau läuft es rund

Hohenlohe  Am 21. Juni ist die Öhringer Stelle in der Künzelsauer Behörde aufgegangen. Zwischen 140 und 160 Kunden kommen seitdem täglich, donnerstags können es auch mal über 200 sein. Wie kommen Bürger und Autohäuser mit dieser Umstellung zurecht? Und wie die Mitarbeiter?

Von Ralf Reichert
Zentrale Kfz-Zulassung in Künzelsau: Bisher läuft es recht rund

Viel los ist in der Kfz-Zulassungsstelle in Künzelsau, seit der Öhringer Bereich am 21. Juni integriert wurde. Die Schalterbereiche wurden dazu neu geordnet.

Donnerstag, 14 Uhr. Seit zwei Wochen können Bürger, Firmen und Autohäuser ihre Fahrzeuge nur noch in Künzelsau neu zulassen, wieder zulassen, umschreiben oder abmelden. Im Erdgeschoss des Landratsamts. 30 Personen warten im Foyer, es ist ein ständiges Kommen und Gehen. "120 waren es am Vormittag, bis heute Abend werden wir wohl bei über 200 sein", sagt Karlheinz Haaf, der die Zulassungsstelle leitet. "Es ist aber auch der lange Donnerstag", ergänzt er.

"Bisher hat sich das zwischen 140 und 160 Kunden pro Tag eingependelt." Durchschnittlich 80 kamen bis 19. Juni in die Öhringer Behörde, die aufgelöst und mit Künzelsau vereint wurde, wo davor ebenfalls rund 80 Personen täglich gezählt wurden. "160 Leute am Tag: Das ist ein Wort", weiß Haag. Doch er beteuert: "Der Betrieb läuft bisher problemlos." Und der ganze Ärger über die Schließung der Öhringer Zulassungsstelle sei verstummt.

Kritiker aus Öhringen

Na ja, wohl nicht so ganz. Daniel Geiger aus Öhringen fühlt sich in seiner Kritik bestätigt: "Ich finde die Zentralisierung nicht gut", meint er. "Einen Parkplatz zu finden, war ganz schwer." Und der Weg zur Zulassungsstelle sei auch schlecht beschrieben: "Wir kamen hier eher zufällig rein." Für Öhringer sei es "umständlicher" als vorher. "Definitiv." Gleichwohl erkennt der 29-Jährige an: "Der Wartebereich ist nicht schlecht. Er ist schön groß, und das Risiko ist gering, in der Schlange bis draußen zu stehen." Genau das war in Öhringen öfter der Fall.

Zentrale Kfz-Zulassung in Künzelsau: Bisher läuft es recht rund

Wer das Foyer des Landratsamts betritt, zieht eine Marke und wartet, bis er über die Bildschirme aufgerufen wird. Die Wartezone wurde vergrößert.

Daniel Geiger ist am Donnerstag vor einer Woche nur der Fahrer für Tanja Kirchner (30) aus Öhringen. Sie erklärt: "Ich habe dort nie lange warten müssen." Die Verlagerung ärgere viele Öhringer immer noch. Doch auch in Künzelsau läuft es für sie recht flott. Warum musste sie hierher? "Ich habe mir ein neues Auto gekauft. Das lasse ich jetzt zu."

Lobende Worte eines Weißbachers

Anastasios Saltsoglidis (51) aus Weißbach kommt regelmäßig in die Behörde, mitunter dreimal in der Woche. "Mein Schwager ist Autohändler, ich helfe ihm ab und zu und erledige die Zulassungen." Er sagt: "Ich kenne viele Zulassungsstellen in Deutschland. Keine ist so gut wie die in Künzelsau."

Wartezeiten verkürzt

So etwas läuft Karlheinz Haaf natürlich runter wie Öl. "Bei den Wartezeiten sind wir momentan bei maximal 30 Minuten. In Künzelsau waren es seither bis zu 45 Minuten, in Öhringen bis zu 60 Minuten." Wobei man in Öhringen schon mal vor der Türe im Regen ausharren musste. Das ist jetzt vorbei. Der Wartebereich in Künzelsau wurde vergrößert. Er deckt nun die Führerscheinstelle und die Zulassungsstelle ab. Auch die Öffnungszeiten wurden verlängert. "Wer mittwochs um 12.30 Uhr da ist, muss gar nicht warten. Das muss sich noch herumsprechen."

Zentrale Kfz-Zulassung in Künzelsau: Bisher läuft es recht rund

Daniel Geiger und Tanja Kirchner (vorne) mussten erstmals den Weg von Öhringen nach Künzelsau antreten, um ein Auto neu zuzulassen. Das gefällt ihnen gar nicht.

Online-Termine und Autohäuser

Neu ist, dass man Termine online vorbereiten und buchen kann. Auf die Minute genau. "Einen eigenen Online-Schalter brauchen wir dafür aber doch nicht. Es ist besser, dies in den normalen Arbeitsablauf zu integrieren", sagt Haaf. Gleiches gilt für die Autohäuser, denen ebenfalls ein eigener Schalter versprochen worden war. "Heute morgen mussten wir auf einen Schlag 30 Zulassungen für Autohäuser tätigen. Dafür haben wir dann eine ganze Kraft abgestellt."

Vor allem Öhringer Autohäuser waren außer sich, als die Zentralisierung im Sommer 2016 bekannt wurde. "Von ihnen hört man gar nichts mehr", sagt Haaf. "Die meisten beauftragen einen örtlichen Zulassungsdienst, der die Unterlagen einsammelt und zu uns bringt." Damit seien sie zufrieden, "weil es für sie auch finanziell Vorteile hat". Der Online-Service für Bürger wird bislang kaum genutzt. "Heute um 8.45 Uhr kam der erste Kunde, der auf diese Weise einen Termin reserviert hat. Das müssen wir noch etwas bekannter machen."

App aktualisiert Wartezeiten minutengenau

Wer normal kommt und eine Marke zieht, muss aber nicht vor Ort warten, sollte es länger dauern. "Die Kunden können in der Stadt etwas besorgen, über unsere App werden die Wartezeiten minutengenau aktualisiert." Und die Öhringer Mitarbeiter? Sie bildeten Fahrgemeinschaften, hätten sich gut eingearbeitet und seien "überrascht, wie angenehm es hier ist", so Haaf. Letztlich könnten die drei Vollzeit- und fünf Teilzeitkräfte aufatmen. Telefonische Anfragen würden nicht mehr direkt zu ihnen durchgestellt, sondern gesammelt und über eine Extra-Leitung beantwortet. Der Wartebereich sei nicht mehr im Büro, "so dass jeder alles mitbekommt", sondern im Foyer. Auch beim Datenschutz laufe für sie jetzt also alles viel entspannter ab.


Ab Herbst Neuzulassungen online möglich

1. Oktober 2019: Diesem Tag dürften viele Bürger entgegenfiebern, die seit 21. Juni ihre Fahrzeuge nicht mehr in der Öhringer Hindenburgstraße, sondern nur noch im Künzelsauer Landratsamt zulassen können. Ab dann müssen sie nicht mehr dorthin fahren, wenn sie ein Kfz neu zulassen, umschreiben oder in allen Fällen wiederzulassen wollen, sondern sie können das ganz bequem online erledigen. Auf dem Computer, dem Tablet oder dem Smartphone. Zuhause oder auswärts. Im In- oder Ausland. Rund um die Uhr. Ohne jegliche Wartezeit. Und vor allem: ohne längere Anfahrt. Natürlich können auch die Bürger aus dem Raum Künzelsau dieses Angebot nutzen.

Seit 1. Januar 2015 können Fahrzeuge in bestimmten Fällen online abgemeldet und seit 1. Oktober 2017 teilweise wieder angemeldet werden. Ab Herbst zündet nun die dritte Stufe des Projekts "i-Kfz" des Bundesverkehrsministeriums, der Bundesrat hatte das Paket am 15. Februar 2019 beschlossen. "Wir bereiten uns bereits darauf vor", sagt Karlheinz Haaf, Leiter der Zulassungsstelle in Künzelsau. "Ab dem vierten Quartal können wir es dann umsetzen." Das heißt: "Ab der Online-Anmeldung ist innerhalb von zwei Tagen alles erledigt." Dann könne man sofort losfahren. Vor allem die jüngere Generation sei "ganz heiß darauf".

Doch einige Voraussetzungen müssen erfüllt sein. Beispiel Neuzulassungen: Dazu benötigt man einen Personalausweis mit aktivierter Online-Funktion, ein Kartenlesegerät oder eine Ausweis-App, eine "Zulassungsbescheinigung Tel II" mit verdecktem Sicherheitscode und eine elektronische Versicherungsbestätigung. Mehr dazu unter www.bmvi.de und "internetbasierte Fahrzeugzulassung".

 

 

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