In Künzelsau wird ein Ärztehaus gebaut

Künzelsau  Oberhalb der Residenz Schloß Stetten wird ein privates Ärztehaus entstehen. Baubeginn: diesen Sommer. Damit reagieren Wolfgang und Christian von Stetten auch auf die angekündigte Schließung des Künzelsauer Krankenhauses.

Von Thomas Zimmermann
Ärztehaus in Künzelsau
Die Vorarbeiten sind bereits abgeschlossen. Auf dem weitläufigen Gelände am Rande der Residenz Schloß Stetten soll das Ärztehaus gebaut werden. Foto: Thomas Zimmermann

Auf Schloß Stetten wird ein großes Rad gedreht. Wolfgang und Christian von Stetten wollen auf dem weitläufigen Gelände oberhalb der Residenz ein Ärztehaus bauen - genauer gesagt sollen es sogar drei Ärztehäuser werden. "Wir planen zwei OP-Räume für ambulante Operationen und eine Praxis mit einem modernen Computertomographen und einem Hybridherzkatheter", erläutert Christian von Stetten. Die Pläne für das ehrgeizige Bauwerk sind fertig, auch die Baugrube ist ausgehoben, und alle Baugenehmigungen sind erteilt. Die Grundsteinlegung ist noch in diesem Sommer geplant.

Arztpraxis mit Bettenbau

Ankermieter dieses neuen Ärztehauses wird der Herzspezialist Professor Dr. Christoph Karle, der derzeit im Gebäude der Stetten Bau GmbH in der Amrichshäuser Straße seine Privat-Praxis betreibt und sich vergrößern will. Eine Erweiterung ist an diesem Standort aus Platzgründen nicht möglich. Karle hatte schon vor Jahren Pläne vorgelegt, um das Künzelsauer Krankenhaus zu retten (mehr dazu unten im Text). "In die Konzeption der Arztpraxis mit Bettenbau flossen Aspekte neuer medizinischer Technologien der kommenden Jahre, wie Medizin 4.0, Smart-Technologies und Telemedizin mit ein", versichert Christoph Karle. "Für die nachoperative Betreuung stehen schöne Patientenzimmer zur Verfügung", so Karle weiter.

Weitere Mieter gesucht

"Für das Nebengebäude laufen derzeit Gespräche mit weiteren Mietern", betont Christian von Stetten. Ihm schwebt auch eine Rundumversorgung für Patienten mit Reha- und Fitnessmöglichkeiten vor. Für den CDU-Bundestagsabgeordneten ist der Entschluss, das Ärztehaus zu bauen, auch eine Reaktion auf die angekündigte Schließung des Künzelsauer Krankenhauses.

"Mit der Zurverfügungstellung des Baugrundstückes möchte ich auch einen Beitrag zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum leisten. Neben der Stadt Künzelsau werden vor allem die Bürger der Gemeinden Mulfingen und Langenburg von der neuen medizinischen Einrichtung profitieren", ist Christian von Stetten sicher. "Was sich dann daraus entwickeln wird, muss sich zeigen" ergänzt der 47-Jährige. In dringenden Notfällen darf eine Privat-Praxis auch Kassenpatienten nicht abweisen. Deshalb soll das rund zwölf Millionen Euro teure Ärztehaus auch einen Hubschrauberlandeplatz bekommen. Die Fertigstellung ist für den Oktober 2019 geplant.

Gemischte Gefühle

In der Stadt Künzelsau sieht man die Pläne mit gemischten Gefühlen. "Ich würde mir wünschen, dass Professor Karle in der Stadt bleibt. Wir haben ja jetzt auch eine andere Ausgangslage mit unserem neuen Partner", unterstreicht Bürgermeister Stefan Neumann. Die Barmherzigen Brüder Trier (BBT) sind seit Mai Mehrheitseigentümer der Hohenloher Krankenhaus GmbH, zu der das Hohenloher Krankenhaus mit den beiden Standorten in Künzelsau und Öhringen sowie die Seniorenbetreuung gGmbH gehören. Neumann hält an den Plänen fest, das Künzelsauer Krankenhaus nach der Schließung zu einem ambulanten Medizin-Zentrum zu entwickeln.

Das sieht auch der Kreistagsbeschluss vor, der die Zusammenarbeit der neuen Partner besiegelte. In diesem Rahmen müssten auch Rettungsdienst und Notfallversorgung in Künzelsau aufgerüstet werden, so Neumann. "Ich freue mich über jede Initiative, die eine hochwertige Versorgung der Bevölkerung im Hohenlohekreis sicherstellt", begrüßt Landrat Matthias Neth dagegen die Entscheidung Christian von Stettens.

Auch die größte Tiefgarage in Künzelsau wird bald auf Schloß Stetten stehen. Sie wird unter einem Nebengebäude des zukünftigen Ärztehauses entstehen.

Pläne, um die Künzelsauer Klinik zu retten

Nachdem sich abzeichnete, dass das Künzelsauer Krankenhaus in seiner jetzigen Form als Haus der Grund- und Regelversorgung auf Dauer nicht zu halten ist, wurden verschiedene Konzepte entwickelt, um den Fortbestand der Klinik in kleinem Format zu sichern. So hatten die im Verein Herz-, Gefäß- und Diabeteszentrum Hohenlohe-Franken (HGDZ) zusammengeschlossenen Künzelsauer Belegärzte unter Federführung von Professor Dr. Christoph Karle bereits 2015 ein Konzept für eine Notfall- und Akutklinik mit 24-Stunden-Herzkatheter-Bereitschaft vorgelegt. Der Kreistag hatte dieses Konzept allerdings abgelehnt, bevor er am 30. September 2016 den Weg für die Schließung ebnete.

Anfang 2017 gab es noch einmal einen Vorstoß der HGDZ, eine kleine Belegarzt-Klinik mit einigen Planbetten einzurichten. Diesem Ansatz stand auch die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg wohlwollend gegenüber. Doch das Konzept wurde nicht weiterverfolgt. Im Juni 2017 hatte der Kreistag des Hohenlohekreise beschlossen, das Förderangebot des Landes von 51,5 Millionen Euro anzunehmen. Damit wurde grünes Licht für einen Neubau in Öhringen erteilt, Künzelsau soll ein Medizinzentrum erhalten. Der neue Mehrheitsgesellschafter, die Barmherzigen Brüder Trier gGmbH (BBT), führt derzeit Verhandlungen. Das Konzept für ein ambulantes Medizinzentrum soll in den nächsten Monaten mit konkreten Inhalten versehen werden, heißt es in einer Pressemitteilung des Hohenlohekreises vom März 2018.


Kommentar: Eines muss man den von Stettens lassen. Wo sie die Chance für einen unternehmerischen Erfolg sehen, schlagen sie zu. Und während andere reden, wird im Schloß gehandelt, kommentiert Thomas Zimmermann.

Die Ankündigung, jetzt eine Arztpraxis mit Bettenbau zu errichten, lässt aufhorchen. Während sich das Land Baden-Württemberg in der Fläche von der Gesundheitsversorgung verabschiedet und kleinere Krankenhäuser zu Gunsten von Großkliniken schließen, entsteht in der Residenz ein hochmodernes Ärztezentrum mit Operationsmöglichkeiten. Das ist erfreulich für Privatpatienten und Residenzbewohner, die so im Notfall erstklassig versorgt werden können. Im Notfall könnten aber auch Kassenpatienten dort schnelle Hilfe finden.

Denn abgewiesen werden dürfen akute Fälle nicht. Mit der Entscheidung zum Bau des privaten Ärztehauses geraten aber die Stadt Künzelsau, der Landkreis und die BBT gewaltig unter Druck. Denn während zwischen den Partnern noch aufwendig verhandelt werden muss, haben andere bereits Tatsachen geschaffen. Und es stellt sich die Frage, ob jetzt im Zentrum noch Raum bleibt für ein Medizinzentrum, das den Namen auch verdient.

 


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