In Dörzbach geht es um LED, Landluft und um eine lange Baustelle

Dörzbach  Tausende Besucher säumen am Samstagnachmittag beim Dörzbacher Frühjahrspferdemarkt die Straßen, während der Festumzug mit mehr als 30 Gruppen und Wagen an ihnen vorbeizieht. Dabei haben die Narren vor allem lokalpolitische Themen im Visier.

Von Tamara Ludwig
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Frühjahrspferdemarkt ist, wenn Spongebob und die Schlümpfe sich die Ehre geben, die Glücksbärchis den Panzerknackern auf den Fersen sind und die Dschungelkönigin mehr Gefolgschaft mitbringt als US-Präsident Trump und Bundeskanzlerin Merkel zusammen.

Frühjahrspferdemarkt ist, wenn tausende Besucher die Dörzbacher Straßen säumen und dabei genüsslich eine Bratwurst schlemmen.

Frühjahrspferdemarkt ist, wenn die Sonne rechtzeitig vor dem Festumzug die Regenwolken verdrängt.

Frühjahrspferdemarkt ist aber vor allem, wenn kreative Hohenloher den lokalen und überregionalen Politiker den Spiegel vorhalten.

Gerstensaft gegen die Hitzewallungen

So ist der Zustand der Pflege in Deutschland und im Kreis ebenso Thema wie die Hitzewelle 2018, die der TSV Hohebach mit Gerstensaft aus dem Main-Tauber-Kreis bekämpft.

Für mehrere Kreativschübe sorgt in diesem Jahr die neue LED-Straßenbeleuchtung. "LED fördert das Nachtleben in Hohebach" oder "Im Dunkeln ist gut munkeln" titelt da etwa Umzugsteilnehmer Alfred Zeller mit seinem Leiterwagen. Auch die Dörzbacher Hexen sind wenig begeistert vom neuen Licht. Mit blinkenden Stirnlampen bewaffnet hoffen sie auf Erleuchtung und fordern: "Wir Hexen haben schlechte Sicht. Gebt uns unser altes Licht!"

Mit der Sicht ist es ganz plötzlich vorbei, als kräftige gelbe Nebelschwaden die Luft erfüllen, bis alles kurz in ihrem Dunst verschwindet. Die Gelbwesten (Hütte Dörzbach) sind unterwegs, zünden farbige Rauchfackeln. Ihre Mission: kanalisieren statt randalieren.

Schließlich soll die Großbaustelle an der B19 endlich ein Ende nehmen. Dann kann der Verkehr wieder durch Dörzbach fließen, doch was ist mit der Luftverschmutzung?

Der Tuning Club Hasenweiler hat dafür eigens die Umweltzone 0 für Dörzbach eingeführt. Eine erfolgversprechende Maßnahme. Die Ergebnisse seines Hightech-Mess-Wagens lassen nur einen Schluss zu: "Die Dörzbacher Landluft ist so rein, bald werden wir ein Kurort sein."

Warten auf die Jagsttalarena

In diesem Kurort würde sich auch sicher eine schmucke Halle gut machen. Zwar fehlt Dörzbach dafür das nötige Kleingeld, träumen ist aber erlaubt. Und so zieht ein Duzend von Heino-Doppelgängern durch die Hauptstraße und wartet bereits auf den großen Auftritt in der neuen Jagsttalarena.

Von Warten halten die Kinder der Grundschule gar nichts. "Neue Mensa, neuer Schulhof - wir fangen schon mal an", lautet ihr Motto. Mit Bauhelmen auf den kleinen Häuptern schwingen sie Hammer und Meißel. "Schaffen wir das? - Ja, wir schaffen das!", hallt es in Bob-der-Baumeister-Manier durch Dörzbach.

Und siehe da, ein Mensa-Sponsor hat sich unter sie gemischt. Ob Bürgermeister Andy Kümmerle ein unerwarteter Geldsegen ins (Armen)Haus steht? Mit den süßen Goldtalern, die am Samstag vom Himmel regnen, ist es jedenfalls noch nicht getan.

 


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