Hohenloher Landratsamt schränkt öffentliches Leben ein

Hohenlohe  Das Landratsamt hat zwei Eilverfügungen erlassen sowohl für Krankenhausbesuche als auch für Veranstaltungen. Die Verwaltungsleistungen sind eingeschränkt, ab Dienstag bleibt unter anderem das Öhringer Rathaus fürs Publikum geschlossen.

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Das Landratsamt des Hohenlohekreis ist ab sofort für Besucher geschlossen. Kundenkontakte sind nur noch nach Terminvereinbarung möglich.

Foto: Archiv/Reichert

Das Landratsamt hat am Wochenende mit sofortiger Wirkung zwei Allgemeinverfügungen erlassen. Sie sehen vor, dass Krankenhäuser von Besuchern nicht mehr betreten werden dürfen. In Rehabilitations- und Dialyseeinrichtungen, Tageskliniken und Pflegeheimen ist der Besuch pro Tag und Bewohner für eine Stunde zugelassen. Ausnahmen gelten für alle Einrichtungen bei der Begleitung von Sterbenden und bei minderjährigen Patienten. Risikopersonen haben kein Besuchsrecht.

Starke Einschränkungen

Die zweite Eilverfügung untersagt öffentliche und private Veranstaltungen mit einer Teilnehmerzahl von mehr als 100 Personen. Geplante Veranstaltungen mit einer Teilnehmerzahl von 30 bis 99 Personen müssen mindestens 72 Stunden vor Beginn schriftlich beim Bürgermeisteramt angezeigt und begründet werden. Soziale Kontakte sind auf das Notwendige zu reduzieren. Da sich auch das Landratsamt Hohenlohekreis seit mehr als zwei Wochen in einem andauernden Krisenmodus befindet, hat die Landkreisbehörde weitere Maßnahmen beschlossen: Das Landratsamt ist ab dem heutigen Montag für unangemeldeten Publikumsverkehr geschlossen.

Verwaltungsleistungen eingeschränkt

Der Koordinierungsstab unter Leitung von Landrat Matthias Neth tagt dagegen täglich weiter, berichtet Landratsamts-Pressesprecherin Susanne Uebel. Das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises wurde in eine besondere Aufbauorganisation nach dem Vorbild des Katastrophenschutzes überführt (siehe unten). Außerdem, so Uebel, wurde der Schichtbetrieb angeordnet.

Wichtigste Verwaltungsleistungen werden aufrecht erhalten, um die sogenannte kritische Infrastruktur zu schützen. Hier geht es vor allem um die Aufgaben im Jugendamt oder beim Gewässerschutz. Alle sonstigen Verwaltungsleistungen, so heißt es weiter, werden heruntergefahren. Die Schließung für Besucher gilt bis auf Weiteres und für sämtliche Außenstellen. Kundenkontakte sind nur nach vorheriger Terminvereinbarung möglich. "Die Menschen im Hohenlohekreis können sicher sein, dass die Mitarbeiter mit voller Kraft daran arbeiten, diese schwierige Situation zu bewältigen", sagt Landrat Matthias Neth.

Rathäuser machen dicht

Auch das Rathaus in Öhringen stellt den Publikumsverkehr ab Dienstag ein. Die Verwaltung ist dann nur noch telefonisch und per E-Mail zu erreichen. Auch alle städtische Einrichtungen sind geschlossen.

Pfedelbach und Neuenstein schließen bereits ab dem heutigen Montag ihre Rathäuser für den allgemeinen Publikumsverkehr. Termine sollen telefonisch oder per Mail abgestimmt werden. Aufgrund einer bestätigten Corona-Infektion muss die Grundschule Untersteinbach bereits ab heute den Betrieb einstellen.

Notfallbetreuung wird eingerichtet

Ob die Gemeinderatssitzung in Neuenstein am 23. März stattfinde, werde noch geprüft. Auch sämtliche andere Veranstaltungen wurden abgesagt, teilt Bürgermeister Karl-Michael Nicklas mit. Zu den wichtigen Aufgaben zähle gerade auch, die Notbetreuung für Kinder zu organisieren. Das gelte abernur für Eltern, die alleinerziehend sind und in systemrelevanten Bereichen arbeiten, beziehungsweise wenn beide Elternteile in solchen Bereichen arbeiten. Dazu zählen medizinische Einrichtungen.

Auch die Städte Öhringen und Künzelsau reagieren mit einer Notfallbetreuung auf die Schließung der Kindergärten und Schulen. Bis einschließlich 19. April schließt die Kreisstadt zudem das Hallenbad TollKün, das Jugendzentrum und die Jugendmusikschule.

Auch andere Behörden schließen oder schränken ihren Publikumsverkehr drastisch ein. Dazu zählen die AOK-Kundencenter, die nur telefonisch unter 07940 122252 (Raum Künzelsau) und 07941 6095369 (Raum Öhringen) erreichbar sind. Das Finanzamt stellt seinen Publikumsverkehr ein.

Viele neue Fälle

Am Wochenende sind im Hohenlohekreis 29 weitere Fälle aus dem Kreisgebiet bestätigt worden. Insgesamt sind damit 54 Coronavirus-Fälle im Kreis nachgewiesen. Dagegen sind die Testergebnisse auf das Coronavirus der Kontaktperson, die vorsorglich im Wohnheim der Akademie für Landbau und Hauswirtschaft in Kupferzell untergebracht wurde, negativ. Die Isolation wurde deshalb umgehend aufgehoben.

Der Landkreis Schwäbisch Hall meldet zwei bestätigte Corona-Erkrankte von Teilnehmern des Kleinkinderbazars, der am Samstag, 7. März, in der Weinbrennerhalle in Untermünkheim stattfand. Bürger des Hohenlohekreises, die die Veranstaltung besucht haben, sollen bei Krankheitssymptomen dringend telefonisch mit dem Hausarzt Kontakt aufnehmen. Für alle Fragen zum Coronarvirus ist neben dem Gesundheitsamt Hohenlohekreis auch das Landesgesundheitsamt unter 0711 90439555 erreichbar. zim


Thomas Zimmermann

Thomas Zimmermann

Autor

Thomas Zimmermann ist seit Februar 2016 bei der Stimme. Zuvor war der ehemalige Fußballer als Radioreporter und Magazinmacher unterwegs. Für die HZ berichtet er überwiegend über Künzelsau und Umgebung.  

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