Hohenloher Landrat: "Es gibt keinen neuen Corona-Hotspot"

Hohenlohe  Warum der Hohenlohekreis zuletzt nur zäh konkrete Fallzahlen lieferte. Landrat Matthias Neth beteuert: "Wir testen natürlich weiter." Neue Labor-Plätze stehen bereit.

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So wie Maria Deuser ging es zuletzt vielen Bürgern im Hohenlohekreis. Die Leserin meldete sich über Facebook bei der HZ und wunderte sich: Warum fokussiert sich bei den Corona-Fällen alles auf die Hotspots Kupferzell und Pfedelbach? Warum gibt es keine konkreten Zahlen aus den anderen Kreiskommunen? Das fragte sich auch die Hohenloher Zeitung. Und hakte immer wieder nach. Gestern nun schwenkte das Landratsamt um und nannte die aktuellen Fallzahlen pro Städte und Gemeinden, Stand 23. März. In sechs Kommunen liegen die Werte unter fünf bestätigten Fällen, hier bleibt der Kreis dabei: Konkreter soll es nicht werden.

Persönlichkeitesschutz geht vor

Warum nicht? Mike Weise, Verwaltungsleiter im Gesundheitsamt, klärt auf. "Wir wollen und dürfen die bestätigten Corona-Fälle nicht auf einzelne Personen zuspitzen, weil das für sie negative Konsequenzen haben könnte." Der Persönlichkeitsschutz gehe hier vor. "Wir wollen nicht, dass eine Schuldfrage aufgemacht wird, die sich per se gar nicht stellt." Die Gefahr bestehe, dass Einzelne für Erkrankungen anderer verantwortlich gemacht würden. Je geringer die Zahl der Infizierten pro Kommune sei, desto leichter seien sie zu identifizieren. "Wir sind ja in Hohenlohe, da kennt man sich." Die Zahl fünf sei statistisch gesehen ein "Schwellenwert", deshalb ziehe man da die Grenze. Auch wolle man nicht, "dass sich andere Bürger in falscher Sicherheit wiegen, wenn gar kein Fall oder relativ wenige bestätigt sind".

"Stigmatisierung von Infizierten ein Riesen-Thema"

Landrat Matthias Neth hakt ein: "Die Stigmatisierung von Infizierten ist ein Riesen-Thema." Dennoch habe man sich unter den Landräten verständigt, "die Anonymisierung jetzt nicht mehr so strikt zu sehen". Die kritische Marke liege deshalb "unter fünf Fällen". Neth betont aber auch: "Keiner sollte und muss sich schuldig fühlen."

Hotspots sind für den Landrat entscheidend

Der Landrat hat weiter erkannt: "Das Thema Zahlen hat für die Bevölkerung eine andere Bedeutung als für uns." Rein "epidemiologisch" sei für den Kreis einzig relevant zu wissen: "Wo entwickeln sich neue Hotspots und ein neuer Problemfall wie Eschental?" Städte und Gemeinden mit niedrigeren Fallzahlen seien für die Gesamtbetrachtung weniger entscheidend: "Ob es etwa für Künzelsau nun 15 sind oder 25, macht für das Thema Sicherheit keinen Unterschied."

Die bestätigten Corona-Fallzahlen in den 16 Städten und Gemeinden des Hohenlohekreises, Stand 23. März: Pfedelbach 92, Kupferzell 74, Öhringen 23, Künzelsau 19, Waldenburg 19, Forchtenberg 14, Schöntal 12, Bretzfeld 6, Ingelfingen 6, Neuenstein 5, Dörzbach, Krautheim, Mulfingen, Niedernhall, Weißbach, Zweiflingen: jeweils unter 5.

Neth gibt zu: Informationsfluss stockte

Sehr wohl aber deutlich ansteigende Werte wie zuletzt in Pfedelbach und Kupferzell. Gleichwohl musste die HZ mehrmals nachhaken, um die konkreten Zahlen dieser Gemeinden in Erfahrung zu bringen, obwohl längst bekannt war, dass sie Hotspots sind. Dass der Informationsfluss auch sonst von Seiten des Landratsamts zuletzt stockte, will Neth gar nicht in Abrede stellen: "Letzte Woche haben wir die Hohenloher Zeitung weniger gut bedient als ihr zugestanden hätte. Das tut mir leid."

Wie ist die aktuelle Versorgungslage?

Stand Dienstag sei klar: "Es gibt keinen neuen Hotspot." Die Corona-Patienten aus dem Hohenlohekreis seien derzeit "voll versorgt". Die ganz schweren Fälle würden in der Lungenfachklinik in Löwenstein behandelt, "das klappt sehr gut". Trotz der relativ hohen Fallzahl sei der Kreis aktuell "handlungsfähig", allein: "Das ist nur eine Momentaufnahme, wir stehen erst am Beginn."

Der Kreis testet weiter

Die Konsequenz ist: "Wir testen natürlich weiter." Mit zunehmender Zeit "sehr viel spezieller", aber "gleichwohl in der Breite". Und: "Wir testen im Zweifel auch jene Personen, bei denen die Ärzte eine klinisch sichere Diagnose gestellt haben, wir aber trotzdem auf Nummer Sicher gehen wollen." Auch wenn der Hohenlohekreis dadurch im deutschlandweiten Vergleich weiter einen Spitzenplatz einnehme. Bislang seien noch keine dieser klinisch sicheren Diagnosen in die offizielle Statistik eingeflossen. "Das Landesgesundheitsamt muss jetzt entscheiden, ob wir sie offiziell melden sollen oder nicht."

Neue Labor-Plätze stehen bereit

Um die hohe Test-Dichte beibehalten zu können, "haben sich jetzt für uns 20 weitere Labor-Plätze in Würzburg aufgetan". Auch die Verhandlungen mit einem Labor in Stuttgart seien "vielversprechend". Mit dem aktuellen Labor in Heidelberg habe sich die Sache "gut eingespielt", nachdem das Labor in Heilbronn nicht mehr testen konnte.


Ralf Reichert

Ralf Reichert

Redaktionsleiter Hohenloher Zeitung

Ralf Reichert ist seit Oktober 2006 Redaktionsleiter der Hohenloher Zeitung. Die Region Hohenlohe ist seit jeher seine journalistische Heimat. Er kam vom Haller Tagblatt und stammt aus dem Taubertal. Bei der HZ kümmert er sich vor allem um die Kreisthemen. 

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