Hat die Sparkasse Zinsen falsch berechnet?

Hohenlohe  Ein Kupferzeller fühlt sich um zehntausende Euro betrogen. Jahrelang habe die Bank die sogenannten Sollzinsen auf einem geschäftlichen Girokonto überhöht abgerechnet, behauptet er. Das Geldinstitut indes weist die Vorwürfe zurück: Man habe nicht rechtswidrig gehandelt.

Von Christian Nick
Hat die Sparkasse Zinsen falsch berechnet?
Schwere Vorwürfe gegen die Sparkasse Hohenlohekreis: Gerhard Linke fühlt sich von der Bank geprellt und will bis vors Landgericht ziehen, um seinen vermeintlichen Ansprüchen Geltung zu verschaffen.

Ist er ein realitätsfremder Phantast - oder jemand mit berechtigten Ansprüchen? Vorweg: Die Antwort werden wohl allenfalls Gerichte liefern können.

Fest steht zum aktuellen Zeitpunkt lediglich, dass es schwere Vorwürfe sind, die Gerhard Linke gegen die Verantwortlichen der Sparkasse Hohenlohekreis erhebt: Er fühlt sich seit Jahren betrogen. Eine Anschuldigung, die die Sparkasse in einer Stellungnahme gegenüber der Hohenloher Zeitung als "absolut haltlos" zurückweist.

Doch der Kupferzeller und ein von ihm beauftragter Gutachter - ein auf Zinsprüfung spezialisierter Finanzberater aus Lauffen am Neckar - halten ihre Vorwürfe eisern aufrecht.

Wurde bewusst getrickst?

Es geht um Sollzinsen: Zinsen, die für geliehenes Geld oder für den Betrag, um den ein Konto überzogen wird, gefordert werden. Im konkreten Fall auf dem Girokonto einer aufgelösten Firma, deren Geschäftsführer Linke bis 2016 gewesen war. Er selbst sieht sich als Rechtsnachfolger der Firma sowie des Kontos - und damit als Geschädigter.

Die Sparkasse bestreitet schon das, kann "nicht nachvollziehen, weshalb sich Herr Linke persönlich als Geschädigter der Sparkasse Hohenlohekreis ansieht". Doch genau das tut dieser: "Ich bin zweifelsohne Rechtsnachfolger der Firma. Das abzustreiten, ist eine vorsätzliche Falschbehauptung der Sparkasse."

Warum fühlt er sich überhaupt betrogen? "Kreditinstitute müssen bei variablen Kreditverträgen mit der Anpassung der Sollzinsen in gleichbleibendem Abstand dem sogenannten Euribor-Referenzzins folgen", behauptet Linke. Daran habe sich die Hohenloher Sparkasse jahrelang nicht gehalten und "trotz umfangreicher Rechtssprechung zu dem Thema gesetzwidrig überhöht berechnete Sollzinsen abgerechnet", so Linke weiter.

Sparkasse: Alles verlief absolut rechtens

Hat die Sparkasse Zinsen falsch berechnet?
Das öffentlich-rechtliche Geldinstitut betont, alle vertraglichen Bestimmungen eingehalten zu haben. Fotos: Archiv/Stratenschulte/Nick

Die Position der Sparkasse? "Die vertraglich vereinbarte Zinsanpassungsklausel ist zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses vom Bundesgerichtshof nicht beanstandet worden und wurde damals bundesweit von fast allen Kreditinstituten in vergleichbarer Form verwendet."

Dass sich der Zinssatz während der gesamten Vertragslaufzeit analog zum Euribor-Referenzzins bei gleichbleibender Zinsmarge hätte entwickeln müssen, sei eine "unzutreffende Annahme". Während der Jahre seien mit Linke indes "immer wieder neue Vereinbarungen über die Zinshöhe individuell ausgehandelt" worden.

Offenbar kein Einzelfall

Der von Linke beauftragte Gutachter taxiert den "gerichtsfest" entstandenen Schaden hingegen auf 53.340 Euro - und sagt auf Nachfrage: "Herr Linke ist bei Weitem kein Einzelfall, sondern es handelt sich um ein breit auftretendes Problem."

So scheint es tatsächlich zu sein, denn auch die ARD hat dem Thema vorgeblich falscher Zinsberechnung durch die Sparkassen unlängst eine Dokumentation mit dem Titel "Der rote Riese zockt ab" gewidmet. Auch der Gutachter im Fall Linke, der Dutzende mutmaßlich geprellte Bankkunden im ganzen Bundesgebiet vertritt, ist darin als Sachverständiger zu Wort gekommen.

Da die Sparkasse mit den angeblich widerrechtlich abgerechneten Zinsbeträgen wiederum Geldgeschäfte getätigt habe, belaufe sich seine Gesamtforderung inklusive Gutachterkosten und Tageszinsen insgesamt sogar auf 127.453 Euro, so das Gutachten.

Bank sieht sich in "guter Rechtsposition"

Seit Herbst 2018 befindet sich der Kupferzeller mittlerweile im Streit mit der Sparkasse, die den "Vorwurf der langjährigen massiv überhöhten Zinsberechnung als unbegründet" zurückweist - jedoch nach Aussagen Linkes dennoch zwischenzeitlich einen Vergleichsvorschlag vorgelegt hat.

Warum das, wenn sich die Sparkasse laut eigener Aussage doch in einer "guten Rechtsposition" sieht? "Es stimmt, wir haben dieses Angebot gemacht. Es ging dabei um Kulanz und darum, zusätzlichen Aufwand zu vermeiden", sagt Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Bernd Kaufmann der Hohenloher Zeitung.

Angeblich Geschädigter will alle juristischen Mittel ausschöpfen

Doch Linke wollte dieses Vergleichsangebot - mit einer Summe weit unterhalb seiner Forderung - nicht akzeptieren und hat mittlerweile eine öffentliche Kampagne gestartet: Per Homepage und Facebook postet er seine Sicht der Dinge in die Welt hinaus; selbst sein Auto hat er seinem Kampf gewidmet - und im Juni bei der Kriminalpolizei Strafanzeige wegen des Vorwurfs des Betrugs und der Untreue gegen die Sparkasse Hohenlohekreis erstattet: Denn die Bank habe trotz eines aus seiner Sicht einschlägigen BGH-Urteils aus dem Jahr 2009 "fortgesetzt und vorsätzlich" falsch abgerechnet.

Überdies, so Linke, wolle er nun seine Ansprüche zivilrechtlich beim Landgericht Heilbronn einklagen. "Das ziehe ich durch. Ganz sicher."

Die Sparkasse indessen geht davon aus, dass die behaupteten Ansprüche ohnehin verjährt seien, da Linke seinerzeit "als Geschäftsführer stets sämtliche Saldenabschlüsse beanstandungslos gegenüber der Sparkasse Hohenlohekreis anerkannt" habe. Linke entgegnet: "Die zivilrechtlichen Ansprüche bleiben bestehen." Er betont: "Mein Vertrauen wurde über Jahre massiv missbraucht. Nie hätte ich gedacht, dass die Sparkasse sich rechtswidrig verhält." Die Verantwortlichen des Hohenloher Geldinstituts kündigen unterdessen gegenüber der HZ an, man werde prüfen, wie Linkes Anschuldigungen "in geeigneter Weise entgegenzutreten" sei. Ein Rechtsstreit scheint also offenbar unvermeidlich.

 
 
 

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