Gefasster Würth-Entführer: Frau könnte 30.000 Euro bekommen

Fulda/Künzelsau  Eine Frau erkennt den Anrufer auf Mitschnitt der Polizei wieder, mit dem Erpresser-Anruf fahndeten die Beamten nach dem Entführer des Würth-Sohns. Das bringt ihr möglicherweise eine Menge Geld.

Von Alexander Klug und dpa

In diesem Hochhaus in der Offenbacher Rhönstraße sollen Spezialeinheiten der Polizei den mutmaßlichen Entführer festgenommen haben. Foto: dpa

Weil eine Frau die Stimme des mutmaßlichen Entführers wiedererkannt hat, könnten am Mittwochvormittag in Offenbach die Handschellen geklickt haben. "Aus Langeweile" habe sie in einer Pause die Hotline angerufen, gab sie bei der Polizei zu Protokoll. Unter der Nummer hatten die Ermittler den Ausschnitt eines Anrufs des Entführers veröffentlicht. Darin forderte er drei Millionen Euro Lösegeld für die Freilassung des Sohnes von Reinhold Würth. Die Zeugin meldete sich im Januar bei der Polizei und gab an, die Stimme zu kennen, der Mann habe Handwerkerarbeiten in ihrem Haushalt erledigt.

Ein Anruf, der sich für die Frau lohnen könnte: Wird der Mann für die Entführung des Sohne von Reinhold Würth vor rund zweieinhalb Jahren verurteilt und ihr Hinweis als entscheidend angesehen, gehören 30.000 Euro Belohnung ihr, sagt ein Polizeisprecher auf Nachfrage.

Intensive Überwachung, große Datenmengen

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den 48 Jahre alten Serben aus Offenbach, im Juni 2015 den Milliardärssohn Markus Würth in seine Gewalt gebracht zu haben, er sitzt seit Mittwoch unter dringendem Tatverdacht des erpresserischen Menschenraubes in Untersuchungshaft. "Er wurde seit dem Hinweis intensiv überwacht. Durch Beamte, aber auch Elektronik aller Art von Handy bis E-Mails", führt der Polizeisprecher aus. Ungefähr 60 Millionen Datensätze seien auszuwerten gewesen,

Spezialeinheiten der Polizei nahmen den Mann am Mittwochmorgen daraufhin in seiner Wohnung in Offenbach fest. Er habe praktisch ohne Unterbrechung geredet und die Tat bestritten, sagt der Polizeisprecher. "Zur Entführung hat er aber nichts gesagt." Er soll den Sohn von Reinhold Würth im osthessischen Schlitz entführt und nach einer gescheiterten Lösegeld-Übergabe tags darauf in der Nähe von Würzburg an einen Baum gekettet haben. Das Opfer wurde unversehrt aufgefunden.

Zweiter Erpressungsversuch

Demselben Täter wird ein weiterer Erpressungsversuch zur Last gelegt: Im April 2017 sei per E-Mail erneut Kontakt zur Familie Würth aufgenommen worden, teilen die Ermittler mit. Darin wurden 70 Millionen Euro in Kryptowährung verlangt. Der Erpresser habe gedroht, erneut den Würth-Sohn zu entführen oder ein anderes Mitglied der Familie.

Man habe von der Festnahme des mutmaßlichen Täters erfahren, sagt eine Sprecherin der Würth-Gruppe auf Anfrage. Da es sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren handele, könne man aber zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Angaben machen.

Ermittler konnten Rückschlüsse aus Stimmanalyse ziehen

Die Ermittler nutzten auch die Fernsehsendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“, um Hinweise aus der Öffentlichkeit zu bekommen. Ende April 2017 zeigten sie den spektakulären Kriminalfall im ZDF und präsentierten den TV-Zuschauer auch eine Sprachanalyse.

Nach den damaligen Erkenntnissen sollte der Täter aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen, denn der Mann sprach mit deutlichem Akzent. Den Erkenntnissen nach lernte er Deutsch im Rhein-Main-Gebiet. Die Ermittler glaubten, dass er dort lebte oder arbeitete. Die Analyse ergab ein Alter des Täters zwischen 40 und 52 Jahren. Er soll demnach wahrscheinlich aus dem Raum Sandzak im Grenzgebiet zwischen Serbien und Montenegro stammen.

Das Wort "bitte" führte die Ermittler auf eine Fährte

In diesem Wald bei Kist wurde der Entführte aufgefunden.

Aus der Stimmanalyse zogen die Ermittler weitere Rückschlüsse. Beruflich sei der Mann wahrscheinlich im Umgang mit Menschen geübt. Jobs als Fahrdienstleister für Personen oder als Bote seien ebenso denkbar wie eine Beschäftigung im sozial-karitativen Bereich oder in der Gastronomie. Seine Höflichkeit und die wiederholte Verwendung des Wortes „bitte“ führte die Ermittler auf diese Fährte.

Neben der Stimmanalyse wertete die Polizei seinerzeit Handy-Daten aus. Dadurch entstand ein Bewegungsbild des mutmaßlichen Täters. Nach den Erkenntnissen der Ermittler lud der Kidnapper an verschiedenen Orten sein Handy-Guthaben auf. Er soll dafür im Rhein-Main-Gebiet in verschiedenen Geschäften sogenannte Cash-Codes erworben haben - auch am Tattag in einem Supermarkt in Würzburg-Eisingen. In der Nähe wurde später der entführte Sohn gefunden.

Die Sonderkommission zu dem Fall wurde im September 2015 aufgelöst, die Ermittlungen liefen aber weiter. Der Sohn Würths lebt inzwischen an einem anderen, geheim gehaltenen Ort.

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