Forschungsinstitut soll zum Marktplatz der Innovationen werden

Künzelsau  Die Stiftung Würth investiert 17 Millionen Euro in den Ausbau der Reinhold Würth-Hochschule. Forschungsinstitut und Hörsaalgebäude sollen Mitte September eingeweiht werden.

Von Sarah Arweiler

Reinhold Würth-Hochschule: Forschungsinstitut soll zum Marktplatz der Innovationen werden
Das Vorlesungs- und Hörsaalgebäude bietet Platz, um langfristig das Studienangebot auszubauen und mehr Studenten an der RWH aufzunehmen. Foto: Sarah Arweiler

Wir wollen die Forschung an allen Standorten weiterentwickeln", sagt Professor Raoul Zöllner entschieden. Im Rektorat der Hochschule Heilbronn (HHN) verantwortet er die wichtigen Bereiche Forschung, Transfer und Innovation. Die Entwicklung an der Reinhold Würth-Hochschule (RWH) in Künzelsau dürfte ihn zufrieden stimmen. Zwei nagelneue Gebäude ragen auf dem schmalen Hochschul-Gelände nach oben: Beide, Forschungsinstitut und Hörsaalgebäude, stehen nur wenige Meter voneinander entfernt.

Auch in Heilbronn expandiert die HHN: In wenigen Wochen bezieht das Rektorat sein neues Gebäude auf dem Heilbronner Bildungscampus, wo auch schon die Fakultäten Wirtschaft und Verkehr und International Business angesiedelt sind. Möglich macht das die Dieter Schwarz-Stiftung. Neue Gebäude schaffen Platz für mehr Forschung, mehr Studienangebote und mehr Studenten - in Künzelsau und in Heilbronn.

Wirtschaftsregion braucht dringend einen starken Hochschulstandort

Den Ausbau des Campus Künzelsau lässt sich die Stiftung Würth insgesamt 17 Millionen Euro kosten. Während das Hörsaalgebäude eine Spende der Stiftung ist, wird die RWH für das Institutsgebäude Miete zahlen. Jene hat aus ihren Plänen als Hochschulstandort mit der Fakultät Wirtschaft und Technik in der Kocherregion nie ein Geheimnis gemacht: Man will größer werden und sich mit Fortschritten in Forschung und Entwicklung bundesweit einen Namen machen. Ein Institut in dieser Dimension hat da gefehlt.

Damit trifft die RWH das Kernbedürfnis der mittelständischen Unternehmen in der Region: Sie lechzen nach intensiverer Forschungsarbeit, um in den stets komplexer werdenen Sparten künstliche Intelligenz und Digitalisierung auch in Zukunft auf dem Markt konkurrenzfähig zu bleiben. "Unsere Forschungsleistungen werden an die Bedürfnisse der regionalen Unternehmen angepasst", erklärt Professor Raoul Zöllner. Elektrische Antriebe würden zunehmend intelligenter, wohingegen die Hardware sich kaum noch von der aus Fernost unterscheide. Da gilt es, mit der Entwicklung Schritt zu halten. Zöllner: "Unsere Aufgabe wird sein, Innovationen in die Produkte zu bringen." Würth, EBM-Papst und Ziehl-Abegg werden in den kommenden fünf Jahren jährlich Forschungsaufträge in Höhe von 200 000 Euro an Professoren und Doktoranden vergeben.

Reinhold Würth-Hochschule: Forschungsinstitut soll zum Marktplatz der Innovationen werden
Das Institut könnte das neue Herzstück auf dem Campus-Areal werden. Regionale Unternehmen sollen von der Arbeit der Professoren und Doktoranden profitieren. Foto: Sarah Arweiler

Zusammenarbeiten und Wissen teilen

Raoul Zöllner sieht in dem Forschungsgebäude noch weit mehr: "Das Institut soll ein Marktplatz der Innovationen sein. Hier soll sich Forschung frei von Zwängen der einzelnen Firmen entwickeln." Die Zauberformel: zusammenarbeiten und Wissen teilen. "Aus den unterschiedlichen technischen Bereichen muss ein Basiswissen aufgebaut werden, woraus jede Firma das zieht, was für sie wichtig ist", erläutert Zöllner seine Vision. "Ein Wissenstransfer, der über mehrere Köpfe in die Firmen fließt. Wenn das funktioniert, haben alle gewonnen. Ich denke, dass wir genau das künftig an der RWH leisten können."

Auf Anfrage der HZ teilt man bei der Stiftung Würth diese Ansicht. Durch den Ausbau der RWH werde Studenten, Lehrenden, Mitarbeitern und Unternehmen der Region ein gemeinsamer Raum geboten, um Ideen zu teilen und Innovationen zu entwickeln. Ziel sei, neue Produkte, Dienstleistungen und Start-ups auf den Weg zu bringen. Zudem sollen die Studienplätze am Campus weiter ausgebaut werden: von 1500 auf 2000 Studenten.

Drei unterschiedliche Bereiche je nach Stockwerk

Laut Stiftung Würth läuft die Bauphase an der RWH genau nach Plan: Hörsaalgebäude und Forschungsinstitut werden am 16. September offiziell eingeweiht. Damit betrug die Bauzeit für die hochmodernen Gebäude nur 16 Monate. Das Institut unterteilt sich je nach Stockwerk in drei unterschiedliche Bereiche : Im Erdgeschoss befindet sich der Forschungsbereich der RWH. Im ersten Obergeschoss ist das Digitalisierungszentrum Digital-Hub untergebracht - eine Gesellschaft, die sich als Dienstleister für regionale Firmen zum Thema Digitalisierung versteht. Im zweiten Obergeschoss richtet sich die Forschungsabteilung von Würth-Elektronik ein. sar

 

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