"Fabienne" zeigt ihre Zähne in der Region

Region  Das Sturmtief verursachte gesperrte Straßen, zerstörte Autos und Gebäudeschäden in der Region.

Von Yvonne Tscherwitschke und Christian Nick

"Fabienne" zeigt ihre Zähne in Hohenlohe

Über Bretzfeld tobte Sturmtief "Fabienne" so sehr, dass ein Dach davonflog und sich in Nachbars Garten verteilte.

Foto: Yvonne Tscherwitschke

Die Bäume biegen sich quer. Kastanien und Nüsse prasseln zu Boden, Mülltonnen werden aus Hauseinfahrten gepustet. Ein Dixi-Klo unter einer Reihe Walnussbäumen schwankt, fällt um. Ein mit Eternit-Wellen gedecktes Hüttendach fliegt in Einzelteile zerlegt über eine Hecke und verteilt sich in Nachbars Garten. Die Teilstücke stecken bis zu 15 Zentimeter tief im nassen Erdreich. Plexiglasscheiben zerbersten, fliegen hinterher. Bäume liegen quer über den Straßen. Äste und zerfetzte Blätter bedecken Gras und Wege.

Böen erreichten fast Orkanstärke

Der in Böen fast orkanartige Wind hat am Sonntagabend im Bretzfelder Teilort Weißlensburg innerhalb nur weniger Minuten eine Schneise der Zerstörung hinterlassen, wie eine Bewohnerin anschaulich berichtet. So massiv wie hier wütete Sturmtief "Fabienne" glücklicherweise nicht überall im Hohenlohekreis. Trotzdem sorgte der Sturm, der laut Messwerten der Öhringer Wetterstation Windgeschwindigkeiten über 100 Stundenkilometern erreichte, im ganzen Kreis für Verkehrsbehinderungen und Schäden.

Bäume stürzten auf Autos

Im Bereich Öhringen hatten Feuerwehr und Polizei viel zu tun: An der Neuensteiner "Neufelser Mühle" stürzte Polizeiangaben zufolge gegen 19 Uhr ein Baum auf abgestellte Autos und beschädigte dabei auch einen Pavillon. Auch im Niedernhaller Bachäcker fiel ein Baum auf einen geparkten Wagen und begrub diesen unter sich. Bei beiden Vorfällen gab es keine Verletzten. Auf der Friedrichsruher Straße in Öhringen landete ein Baum auf der Fahrbahn. Außerdem war zur gleichen Zeit die Obersteinbacher Straße am Ortsausgang von Michelbach ebenfalls blockiert. Die Straßen konnten jedoch nach den Bergungsarbeiten bereits in den Abendstunden wieder freigegeben werden. Sturmbedingte Verkehrsbehinderungen bestehen im ganzen Kreis mittlerweile nicht mehr.

Wassereinbruch im Kindergarten drohte

Auch im Zuständigkeitsbereich des Polizeireviers Künzelsau herrschten Verkehrsbehinderungen aufgrund entwurzelter Bäume und Holzbruch: Auf der Landesstraße 1045, zwischen Ingelfingen und Künzelsau, stürzte ebenfalls ein entwurzelter Baum auf die Fahrbahn, genau wie auf der Strecke von Nitzenhausen in Richtung Mäusdorf, zwischen Hesselbronn und Goggenbach sowie auf der B19 im Bereich der Kupfersenke. Im Stadtbereich Künzelsau machten sich durch die Windböen zahlreiche Gegenstände selbstständig. Auch hier wurden Mülleimer, Blumenkübel und Dixi-Klos durch die Luft gewirbelt.

An mehreren Ampelanlagen tobte sich das Sturmtief ebenfalls aus: Auf der B19 im Bereich der Anschlussstelle Kupferzell fiel die dortige Ampel aus - und an der Belzhager Kreuzung drohte die Anlage durch den Wind gar umzukippen. Zahlreiche Einsatzkräfte konnten ebendies aber abwenden. Im Künzelsauer Teilort Morsbach drohte einem dortigen Kindergarten durch den massiven Starkregen anderes Ungemach: Nachdem ein Gulli im Nahbereich übergelaufen war, drohte das Wasser in die Räume der Betreuungseinrichtung hineinzulaufen. Auch hier verhinderte die Feuerwehr letztlich Schlimmeres.

Mehr als 200 Notrufe

Auch im Stadt- und Landkreis Heilbronn hatten die Feuerwehren viele Einsätze zu bewältigen. Im Lagezentrum der Heilbronner Polizei gingen bis Sonntagabend insgesamt über 200 Notrufe ein, zu 124 Einsätzen rückten die Rettungskräfte aus. „Ein Schwerpunktgebiet gab es nicht, die Einsätze waren gleichmäßig verteilt“, teilte Kreisbrandmeister Uwe Vogel gegenüber Stimme.de mit. 

Mindestens zwölf Autos wurden durch umgestürzte Bäume oder herabfallende Äste beschädigt. Auf der Kreisstraße 2155 zwischen Talheim und Untergruppenbach stürzte ein Baum auf einen fahrenden Pkw. Der Fahrer wurde dabei leicht verletzt. Zusätzlich kam es zu zwei Unfällen mit zwei Leichtverletzten und vier Unfällen mit Sachschäden. Den Schaden schätzt die Polizei  auf etwa 29.500 Euro.

Windböen wehen vier Container in den Neckar

Durch die starken Windböen wurde vier jeweils rund 3,5 Tonnen schwere Container in den Altneckar geweht. Die leeren Container standen im Containerterminal Heilbronn in Ufernähe in zweiter Lage. Durch den Wind wurden sie im Altneckar rund 400 Meter entgegen der Strömung getrieben.

Zwei der Container konnten noch schwimmend durch ein Arbeitsboot des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes geborgen und zurück zum Containerterminal geschleppt werden. Dort wurden sie mit einem Greifstapler aus dem Wasser gehoben. Die weiteren zwei Container trieben auf Höhe des Buga-Areals an das Ufer und wurden gegen weiteres Abtreiben gesichert.


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