Ex-Dekan der Reinhold-Würth-Hochschule klagt gegen seine Abwahl

Künzelsau  Ein Informant behauptet, Ex-Dekan Thomas Bezold habe eine Fakultätsratssitzung verhindern wollen. Dessen Anwalt bekräftigt, Bezolds Abwahl sei rechtswidrig. Würde sich der Fakultätsrat bei einer erneuten Wahl doch wieder für Bezold aussprechen?

Von Sarah Arweiler

Insider kritisiert Bezold, sein Anwalt kontert

Thomas Bezold bei der Feier zu 30 Jahren Campus Künzelsau vergangenen November im Carmen-Würth-Forum. Mittlerweile steht ihm mit der Hochschule Heilbronn ein Rechtsstreit bevor.

Foto: Archiv/Seidel

Warum musste Professor Thomas Bezold vorzeitig als Dekan der Reinhold-Würth-Hochschule (RWH) Künzelsau seinen Posten räumen? Während die Hochschule Heilbronn (HHN) weiter eisern schweigt und Pressesprecher Torsten Robert lieber auf "viele tolle und strahlende Projekte" verweist, meldet sich nun ein Insider zu Wort. Er möchte anonym bleiben. Der Informant kennt die Hochschule wie seine Westentasche und ist seit vielen Jahren bestens vernetzt. Auf Anfrage unserer Redaktion weist Bezolds Anwalt Arno Stengel dessen Vorwürfe zurück.

"Bezold ist über seine Abwahl zutiefst verletzt und klammert sich an die Macht", meint der Informant. Anders kann er sich Bezolds Klage gegen seine Abwahl nicht erklären. Professoren, Mitarbeiter und Studenten der RWH sollen schon lange mit seiner Amtsführung unzufrieden gewesen sein, glaubt er zu wissen. Der Insider behauptet: "Man hat ihm im Vorfeld nahegelegt, bei den nächsten Wahlen im September nicht mehr als Dekan zu kandidieren. Das wäre eine saubere Lösung gewesen und niemand wäre beschädigt worden."

Bezold soll versucht haben, die Demokratie auszuhebeln

Doch Bezold soll das abgelehnt haben, meint er. Daraufhin habe man den Abwahlantrag auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung gesetzt - woraufhin sich Bezold geweigert haben soll, diese Sitzung zuzulassen. "Bezold hat versucht, die Demokratie auszuhebeln", so das scharfe Urteil des Informanten. Am Ende hätten die stellvertretenden Dekane die Sitzung einberufen. Am Sitzungstag soll Thomas Bezold versucht haben, die Mitglieder von der Sitzung abzuhalten, behauptet der Insider. "Er stand im Eingangsbereich und hat sie darauf hingewiesen, dass die Sitzung unrechtmäßig ist und nicht stattfinden darf", will der Insider wissen. Um so "absurder" findet er, dass Bezold selbst an der Abstimmung zu seiner Abwahl teilgenommen habe.

Von den 18 anwesenden Mitgliedern des Fakultätsrats haben 16 der Abwahl zugestimmt, es gab eine Enthaltung und eine Gegenstimme - der Informant will darin den Beleg für den gravierenden Vertrauensverlust gegen Bezold als Dekan sehen. Aus diesem Grund bezeichnet er die Klage gegen seine Abwahl als "völlig sinnlos", wie er sagt. "Welches Ziel verfolgt er damit?" Bezold könne maximal erreichen, dass die Wahl wiederholt werde. "Die Abstimmung hat gezeigt, dass Bezold keinen Rückhalt mehr hat. Sie wollten ihn fast einstimmig loswerden. Bei einer erneuten Wahl kann doch nichts anderes herauskommen."

Bezolds Anwalt reagiert auf die Vorwürfe

Mit den Vorwürfen des anonymen Insiders konfrontiert, stellt Arno Stengel, Anwalt des Ex-Dekans, klar: "Die Sitzung des Fakultätsrats Ende März hätte nicht stattfinden dürfen." Die Rechtslage sei in diesem Punkt eindeutig. Der Grund: Die Sitzung sei nicht vom zuständigen Organ, dem amtierenden Dekan, einberufen worden. "Die Stellvertreter sind juristisch nicht dazu berechtigt", sagt der Anwalt entschieden. Stengel betont: Es sei Bezold vorab nie gesagt worden, "weshalb er abberufen werden soll". Stengel behauptet, die Mitglieder des Fakultätsrats wollten dessen Abwahl "unbedingt durchbringen". "Warum musste das sonst so durchgepeitscht werden?"

Bezold habe dennoch an der Sitzung teilgenommen, um sich den Vorwürfen gegen sich zu stellen. Doch dazu sei es nicht gekommen. Stengel: "Im Gremium ist kein einziges Wort darüber gefallen, aus welchen Gründen Bezold abgewählt werden sollte." Der Jurist ist sich sicher: "Die Abwahl war ein höchst undemokratisches Verfahren, das formal rechtswidrig ist."

Auf die Frage, warum Thomas Bezold nicht freiwillig auf eine erneute Kandidatur verzichten wolle, sagt Stengel nüchtern: "Warum hätte er das machen sollen? Darauf hat niemand einen Anspruch." Mit der Klage habe sein Mandant in erster Linie seine Reputation im Blick, sagt der Anwalt. Doch selbst wenn Bezold vor Gericht Recht bekäme - was erhofft er sich von einer erneuten Abstimmung? Stengel: "Ende September wird ein neuer Fakultätsrat gewählt. Niemand kann heute sagen, wie das neue Gremium dann stimmen wird."

Warum dieser Vorfall ungewöhnlich ist

Die Klage von Professor Thomas Bezold gegen seine Abwahl als Dekan ist beim Verwaltungsgericht Stuttgart registriert, bestätigt Pressesprecherin Ulrike Zeitler. Dieser Vorfall ist ungewöhnlich: An keinem der vier Verwaltungsgerichte in Baden-Württemberg ist eine veröffentlichte Entscheidung zu ähnlichen Fällen bekannt, auch nicht am Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim. Um einen Dekan vorzeitig seines Amtes zu entheben, braucht es eine Zwei-Drittel-Mehrheit des Fakultätsrats, eine einfache Mehrheit genügt nicht.

 


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