Entwicklungskonzept des Hohenlohekreises ist fertig

Hohenlohe  Das Strategiepapier hat die nächsten zehn bis 15 Jahre m Blick und soll den Hohenlohekreis fit für die Zukunft machen. Am 20. Mai soll es der Kreistag beschließen. Erste Projekte: Leerstandskataster und Klimaschutzmanager, Mobilitätsnetzwerk und Straßenkonferenz.

Von Ralf Reichert

Entwicklungskonzept des Hohenlohekreises ist fertig

Weitblick ist gefragt, um den Hohenlohekreis fit für die Zukunft zu machen. Seit Herbst 2016 war ein Entwicklungs-und Strategiekonzept in Arbeit, das dieses Ziel vor Augen hat. Jetzt ist es fertig, der Kreistag soll es am 20. Mai beschließen.

Foto: privat

Eines will Landrat Dr. Matthias Neth auf jeden Fall vermeiden: Dass dieses Papier irgendwann in der Schublade verschwindet. Dazu war der Aufwand viel zu hoch, und die Beteiligung der Bürger viel zu breit. Das Entwicklungs- und Strategiekonzept des Hohenlohekreises ist jetzt fertig, der Kreistag soll es am 20. Mai endgültig beschließen.

Es ist ein Leitfaden für die nächsten zehn bis 15 Jahre. Ein Kompass, der Orientierung gibt. Und ein Themenkatalog, aus dem immer wieder konkrete Maßnahmen abgeleitet und umgesetzt werden sollen. Entweder vom Kreis selbst, sofern es in seiner Macht steht. Oder von anderen Akteuren.

Mittler und Motivator

"Der Landkreis ist nicht allzuständig", macht Neth klar. "Öffentlicher Nahverkehr, Krankenhaus oder Berufliche Schulen: Das liegt bei uns." In vielen anderen Bereichen haben die Gemeinden, das Land oder die Wirtschaft den Hut auf. "Hier können wir aber als Mittler, Motivator und Netzwerkbilder in Erscheinung treten."

Das oberste Ziel ist, den Hohenlohekreis fit für die Herausforderungen der Zukunft zu machen. Es geht darum, neue Einwohner anzulocken und junge Menschen hier zu halten; das Dorfleben zu bewahren und die Nahversorgung zu stützen; Mobilität zu sichern und Bildung zu fördern; gutes Wohnen zu ermöglichen und die Landschaft zu schützen; die Gemeinschaft zu stärken und die Identität zu schärfen. Das liest sich erstmal ganz rund, doch solch hehren Worten müssen Taten folgen.

Dynamische Netzwerke

Genau daran will sich der Landrat messen lassen. Aber auch daran, klar zu sagen, was funktioniert und was nicht. Wer für was zuständig ist. Und was sich der Kreis leisten kann. "Wir sind mit unseren Fragestellungen in der Bevölkerung und in den Arbeitsgruppen auf große Resonanz gestoßen. Insofern war der Prozess an sich schon ein Erfolg." Der Weg solle aber keinesfalls nur das Ziel sein. In jedem der acht zentralen Handlungsfelder seien dynamische Netzwerke entstanden, "was wir so nicht erwartet haben". Das Ehrenamt spiele dabei eine entscheidende Rolle. "Dieses Miteinander stellt für alle einen expliziten Mehrwert dar, den wir auf Dauer nutzen wollen."

Drei konkrete Projekte

Wenn der Kreistag das Konzept in einer Woche beschließe, würden bereits drei Vorhaben zeitnah umgesetzt. Erstens: "Im zweiten Halbjahr 2019 wollen wir die Erstellung eines kreisweiten Leerstandskatasters in Angriff nehmen, das für interessierte Gemeinden als echtes Handlungswerkzeug sehr greifbar ist." Zweitens: "Wir werden im Kreistag in der ersten Sitzungsrunde nach der Sommerpause das Thema Klimaschutzmanager wieder auf die Tagesordnung bringen. Denn Klimaschutz muss zuvorderst lokal vor Ort gemacht werden." Drittens: "Wir wollen im zweiten Halbjahr 2019 die Anbieter von individuellen Mobilitätskonzepten wie Car-sharing oder Mitfahrsystemen im Kreis an einen Tisch bringen, um zu prüfen, wie die Angebote weiter ausgebaut und stärker vernetzt werden können. Und wir werden 2020 das Format der lokalen Straßenkonferenzen wieder aufleben lassen."

Türöffner für Förderprogramme

Generell gelte: Das Entwicklungskonzept sei mit seiner klaren inhaltlichen Ausrichtung und breiten Bürgerbeteiligung ein Türöffner für Förderprogramme aller Art. Antragsteller könnten sich auf ein starkes Fundament stützen. Jetzt gehe es darum, passende Projekte offensiv in die Waagschale zu werfen.

 


So wurde das Entwicklungs- und Strategiekonzept erarbeitet

Das Entwicklungs- und Strategiekonzept hat die nächsten zehn bis 15 Jahre im Blick und wurde seit Herbst 2016 auf breiter Basis erarbeitet. 60 Leitziele wurden in ein Leitbild gegossen. Die Top-Themen sind Mobilität und Daseinsvorsorge, Wohnen und Landschaft, Gemeinschaft und Bildung, Wirtschaft und Kreisidentität. Sechs Arbeitsgruppen haben sich diesen Punkten gewidmet, eine Steuerungsgruppe unter Vorsitz des Landrats hielt die Fäden in der Hand.

Auch die Bürger sollten mitreden können. Von September bis Dezember 2017 hatten dies 78 ausgewählte Frauen und Männer in fünf Runden getan. Bei einem Bürgerforum in Niedernhall ging es darum, den bisherigen Prozess zu bewerten und mit zusätzlichen Impulsen zu ergänzen.

Mobilität, Verkehr, Erreichbarkeit: Diese Themen waren den Bürgerrunden am wichtigsten. Verkehr und ÖPNV stehen auch bei den kommunalen Mandatsträgern ganz oben, die online befragt wurden. Ein Forum mit allen Beteiligten schloss den Prozess im Oktober 2018 an. 


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