Ein Wassermuffel macht sich im Niedernhaller Solebad nass

Niedernhall  Zum Abschluss der HZ-Serie "16 Tipps aus 16 Orten" geht es nach Niedernhall. Dort wagt sich unsere Redakteurin und selbst ernannter Wassermuffel zum ersten Mal ins Solebad.

Tamara Ludwig im Solebad
Im 34 Grad warmen Becken und der hellen Fensterfront ins Grüne entspannt es sich - auch für den Bademuffel - fast von alleine. Foto: privat

Es dauert nur wenige Sekunden, da kriecht es durch die Nase in den Rachen, prickelt, legt sich zunächst dezent auf die Zunge, wird zunehmend intensiver, breitet sich auf den Gaumen aus: Salz. Salz liegt hier im Niedernhaller Solebad wahrhaftig in der Luft - aber nicht nur da. "Das Wasser in den drei Becken hat einen Solegehalt von 2,5 Prozent", erklärt Bademeister Gerold Schenk.

Erst ab 1,5 Prozent Salzgehalt darf sich ein Bad überhaupt Solebad nennen. Mit seinen 2,5 liegt Niedernhall nur etwa 0,5 Prozent unter der Nordsee - nicht schlecht. Und in einem Punkt schlägt das Gesundheitsbad unweit des Kochers das Meer hoch oben in Norddeutschland deutlich: Es ist kuschelig warm.

"Wir haben 32, 34 und 36 Grad Wassertemperatur in den Becken", sagt Schenk. Da das Wetter draußen just an diesem Tag auf Herbst umgeschaltet hat, klingt das schon verlockend.

Zeit mitbringen und Ruhe gönnen

Und was rät der Fachmann nun dem Solebad-Neuling von der Hohenloher Zeitung? Muss ich etwas beachten, bevor ich mich in die salzigen Fluten stürze? "Zeit mitbringen", so die prompte Antwort. Schließlich gebe es mit der Eintrittskarte keine zeitliche Begrenzung. "Einfach erholen, entspannen und die Ruhe genießen", rät der Experte. Ruhepausen außerhalb des Wasser seien aber ärztlich empfohlen, um den Kreislauf zu schonen.

Das hört sich machbar an. Also los. Umkleide, Dusche und rein ins Becken Nummer eins. Sofort umarmt mich das warme Wasser, kein Vorfühlen mit den Zehenspitzen, kein langsames Vorantasten ist nötig. Schwimmen ist möglich, laufen auch, das Becken ist nur etwa 1,30 tief und somit für Nichtschwimmer geeignet.

Schließt man die Augen, wähnt man sich alleine

Ich entscheide mich für zwei, drei kräftige Schwimmzüge, lasse mich gleiten. Ein wenig fühle ich mich wie in einer Badewanne - einer sehr großen Badewanne. Die muss ich zwar teilen, aber die wenigen Menschen, die an diesem Abend Entspannung im Solebad suchen, stören einander nicht.

Im Gegenteil, schließt man die Augen, wähnt man sich alleine, so still ist es. Anders als für gewöhnlich in Hallenbädern, muss ich weder sportlich ambitionierten Bahnenschwimmern ausweichen, noch planschen fröhlich kreischende Kinder um mich herum.

Dann ist es soweit, der Körper schaltet in den Entspannungsmodus. Der Blick aus der großen Fensterfront führt ins Grüne, während sich die Abendsonne mit letzter Kraft zwischen den Wolken hindurch zwängt und alles in schummrig-schönes Lila taucht.

Ein Wassermuffel macht sich nass

Das Außenbecken des Bades ist mit seinen 32 Grad das kühlste der drei Pools. Doch gerade wenn es draußen etwas kühler ist, fühlt sich das Wasser kuschelig warm an.

Der Abendsonne entgegen

Zeit, das Becken zu wechseln. Raus ins Freie, den letzten Sonnenstrahlen entgegen. Sofort spüre ich die zwei Grad, die das Wasser hier kühler ist, angenehm, und immer noch schön warm. "Hier haben wir ein Sprudelbecken", erklärt mir Gerold Schenk und drückt schon auf den Knopf.

So sitze ich nun am Rand des Beckens von Sprudeldüsen umgeben wie in einem Whirlpool und genieße das gleichmäßige Blubbern des Wassers, genieße die frische Luft, die mir um die Nase weht. Und tatsächlich fange ich mit der Zeit an zu frösteln. Wie ist das möglich, bei 32 Grad?

Ein Wassermuffel macht sich nass

Bademeister Gerold Schenk schließt die roten Schirme auf der Terrasse. Die werden an diesem Abend nicht mehr gebraucht.

Fotos: Tamara Ludwig

Düsen gegen Verspannungen

Zurück im Innern wage ich mich in das kleine, 36 Grad warme Becken. Oh ja, das ist warm. "Nicht bewegen, sonst schwitzt man", scherzt Schenk. Lange hält man es hier jedoch nicht aus, die Temperatur scheint deutlich zu nah an der Körpertemperatur zu liegen, um auf Dauer angenehm zu sein.

Also lieber noch mal ins große Becken. Verschieden hohe Düsen säumen den Beckenrand und massieren die verspannten Rückenmuskeln. Wunderbar. Dann auf einmal spüre ich es: Es ist genug. Ich wate langsam aus dem Wasser, schnappe mir mein Handtuch und mache mich auf den Weg in Richtung Dusche.

Und wie war nun die Solebad-Erfahrung des selbsternannten Wassermuffels? Zugegeben: gar nicht so schlecht. Warum? Weil eingetreten ist, was Schwimmmeister Schenk mir vorab prophezeit hat: "Egal wie die Leute reinkommen, 99 Prozent gehen entspannt raus." Ich bin wohl keine Ausnahme.


Gesundheitsbad

Das Baden im warmen Salzwasser soll unter anderem bei rheumatischen Erkrankungen wie auch bei Hautkrankheiten zur Heilung oder Linderung von Beschwerden beitragen. Den salzhaltigen Dämpfen der Sole sagt man zudem eine wohltuende Wirkung auf die Atemwege, etwa bei Erkältungskrankheiten, nach. Da das warme Solebad den Kreislauf belastet, sollte die Badezeit maximal zwanzig bis dreißig Minuten betragen.

Das Solebad Niedernhall hat täglich geöffnet, montags von 13 bis 21 Uhr, dienstags bis freitags von 9 bis 21 Uhr, samstags, sonn- und feiertags von 9 bis 19 Uhr.

 

Tamara Ludwig

Tamara Ludwig

Autorin

Tamara Ludwig ist seit 2014 Redakteurin der Hohenloher Zeitung. Dabei hat sie vor allem die Ereignisse und Kommunen im Altkreis Künzelsau im Blick. 

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