Drohne gefährdet Autofahrer auf der A6

Öhringen  Mitten auf der Fahrbahn der A6 bei Öhringen landet eine Drohne. Zu einem Unfall kam es glücklicherweise nicht. Nun sucht die Polizei nach dem Piloten, denn dieser verstieß gegen mehrere Regeln des Verkehrsministeriums zum Drohnenflug.

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Drohne
Foto: Mario Berger

Ein außergewöhnlicher Vorgang: Eine Drohne hat am vergangenen Mittwochnachmittag auf der A6 bei Öhringen in Fahrtrichtung Nürnberg den Verkehr behindert. Das Fluggerät landet nach Angaben der Polizei in der Nähe des Parkplatzes Weinsbach mitten auf der Fahrbahn. Zu einem Unfall kommt es nicht. Autos bremsen stark ab, um der Drohne auszuweichen. Nun sucht die Polizei den Piloten. Sie hofft auf Zeugenhinweise.

Es ist ein außergewöhnlicher Vorgang. "Mir ist so etwas noch nicht vorgekommen", sagt Polizeisprecher Frank Belz vom Präsidium Heilbronn. Der Fall sei sicher nicht alltäglich, sondern "ein Einzelfall". Nach der Drohnenlandung auf der Autobahn gegen 16 Uhr gelingt es nicht allen Autofahrern, den Kopter zu umfahren. Einer fährt drüber, die Drohne wird zerstört.

Die Polizei sucht den verantwortlichen Drohnen-Piloten

An dem Fahrzeug sei kein Schaden entstanden, heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei. Beamte bergen die kaputten Teile auf dem linken Fahrstreifen. Es handelt sich laut Belz um eine Drohne mit Kamera ohne Speicherkarte, die eine Live-Übertragung beispielsweise auf ein Mobiltelefon ermöglicht. Wer für den Flug des Hightech-Geräts verantwortlich ist, weiß die Polizei nicht. Mit einer Namensplakette ist das Gerät nicht versehen.

Die Kennzeichnung sieht das Bundesverkehrsministerium bei bestimmten Drohnen vor. Nachdem sich die kleinen unbemannten Fluggeräte seit einigen Jahren einer zunehmenden Beliebtheit erfreuen, gelten seit 2017 Regeln für den Betrieb. Eine davon: Alle Drohnen, die mehr als 250 Gramm wiegen, müssen ein kleines Schild tragen, auf dem Name und Adresse des Eigentümers stehen. Die üblichen Modelle wiegen zwischen ein und zwei Kilogramm. Mehr Gewicht bringen die Geräte auf die Waage, die für professionelle Zwecke eingesetzt werden. Frank Belz zufolge handelt es sich bei der Drohne auf der Autobahn um ein "Billigmodell".

Wo Drohnen nicht fliegen - und auch gar nicht erst starten dürfen

Das Fehlen der Kennzeichnung stellt möglicherweise einen Verstoß dar. Eines ist auf jeden Fall verboten: Eine Drohne darf nie über sensible Bereiche fliegen. Dazu gehören Kernkraftwerke, Krankenhäuser, Einsatzorte von Polizei und Rettungskräften, Gefängnisse und eben auch Bundesstraßen. Die neueren Modelle des Weltmarktführers DJI verfügen über integrierte GPS-basierte Flugverbotszonen. Das heißt konkret: In der Nähe einer Autobahn beispielsweise lassen sich die Geräte erst gar nicht starten.

Das umfangreiche Regelwerk zu Drohnen ist offenbar vielen Besitzern nicht bekannt. Zu dieser Einschätzung kommt Boris Pfetzing, Pressesprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS). "Die Menschen kaufen sich eine Drohne mit Kamera und wollen spektakuläre Aufnahmen machen", sagt er. "Die meisten sind sich der Konsequenzen aber nicht bewusst." Die DFS hat es immer wieder mit Fällen zu tun, bei denen der Flugverkehr erheblich gestört wird, weil die Geräte in der Nähe von Flughäfen durch die Luft schwirren. Sie drohen mit startenden oder landenden Flugzeugen zusammenzustoßen. Ein Sicherheitsrisiko. So wird beispielsweise im vergangenen Mai der Betrieb am Frankfurter Flughafen für etwa eine Dreiviertel Stunde eingestellt. Es ist nicht das erste und einzige Mal.

Der aktuelle Fall wirft Fragen auf

Die Drohne auf der A6 bei Öhringen wirft Fragen auf. Hat der Besitzer das Flugmodell absichtlich auf den Fahrstreifen platziert, wo es mit hoher Wahrscheinlichkeit zerstört wird? Die am häufigsten verkauften Modelle des Weltmarktführers kosten etwa 1000 Euro. Die meisten Modelle sind mit einem Notlande-Mechanismus ausgestattet. Bricht die Funkverbindung ab oder neigt sich die Akku-Leistung dem Ende, kehren sie selbstständig zum Startpunkt zurück.


Drohnen behindern mehr und mehr Luftverkehr

14 Vorfälle mit Drohnen registriert die Deutsche Flugsicherung (DFS) im Jahr 2015. Drei Jahre später kommt es bereits 158 Mal vor, dass der Flugverkehr wegen einer Drohne zumindest eingeschränkt, wenn nicht sogar ganz lahmgelegt wird. 2019 sind es Stand August 92 Behinderungen. DFS-Sprecher Boris Pfetzing vermutet, dass überwiegend Unbedarftheit und Leichtsinn dahinter stecken.

Den Drohnenbesitzern drohen je nach Einschätzung der Gefahrenlage harte Konsequenzen, so Pfetzing. Im schlimmsten Fall gibt es eine Anklage wegen des Eingriffs in den Flugverkehr und dazu Schadenersatzforderungen der Airlines. Die Täter zu erwischen, sei schwer. Sobald der Flugverkehr eingestellt ist und sich Sicherheitskräfte zeigen, machen sich die Übeltäter aus dem Staub.

 


Heike Kinkopf

Heike Kinkopf

Reporterin

Heike Kinkopf ist Redakteurin im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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