Drei Frauen, die in technischen Berufen Fuß gefasst haben

Weißbach/Ingelfingen  In technischen Berufen sind Frauen noch immer unterrepräsentiert. Gabriele Brenner, Nora Jakob und Julia Joswig arbeiten bei Continental und Bürkert und berichten über ihre Motivation und die Arbeit in männerdominierten Sparten.

Von Sandra Andrés

Bei Continental und Bürkert: Drei Frauen haben in technischen Berufen Fuß gefasst

Julia Joswig am digitalen Mikroskop im Methodenraum von Bürkert Fluid Control Systems, wo sie nach möglichen Fehlern sucht, die es zu verbessern gilt. Fotos: Sandra Andrés

 

Im Treppenaufgang zum Besprechungsraum bei Continental in Weißbach riecht es nach selbstklebenden Designfolien. Gabriele Brenner und Nora Jakob arbeiten hier in der Entwicklung. Sie gehören zu den 16 Prozent Frauen, die in Baden-Württemberg in Berufen tätig sind, die mit Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik zu tun haben: kurz MINT.

Jakobs Interesse für handwerkliche Tätigkeiten hat ihr Opa geweckt, mit dem sie schon als Kind Holzlokomotiven baute. Ihre Mittlere Reife machte sie mit dem Schwerpunkt Metalltechnik, es folgte die Ausbildung zur Verfahrensmechanikerin. Nach einigen Praktika schnupperte sie bei Continental - damals noch Hornschuch - in die Entwicklung. "Das war dann mein Ziel und Wunsch", sagt die 25-Jährige. So kam sie in Brenners Team.

Spannendes Angebot

"Als ich auf Jobsuche war, war die Situation für Chemiker nicht so toll", sagt die Vorgesetzte. "Bei Hornschuch gab es ein spannendes Angebot". Seit 17 Jahren ist die Hallerin dabei, aktuell als Managerin für den Bereich Kunstleder Interior. Da ist sie kein Einzelfall: Drei Viertel der Führungskräfte sind weiblich in der Entwicklung, insgesamt arbeiten 20 Prozent Frauen in den MINT-Bereichen, in der Entwicklung sogar mehr als die Hälfte. Eine 50-prozentige Frauenquote hält Brenner für unwahrscheinlich. "Es wird auch nie 50 Prozent Grundschullehrer geben." Das sei auch nicht schlimm. "Schlimm wäre, wenn jede Frau, die Mechanikerin werden will, daran gehindert wird." Ihre Leidenschaft für die Chemie hat ein sehr guter Lehrer im Gymnasium geweckt.

Eine gute naturwissenschaftliche Ausbildung wies auch Julia Joswig den Weg, die in Kupferzell wohnt: "Ich hatte Lehrer, die das mit Begeisterung rüberbrachten." Seit November 2017 arbeitet sie in der Produktentwicklung bei Bürkert Fluid Control Systems. Nach ihrem Bachelorstudium in Maschinenbau und Masterstudium in Chemie- und Bioingenieurwesen ist die gebürtige Norddeutsche durch eine Exkursion ihrer Uni auf die Ingelfinger Firma gestoßen, wo sie freundlich aufgenommen wurde. Am meisten gefällt ihr die Abwechslung. "Ich habe keinen reinen Schreibtischjob. Ich bin auch im Labor tätig, wo Produkte getestet und eventuelle Fehler erkannt werden. Das verarbeite ich dann wieder am Schreibtisch."

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Vater war erst skeptisch

Bei Continental und Bürkert: Drei Frauen haben in technischen Berufen Fuß gefasst

Nora Jakob (links) und ihre Vorgesetzte Dr. Gabriele Brenner bei Continental.

 

Die Arbeit in einer männerdominierten Berufssparte halten Joswig und Brenner für keine große Herausforderung. "Die fachlichen Anforderungen sind in allen Bereichen klar definiert. Es wird die gleiche Leistung von allen erwartet", so Joswig. Brenner sagt: "Ich glaube, kein Berufszweig oder Unternehmen kann sich leisten, es den Frauen schwerer zu machen. Man muss kompetent sein, Männer wie Frauen."

Jakobs Vater war erst skeptisch: "Er meinte: "Oh Gott, das Mädle in der Männerdomäne". Als ich erklärt habe, was wir in der Ausbildung machen, hat sich das schnell gelegt." Damals hieß es mitunter schon: ",Als Frau kannst das eh net" oder wenn etwas schief geht: ,Die Frau halt wieder". Aber wenn es denen passiert, sagt man das gleiche. Man muss Spaß verstehen und auch mal darüberstehen. Als Angriff habe ich das nie empfunden. In der Produktion muss man als Frau manchmal seinen Mann stehen, auch heute noch", erzählt Jakob.

Brenners Studium liegt 25 Jahre zurück. "Damals waren Chemiestudentinnen nicht Standard. Einem Professor mit 60 war nicht klar, warum da plötzlich eine Frau vor ihm stand", sagt die 46-Jährige. "Ich glaube, das hat sich heute geändert. Es gibt es viel mehr Möglichkeiten. Das führt dazu, dass Frauen nicht mehr die klassischen Berufe ergreifen". Das findet auch Joswig: "Immer mehr weibliche Mitarbeiter werden sich der MINT-Berufe bewusst. Es gibt auch spezielle Aktionen, die Studienanfängerinnen ermutigen, in anderen Bereichen Erfahrungen zu sammeln".

Zeigen, wie spannend Technik ist

"Aber warum gezielte Programme für Frauen?", fragt Brenner. "Man sollte insgesamt zeigen, was an Technik spannend ist, nicht nach Geschlechtern differenzieren." Jakob sieht das genauso: "Ich habe auch noch nie eine Veranstaltung für Männer als Erzieher gesehen." Für Joswig sind Aktionen wie der Girls" Days durchaus sinnvoll: "Bei jungen Frauen muss das Interesse ein bisschen geweckt werden. Da sollen sie ruhig in Unternehmen reinschnuppern."