Drastischer Personalabbau bei Scheuerle und Kamag

Pfedelbach  Wegen Auftragsflaute aus der Ölbranche: Schwertransporterbauer TII will 200 von 750 Stellen in Deutschland streichen. Wie stark die Beschäftigten in Pfedelbach vom Abbau betroffen sind, ist noch unklar.

Von Manfred Stockburger
Email
Foto: Scheuerle

Mit schlechten Nachrichten sind die rund 500 Mitarbeiter von Scheuerle in Pfedelbach in das Brückentags-Wochenende gegangen: Ihnen und den 250 Kollegen der Schwesterfirma Kamag in Ulm, die zusammen das Herzsstück der Schwertransporter-Unternehmensgruppe TII des Heilbronner Unternehmers Otto Rettenmaier bilden, steht ein dramatischer Personalabbau bevor. 200 Arbeitsplätze sollen bis ins nächste Frühjahr wegfallen, plant die Firma. Der Standort in Indien mit ebenfalls rund 250 Mitarbeitern soll verschont bleiben.

Problem für das Unternehmen: der niedrige Ölpreis

Noch seien die beiden Werke gut ausgelastet, aber der niedrige Ölpreis wirke sich jetzt aus, heißt es beim Unternehmen: Ein Hauptmarkt für die selbstfahrenden und modularen Transporter (SPMT) ist die Öl- und Gasindustrie. Wegen der niedrigen Ölpreise gibt es derzeit weniger Großprojekte, für die neue SPMT gebraucht würden.

Dass sich die Flaute auf dem Ölmarkt erst jetzt auswirkt, erklärt ein Scheuerle-Sprecher mit den langen Laufzeiten der Aufträge. In der Stahlindustrie, die ebenfalls Scheuerle- und Kamag-Fahrzeuge einsetzt, gibt es ähnliche Probleme. Weil bei der Auftragslage keine Trendwende in Sicht sei, müsse man nun die Kostenstrukturen anpassen, ließ Geschäftsführerin Susanne Rettenmaier verlauten.

Gespräche mit dem Betriebsrat

Welche Stellen wegfallen sollen, steht noch nicht fest - die Gespräche mit dem Betriebsrat haben erst begonnen. Außerdem möchte das Unternehmen den Einschnitt "so sozialverträglich wie möglich" gestalten: Statt Entlassungen soll es einzelvertragliche Regelungen geben. Für Uwe Bauer von der Schwäbisch Haller IG Metall ist die Ankündigung "erstmal der Wunsch des Arbeitgebers. Ob es so kommt, muss man sehen." Man werde alles dafür tun, dass es möglichst wenig Betroffene gibt.

2015 hatten die Hohenloher "noch deutlich gestiegene" Auftragseingänge verbucht, wie es in der Konzernbilanz heißt. 2016 beurteilte das Management die Lage aber schon "zurückhaltend". Bei einem Umsatz von 227 Millionen Euro wies die Bilanz für 2015 einen Vorsteuergewinn von 14,1 Millionen Euro aus. Zahlen für 2016 liegen nicht vor.

 


Kommentar hinzufügen