Die im Fall Ole angeklagte Pflege-Oma arbeitet Fragen-Katalog ab

Heilbronn/Künzelsau  Die Angeklagte spricht von Panik, davon, alles falsch gemacht zu haben. Der als Nebenkläger auftretende Vater des toten Jungen bezeichnet es als offensichtliches Taktieren.

Von Yvonne Tscherwitschke

Von Antworten, die keine sind. Die im Fall Ole angeklagte Pflege-Oma arbeitet Fragen-Katalog ab.

Schluchzend beantwortet die Angeklagte die Fragen zum Tathergang. Sie habe keine Verlustängste gehabt, sagt sie. Das Kind habe schwer geatmet.

Foto: Archiv/Veigel

Elisabeth S. schluchzt. Leise beantwortet sie die lange Liste der Fragen. 18 Stück sind es. Damit hat die Schwurgerichtskammer am Landgericht Heilbronn die 70-Jährige am letzten Verhandlungstag zurück in ihre Zelle in der JVA Schwäbisch Gmünd geschickt. Dann nämlich als klar war, dass vom Sohn der Angeklagten keine weiteren Angaben zu erwarten sind. Er hätte von dem über dreistündigen Gespräch berichten sollen, das er mit seiner Mutter geführt hatte. Im Gegensatz zur ersten Aussage hatte er aber von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht.

Das Geschehen ist ihr unbegreiflich

So liegt es nun an Elisabeth S. selbst, für Klarheit zu sorgen. Doch so wirklich glauben mag es keiner. Und so fragt Richter Roland Kleinschroth dann auch: "Kriegen wir Antworten auf die Fragen, die wir gestellt haben?" "Sie will, aber es fällt ihr schwer", erklärt Verteidigerin Anke Stiefel-Bechdolf. "Mir fällt es sehr, sehr schwer", sagt Elisabeth S. unter Tränen. Und: "Es ist mir immer noch unbegreiflich."

Daran ändert sich für die Prozessbeobachter auch nach den Antworten von Elisabeth S. nichts. Ole sei der wichtigste Mensch für sie gewesen, "Nie im Leben hätte ich ihm etwas angetan." Am Morgen des 28. April wurde der kleine Ole von seinen Eltern tot in der Badewanne von Elisabeth S. gefunden. Der Junge sei erwürgt worden, sagt der Gerichtsmediziner.

Junge habe schwer geatmet

Mit den Antworten auf den Fragenkatalog untermauert Elisabeth S. die Version des Geschehens, wonach Ole in der Nacht schwer geatmet habe. Ole sei von der Schule und vom Tennis müde zu ihre gekommen. Sie habe ihn gefragt, ob er baden und Haare waschen wolle. Er habe ja gesagt. Daraufhin seien sie nach oben gegangen und hätten Wasser in die Wanne gelassen. Dann habe Ole aber doch nicht baden wollen. Kein Wunder. Der Siebejährige sei extrem wasserscheu gewesen, hatten die Eltern berichtet.

Sie hätten keine Probleme gehabt, sagt Elisabeth S, sie seien dann einfach wieder nach unten gegangen. 19.44 Uhr macht sie zwei Bilder von Ole im Schlafanzug. Der kleine Junge lächelt in die Kamera. In der Nacht habe Ole schwer geatmet, sie habe gedacht, er habe etwas im Hals stecken. Sie habe Ole an den Schultern geschüttelt und am Hals gedrückt. Sie sei so in Panik geraten, das sie alles falsch gemacht habe, erklärt Elisabeth S. vor Gericht. Sie habe das Kind ins Bad geschleppt, mit Wasser beträufelt. Dabei sei der Junge in die Wanne geglitten.

In den Kocher gerutscht

In ihrer Panik sei sie zum Kocher gelaufen, dort ins Wasser gerutscht, erst am Abend verwirrt zu ihrem Haus zurück gekehrt. "Wollten Sie ins Wasser?", fragt Richter Kleinschroth. Elisabeth S. verneint. Der Brief an ihren Sohn sei auch kein Abschiedsbrief gewesen. Den Brief habe sie vor Wochen geschrieben und ihn um Verzeihung gebeten, dass sie nichts mehr auf die Reihe bekomme. Etwa eine Woche vor dem Tod des kleinen Jungen habe sie deshalb ihre Hausärztin aufgesucht. "Eine Woche davor war sie richtig gut drauf", erinnert der Vater des kleinen Ole an ein Foto, das die Angeklagte mit Ole lachend beim Eis essen zeigt. Er bezeichnet Elisabeth S. als "unglaubliche Schauspielerin", ihre Antworten als "offensichtliches Taktieren."

 


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