Deutschlands erstes Pferdekrematorium steht in Schwäbisch Hall

Schwäbisch Hall  Die letzte Ruhe fürs Ross: Deutschlands einziges Pferdekrematorium befindet sich in Schwäbisch Hall und ist gut ausgelastet. Erst eine Gesetzesänderung machte diese Form des Abschiednehmens möglich.

Von Alexander Hettich

Deutschlands erstes Pferdkrematorium: Abschied von Ariane

"Eine Trauer, die kann man sich kaum vorstellen": Skulptur auf einer Urne im Pferdekrematorium Schwäbisch Hall. Die Asche der Tiere kann auch in Schmuckstücke eingearbeitet werden.

Foto: Alexander Hettich

Erst seit 2017 ist es in Deutschland erlaubt, tote Pferde einäschern zu lassen. Das bundesweit erste Krematorium zu diesem Zweck steht in Schwäbisch Hall und erfreut sich reger Nachfrage.

Der Service ist nicht ganz billig. Für viele Tierfreunde erfüllt sich aber offenbar ein Herzenswunsch.

Was bleibt, sind 25 Kilogramm Asche

Ein Erinnerungsstück in Form eines Sattels, darin 25 Kilogramm Asche: Das ist es, was Yvonne Schmidt von Ariane geblieben ist. Ariane, das war eine Württemberger Stute, die mit der 41-jährigen Aalenerin durch dick und dünn gegangen ist.

Ihre Großmutter hatte ihr das Tier geschenkt, da war sie noch ein Kind. Als das Pferd im Spätsommer mit fast 32 Jahren starb, "war das eine ganz emotionale Geschichte". Die Trauer sei vielleicht noch schlimmer gewesen als beim Verlust eines Familienangehörigen, sagt sie und weiß, dass viele das nicht nachvollziehen können.

Was sie in dieser Situation gar nicht brauchen konnte: Aalener Behördenmitarbeiter, die ihr gesagt hätten, sie solle wegen des "toten Gauls" nicht so ein Aufhebens machen. Was sie brauchte: einen Ort für einen würdevollen Abschied. Den hat die Aalenerin nach eigenem Bekunden 50 Kilometer entfernt gefunden.

Letztes Geleit für das geliebte Haustier

Ein heller Bau aus Holz und Glas neben dem Waldfriedhof in Schwäbisch Hall. Im Empfangsraum des Tierkrematoriums "Dank & Treu" plätschern Abba-Instrumentalklänge aus den Lautsprechern. In Regalen: Urnen in allen Formen und Farben für Hund, Katze und eben auch für Pferde. Die edlen Behältnisse sehen aus wie Designer-Hocker.

"Das ist eine Trauer, die kann man sich kaum vorstellen", erzählt Sandra Lutz von Gesprächen mit Tierfreunden. "Sie sagen: Das bin ich meinem Tier einfach schuldig." Viele empfänden es, als sei ein Stück von ihnen selbst gestorben. Mit ihrem Mann Jochen zusammen betreibt die Unternehmerin seit 2017 Deutschlands erstes Krematorium, in dem auch Pferde eingeäschert werden können.

Gesetzesänderung macht den Weg frei

Das war verboten, bevor das Gesetz über die Beseitigung tierischer Nebenprodukte novelliert wurde. Zuvor blieben Tierbesitzern, die nicht zum "Abdecker" wollten, nur Krematorien in Holland. Immer noch ist für jedes Pferd eine Genehmigung notwendig. Das Ehepaar Lutz hat nach eigenen Angaben 2,5 Millionen Euro investiert. Zwischen 1990 und 3000 Euro kostet der Service pro Pferd, inklusive Abholung im Spezialfahrzeug.

Die Einäscherung dauert sechs bis acht Stunden. Die Asche können die Pferdbesitzer auf einem Grabfeld beisetzen lassen, in Urnen mit nach Hause nehmen oder in Schmuck einarbeiten lassen. Ein Geschäft, gewiss. Aber auch etwas, worauf Pferdbesitzer wohl lange gewartet haben.

Wunsch nach Würde bei den Besitzern

"Mit Anstand" habe sie sich von Ariane verabschieden können, sagt Yvonne Schmidt. Der übliche Weg, den tote Pferde gehen, "das konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen". Die meisten Pferdekadaver aus dem Raum Heilbronn werden auf Anmeldung hin von der Tierkörperbeseitigung Neckar-Franken abgeholt und ins Werk Hardheim gebracht.

Dort wird der Körper "verarbeitet", wie es auf Nachfrage heißt. Ein mechanischer Brecher häckselt die Überreste in Fünf-Zentimeter-Stücke, dann 20 Minuten bei 133 Grad in den Sterilisator, Trockner, Presse. Übrig bleiben Mehl, das in Dünger Verwendung findet, und Fette für die Biodiesel-Produktion. Gesetzlich ist das genau so vorgesehen, es dient der Vorbeugung von Tierseuchen.

Trauer ist laut Psychologe völlig normal

Dass Tierbesitzer das nicht wollen, sei nachvollziehbar, sagt Rainer Wohlfahrt. Der Freiburger Psychologe mit Spezialgebiet Mensch-Tier-Beziehung äußert sich oft kritisch über die "Vermenschlichung" von Tieren - etwa dann, wenn jemand seinem Hund eine vegane Ernährung angedeihen lässt. Die Trauerphase nach dem Tod eines Haustieres hält er für völlig normal. "Tiere sind heute sehr häufig Familienangehörige, zu denen eine enge Bindung besteht."

Yvonne Schmidt aus Aalen hat die Stute Ariane jetzt "immer in der Nähe", sagt sie. Der würdige Abschied, die liebevollen Details, "das hat mir ganz viel bedeutet".


Wohin mit dem toten Tier?

Schätzungsweise 34 Millionen Haustiere leben in Deutschland. Sterben Hund oder Katze, ist das für die Besitzer meist ein harter Schlag. Wer einen Garten hat, darf kleinere Tiere wie Katzen dort in der Regel begraben, wenn es sich nicht um ein Wasserschutzgebiet handelt und bestimmte Vorgaben beachtet sind. Bei größeren Tieren ist das zuständige Veterinäramt um Erlaubnis zu fragen.

Für Kleintiersammelstellen sind Stadt- und Landkreise zuständig, Anlaufstelle in Heilbronn ist die Deponie Vogelsang. Besitzer können Kleintiere in Krematorien wie in Oedheim oder Schwäbisch Hall einäschern lassen, die Urne mit nach Hause nehmen oder auf Tierfriedhöfen bestatten lassen. Auch Serviceanbieter für Tierbestattungen gibt es in der Region.

 


Kommentar hinzufügen