Das war der Pferdemarkt in Dörzbach

Dörzbach  Bei der heimeligen Veranstaltung am Samstag im Dörzbacher Schlosshof erfahren Züchter und Tiere viel Aufmerksamkeit.

Von Ralf Reichert
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Der Pferdemarkt im kleinen Dörzbach kann mit den ganz großen Schauen im Land zwar nicht ganz mithalten. Dafür ist die Atmosphäre umso familiärer. Und das Angebot erstaunlich gut.

"Dass hier gleich 15 Rassen vertreten sind, ist der Wahnsinn", sagt Dr. Wolfgang Eißen, der am Samstag zum ersten Mal als Preisrichter fungiert. "Wir haben in ganz Baden-Württemberg ja nur 30 Rassen." Das nötigt dem Leiter des hiesigen Landwirtschaftsamts Respekt ab.

Spitzenpferde im Endring

Sind hoch konzentriert bei der Sache und nehmen sich viel Zeit für Züchter und Pferde: Die Preisrichter Marina Kissinger, Dr. Thomas Raue und Dr. Wolfgang Eißen.

Seit 9 Uhr steht er im äußeren Schlosshof, ein Pferd nach dem anderen trabt und galoppiert an ihm vorbei, die stolzen Besitzer geben ihr Bestes, um ihre Tiere gut in Szene zu setzen. Und als um 12.30 Uhr die 15 Spitzenpferde aller Rassen im Endring sind und der Tagessieger ermittelt wird, staunt er: "Es ist ganz schwer zu sagen, wen wir nach vorne stellen. Für mich sind das alles Siegerstuten." Doch eine muss am Ende das Rennen machen, so will es das Reglement. Name: Nele. Alter: vier Jahre. Rasse: Schwarzwälder Kaltblut. Züchterin: Silke Abel (51) aus Oberohrn.

Premiere vollauf geglückt

Es ist ihre Premiere in Dörzbach, und sie ist gleich vollauf geglückt. Sie kennt Öhringen, "das hier ist alles ein bisschen kleiner und ländlicher", aber deshalb nicht weniger wert, besucht zu werden, denn: "Das Richterteam ist sehr gut. Deswegen bin ich vor allem hier. Da weiß ich: Deren Urteil ist qualitätvoll." Und so erfreut sie sich an der fachlichen Expertise und plaudert angeregt mit Dr. Thomas Raue vom Landgestüt Marbach - ein altbekanntes Gesicht hier in Dörzbach.

Kleiner Pferdemarkt, großer Charme

Das beste Pferd im Ring: Die Stute Nele, ein Schwarzwälder Kaltblut, mit Züchterin Silke Abel aus Oberohrn. Links Arnulf von Eyb und Bürgermeister Andy Kümmerle.

"Nele hat enorm viel Adel", sagt er zu ihr. Silke Abel nickt. "Ja, und es ist stark Im Gang." Der Preisrichter schwärmt: "Wenn so ein Pferd in dieser Harmonie und Ausstrahlung erscheint, geht einem das Herz auf. Da passt einfach alles: Ausdruck, Körperbau, Fundament." Doch auch im Gesamten ist er von den Züchtern und ihren Tieren sehr angetan: "Für die Rassenvielfalt ist es erstaunlich, was hier qualitätsmäßig aufgetrieben wurde."

Pferdemarkt neu belebt

Das hört Andy Kümmerle gern. Der Bürgermeister war einer der treibenden Kräfte, den ziemlich erlahmten Herbstpferdemarkt neu zu beleben. 2015 rückte die Prämierung von dem schmucklosen Gelände am abgelegenen Bauhof in den romantischen und zentral gelegenen Schlosshof. Und siehe da: "Der Ortswechsel hat sich absolut bewährt." Außerdem wurden die Preisgelder angehoben und die Zulassungskriterien gelockert. Das hat die Attraktivität enorm gesteigert. "50 bis 60 Pferde: Das ist genau die richtige Größe für uns", sagt Kümmerle. Und die wird auch diesmal mit 56 locker erreicht. "Mehr dürfen es aber auch nicht werden." Denn dann wäre der heimelige Charme dahin. Jeder Züchter wird direkt angesprochen und die Geschichten hinter den Pferden lebendig.

Was der Bürgermeister gelernt hat

Diesen Part übernimmt Alt-Bürgermeister Willi Schmitt, selbst ein ausgesprochener Pferdenarr. "Es ist toll, wenn man so einen Kommentator hat", sagt sein Nachfolger Andy Kümmerle. Er ist jetzt seit viereinhalb Jahren Rathaus-Chef und Pferdemarkt-Antreiber. Was hat er in dieser Zeit am meisten über Pferde gelernt? "Dass es so viele Rassen gibt, habe ich vorher nicht gewusst." Und auch nicht, wie es sich anfühlt, selbst im Sattel zu sitzen. Bei seinem ersten Pferdemarkt-Umzug ritt er hoch zu Ross vorne weg und löste damit ein Wahlversprechen ein. Seitdem schaut er lieber wieder zu. War ihm nicht wohl dabei? Kümmerle lacht. Und kündigt an: "Wenn ich wiedergewählt werden, reite ich jedes Jahr mit."

Schwesterpaar setzt Erbe des Opas fort

Kleiner Pferdemarkt, großer Charme

Hält das Erbe ihres Opas Siegfried Kurz (hinten rechts, sitzend) lebendig: Gespannfahrerin Monia Hahn mit ihrem zweijährigen Fohlen Relexa.

Fotos: Ralf Reichert

Ganz und gar wohl mit ihren zweijährigen Fohlen Corana und Relexa fühlt sich das Schwesterpaar Lea Schmelzer (23) und Monia Hahn (26) aus Jagstberg. Ihr Metier: Gespannfahren. Ihre Referenz: Baden-Württembergischer Landeskader. Die Pferderasse: Deutsches Reitpony. Schon ihr Opa Siegfried Kurz war ein leidenschaftlicher Vierspänner-Fahrer. Und ihre Mutter Dagmar Schmelzer setzte die Tradition des Gespannfahrens unvermittelt fort. Das heiß geliebte Familienhobby war mithin der Grund, warum Siegfried und Hannelore (71) Kurz 1999 den Entschluss fassten, von Esslingen nach Hohenlohe zu ziehen. In einen Aussiedlerhof bei Jagstberg. Wo dafür ganz viel Platz ist.

Besonderer Reiz

Beim Pferdemarkt in Dörzbach ist dafür alles ein bisschen enger. Doch genau das gefällt Siegfried Kurz: "Dieses kleine und ländliche Flair hat seinen besonderen Reiz." Sagt es und blickt mit leuchtenden Augen auf in den Ring, wo die beiden Enkel das Erbe ihres Großvaters mit einem Strahlen im Gesicht fortführen. Und sicher sind: Im nächsten Jahr kommen wir wieder in dieses kleine Dörzbach, wo jeder Züchter so große Aufmerksamkeit erfährt.

 
 

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