Das Urgestein im Hohenloher Kreistag hört auf

Hohenlohe  Altgediente Kreisräte verlassen den Kreistag, doch ein Urgestein toppt alle: Martin Tuffentsammer, der die Geschicke des Hohenlohekreises von Beginn an entscheidend mitgeprägt hat, war 48 Jahre Kreisrat. Zum Abschied erhält er die höchste Ehre des Kreises.

Von Ralf Reichert

Martin Tuffentsammer: Nach 48 Jahren im Hohenloher Kreistag ist Schluss

Martin Tuffentsammer ist jetzt stolzer Träger der Großen Ehrenmedaille in Gold. Diese Auszeichnung vergibt der Hohenlohekreis nur sehr selten.

Fotos: Ralf Reichert

Der neunte Kreistag ist Geschichte. Am Dienstag fiel in der Künzelsauer Stadthalle der letzte Vorhang. 17 Kreisräte wurden verabschiedet - unter ihnen einige langgediente Kräfte. Da geht also viel Erfahrung von Bord. Von einer Zäsur zu sprechen, ist nicht übertrieben. Ein Mann stand exemplarisch für den Umbruch - und ganz besonders im Mittelpunkt. Als dienstältester Kreisrat wird er in die Geschichte des Hohenlohekreises eingehen: Martin Tuffentsammer, das Urgestein der CDU-Fraktion.

Wegbereiter des Hohenlohekreises

Mit der Großen Ehrenmedaille in Gold wurde ihm die höchste Anerkennung des Kreises zuteil. Kraft Fürst zu Hohenlohe-Oehringen hatte sie zuletzt im März 2011 erhalten: für 40 Jahre im Kreistag. Tuffentsammer schlägt ihn um weitere acht Jahre. Bis 2004 Bürgermeister von Forchtenberg, lenkte der 78-Jährige die Geschicke des Hohenlohekreises von Beginn an mit und hatte entscheidenden Anteil daran, dass dieser 1973 überhaupt gebildet wurde. Bereits 1971 gehörte er dem Öhringer Kreistag an.

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48 Jahre Kreisrat: "Ich glaube nicht, dass dieses Engagement noch einmal getoppt werden kann", sagte der Laudator Helmut M. Jahn, bis Sommer 2013 Landrat und selbst Träger der Großen Ehrenmedaille in Gold - wie sein Vorgänger Franz Susset und das Unternehmer-Trio Gerhard Sturm, Reinhold Würth und Albert Berner. 45 Jahre Kreisrat: "Das war das längste, was ich hierzulande gefunden habe."

Teil der legendären Delegation

Wissen und Weitblick, Aufrichtigkeit und Erfahrung, Souveränität und Ruhe: Mit diesen Eigenschaften habe Tuffentsammer die Kreisgeschichte "begleitet und geprägt wie kaum ein anderer". Und: "Ohne ihn gäbe es den Hohenlohekreis vermutlich gar nicht", sei Tuffentsammer Teil jener legendären Delegation gewesen, die einst bei Ministerpräsident Hans Filbinger vorsprach und ihm mithilfe "höherer Hohenloher Diplomatie" die Bildung des Kreises abgerungen habe.

"Landrat Neth ist ein Juwel"

Daran hat der Geehrte ebenfalls nur beste Erinnerungen: "Aus dem Armenhaus und dem vermeintlichen Sündenfall der Kreisreform ist ein Modellkreis geworden", zeigte sich Tuffentsammer stolz. Und sichtlich ergriffen. "Hier stehe ich und bin ziemlich sprachlos" über diese "unglaubliche Auszeichnung", die er "in Demut und unendlich großer Dankbarkeit" annehme. Alle drei Landräte habe er erlebt: "Susset und Jahn waren riesige Glücksfälle für den Kreis, doch auch Neth ist ein Juwel. Er wäre auch ein guter Ministerpräsident, aber es ist besser, er bleibt in Hohenlohe."

Martin Tuffentsammer: Nach 48 Jahren im Hohenloher Kreistag ist Schluss

Der Kreistag steht auf und applaudiert einem Kreisrat, der die Geschicke des Hohenlohekreises von Beginn an wie kaum ein anderer geprägt hat und entscheidenden Anteil daran hatte, dass dieser 1973 gebildet wurde. 48 Jahre war Tuffentsammer dabei.

Wenzel sorgt sich um Existenz des Kreises

Vor allem, um die Existenz dieses Kreises zu sichern. Genau das treibt sein CDU-Kollege Manfred Wenzel um, der immerhin auch schon 30 Jahre auf dem Buckel hat und neben Emil Kalmbach und Thomas Föhl (jeweils 25 Jahre) sowie Karlheinz Börkel und Willi Schmitt (jeweils 20 Jahre) der Riege langgedienter Kreisräte angehört, die nun ausgeschieden sind. "Ich wünsche mir, dass wir den Hohenlohekreis erhalten", meinte also Manfred Wenzel im Hinblick auf eine weitere Kreisreform. "Ich mache mir Sorgen, dagegen müssen wir uns stemmen."

"Guter Geist des Miteinanders"

Alle Verabschiedeten, ob fünf Jahre oder 48 dabei, lobten den Zusammenhalt im Gremium. Diesen "guten Geist des Miteinanders" zu erhalten, ist Wenzel gleichfalls wichtig. Doch viele sehen diesen nun gefährdet, wenn die drei AfD-Kreisräte einziehen. Wenzels Rat: "Mann muss sie genauso einbinden wie wir Die Linke eingebunden haben."


Der neue Kreistag

Der zehnte Kreistag konstituiert sich am Freitag, 26. Juli, ab 14 Uhr in Öhringen. Er ist mit 43 Mitgliedern so groß wie noch nie (zuletzt 39) und zählt jetzt sieben Parteien (vorher sechs). Alle Kreisräte können ihr Amt antreten, "Ablehnungs- und Hinderungsgründe" gibt es keine.

Torsten Kunkel ist neuer Fraktionsvorsitzender der CDU, die von 16 auf 13 Sitze geschrumpft ist. Achim Beck, Neuling und Stimmenkönig, wird aus dem Stand Fraktionschef der Freien Wähler, die weiter neun Sitze haben. Martin Braun führt nun die von vier auf sieben Sitze gewachsene Grünen-Fraktion. Bei der SPD (weiter sechs Sitze) bleibt Irmgard Kircher-Wieland an der Spitze, bei der FDP (von drei auf vier Sitze) Gerhard Feiler. Lisa Catanese vertritt Die Linke alleine. Bei der AfD (drei Sitze) heißt der Sprecher Anton Baron.

 

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