Corona-Fallzahlen: Hohenlohekreis und zwei Gemeinden sind Hot-Spots

Hohenlohe  Der Hohenlohekreis liegt bei bestätigten Fällen im Landesvergleich weit vorn. Kupferzell hat 58, Pfedelbach 63 bestätigte Fälle. Warum das so ist und wie es den Infizierten geht.

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Dass die Gemeinden Kupferzell und Pfedelbach sehr stark von bestätigten Corona-Fällen betroffen sind, ist seit einigen Tagen klar. Allein: Der Hohenlohekreis wollte zuletzt keine konkreten Zahlen nennen. Auf mehrmalige Anfrage der Hohenloher Zeitung hat das Landratsamt am späten Freitagnachmittag die konkreten Zahlen, Stand 19. März, 12 Uhr, mitgeteilt. Demnach sind in Kupferzell 58 und in Pfedelbach 63 Menschen mit dem Virus infiziert. Diese Zahlen sind hoch. Zum Vergleich: In der bayerischen Stadt Mitterteich, für die eine Ausgangssperre verhängt wurde, sind 25 Menschen betroffen. Das sind 3,8 Fälle auf 1000 Einwohner. In Pfedelbach sind es rund sieben und in Kupferzell rund zehn Fälle pro 1000 Einwohner.

Hohenlohekreis führt Rangliste an

Auch der Hohenlohekreis hat insgesamt enorm viele bestätigte Fälle. Wie nebenstehende Grafik zeigt, führt er die Kreis-Liste der relativen Fallzahlen in Baden-Württemberg mit weitem Abstand an. Im extrem betroffenen Kreis Heinsberg (Nordrhein-Westfalen), der seit Wochen die Schlagzeilen in Deutschland beherrscht, kamen zuletzt 1,8 Fälle auf 1000 Einwohner, im Hohenlohekreis sind es rund 1,4.

Was sind die Gründe für diese Häufung? Zum einen gebe es "bestimmte Schwerpunkte, von denen die Infektionen ausgegangen sind", erklärt Dr. Antje Haack-Erdmann, die Leiterin des Gesundheitsamts, sodass viele Menschen in Kupferzell und Pfedelbach erkrankt seien. "Zum anderen sind wir durch unsere Zentrale Abstrichstelle in Belzhag in der Lage, eine große Anzahl an Tests durchzuführen. Und dadurch, dass wir nur Personen mit Symptomen testen, haben wir eine hohe Anzahl an positiven Befunden."

Testen andere Kreise weniger?

Das heißt: Andere Kreise testeten bisher womöglich weitaus weniger. Oder Bürger sehen woanders keinen Anlass, sich testen zu lassen. Die tatsächliche Zahl der Infizierten ist deshalb schwer zu greifen - im Hohenlohekreis genauso wie in vermeintlich weniger betroffenen Regionen. Die Dunkelziffer scheint insgesamt hoch. Experten glauben, dass die Zahl der tatsächlichen Corona-Fälle in Deutschland die der offiziell bestätigten (aktuell etwa 20 000 laut Johns Hopkins) bei weitem übersteigt. Zuletzt hieß es, in Wirklichkeit seien wohl mehr als 100 000 Deutsche infiziert, in zehn Tagen würden es 200 000 bis 300 000 sein.

 

 

Bürgermeister begrüßen Einschränkungen

Das Problem: Viele merkten es nicht - und steckten so andere unbewusst an. Deshalb ist die Politik so erpicht, die sozialen Kontakte vehement zu beschränken. Und deshalb begrüßen Landrat Matthias Neth und die Bürgermeister Christoph Spieles (Kupferzell) und Torsten Kunkel) Pfedelbach den am Freitag von der Landesregierung beschlossenen Kurs, das öffentliche Leben in Baden-Württemberg weiter einzuschränken: "Nur derart drastische Maßnahmen können eine weitere Ausbreitung des Coronavirus verlangsamen. Das gilt insbesondere auch in den Hotspot-Gemeinden Kupferzell und Pfedelbach. Aber es funktioniert nur dann, wenn wir uns alle an die Regeln halten."

Den Infektionsketten auf der Spur

Ein Kirchenkonzert in Eschental am 1. März war im Kreis der Hauptauslöser. Auch der Babybasar in Untermünkheim am 7. März spielt eine Rolle. Was wurde in beiden Fällen getan, um die Ausbreitung zu verhindern? "Durch intensive Recherche konnten die Infektionsketten nachvollzogen werden. Allen Kontaktpersonen von Personen, die mit dem Coronavirus nachweislich infiziert sind, wurde eine häusliche Quarantäne angeordnet", berichtet Kreis-Sprecher Sebastian Damm. Von einer unkontrollierten Ausbreitung könne keine Rede sein, sagt Haack-Erdmann. Wo gibt es sonst noch Häufungen im Kreis? "Es sind keine weiteren Schwerpunkte bekannt", so Damm. Wie viele Fälle zeigen milde Verläufe, wie viele schwere Komplikationen? "Eine Aussage zu den medizinischen Zuständen ist nicht möglich."

Krankenhaus erweitert Intensivstation

"Ja, bei uns werden seit einigen Tagen Corona-Patienten behandelt", bestätigt Ute Emig-Lange, Sprecherin der BBT-Gruppe, die Mehrheitsgesellschafter des Hohenloher Krankenhauses ist. Im Erdgeschoss der Öhringer Klinik sei eine Isolierstation. Dort lägen "nicht intensivpflichtige Patienten": Verdachtsfälle und bestätigte Fälle. Die Intensivstation sei von sieben auf zwölf Betten erweitert worden. Auch dort würden Corona-Kranke behandelt. 

 

Ralf Reichert

Ralf Reichert

Redaktionsleiter Hohenloher Zeitung

Ralf Reichert ist seit Oktober 2006 Redaktionsleiter der Hohenloher Zeitung. Die Region Hohenlohe ist seit jeher seine journalistische Heimat. Er kam vom Haller Tagblatt und stammt aus dem Taubertal. Bei der HZ kümmert er sich vor allem um die Kreisthemen. 

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