Corona-Abstriche auf Wunsch gibt es nicht

Hohenlohe  Viele Hohenloher sind besorgt und wenden sich mit ihren Fragen an unsere Redaktion. Unterdessen sind die bestätigten Fälle weiter gestiegen. Der Hohenlohekreis belegt damit einen Spitzenwert in Baden-Württemberg.

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Corona-Probe nach Abstrich: Die Labore kommen nicht mehr hinterher.

Foto: dpa

Was tun, wenn der Arbeitgeber eine Bescheinigung verlangt, dass man negativ auf Corona getestet ist? Was tun, wenn Mann und Kind Symptome von Covid-19 haben, der Hausarzt nicht erreichbar und somit keine Terminvereinbarung für den Abstrich möglich ist? Was tun, wenn der Sohn im selben Büro saß wie sein Kollege, der zwischenzeitlich positiv getestet ist, der Sohn aber drei Tage warten musste auf einen Abstrichtermin, den dann der Betriebsarzt gemacht hat? Zumal dann, wenn man selbst in einer medizinischen Einrichtung arbeitet und auch hier der Chef darauf drängt, etwas Schriftliches haben zu wollen? Viele Leser rufen in diesen Tagen in der HZ-Redaktion an und schildern mehr oder weniger verzweifelt ihre Sorge, unwissentlich andere Menschen zu infizieren.

Labor überlastet

Abstriche auf Wunsch gibt es nicht, betonen Ärzte und die Pressesprecher beim Gesundheitsamt. Ärzte, die das als freiwillige und zu bezahlende Leistung anbieten und mit ihren Proben die ohnehin überlasteten Labore blockieren, ist unisono die Meinung, verhalten sich weder sozial noch kollegial. Die zentrale Abstrichstelle in Belzhag wird von der Kreisärzteschaft betrieben.

Sascha Sprenger, Pressesprecher des Landratsamts, weiß, dass die Bürger viele Fragen haben. Allein bei der Hotline gingen zuletzt rund 350 Anrufe ein. An diese Nummer sollen sich Menschen wenden, die komplexe Fragen haben oder selbst nicht weiterkommen, sagt Sprenger. Pauschal konnte auch er die aufgeworfenen Fragen nicht beantworten. Auf der Kreis-Homepage stünden erste Infos zum Coronavirus. Schwierigere Fragen kläre das Gesundheitsamt mit und für die Anrufer.

Entwicklung bereitet Sorge

Unterdessen sind die bestätigten Fälle weiter gestiegen. Und es gab den ersten Toten. Gemessen an der Einwohnerzahl - der Hohenlohekreis ist demnach der kleinste im Land - nehmen viele die jüngsten Entwicklungen mit Sorge zur Kenntnis. Ein Hohenloher Arzt, der nicht genannt werden will, hat ausgehend von den 151 Fällen, Stand Dienstagabend, errechnet: "Deutschlandweit kommt ein bestätigter Fall auf rund 10.000 Einwohner, in Italien ist es ein bestätigter Fall auf circa 2000 Einwohner und im Hohenlohekreis ein bestätigter Fall auf etwa 737 Einwohner. Leider keine beruhigenden Aussichten." Und ganz klar ein Spitzenwert in Baden-Württemberg.

Was sind die Gründe? Wie geht der Kreis dagegen an? Der Anstieg sei "innerhalb des befürchteten Ausmaßes". Dies zeige, "dass unser frühzeitiger Beginn einer Zentralen Abstrichstelle mit einer hohen Anzahl an Tests funktioniert und wir schnell verlässliche Ergebnisse erhalten", erklärt Sprecherin Mathea Weinstock. In welchen Kommunen häufen sich die Fälle besonders?

Gibt es Krisenherde?

"Die Fallzahlen steigen inzwischen im gesamten Kreisgebiet an. Die einzelnen Orte werden dadurch weniger relevant. Kupferzell ist weiterhin stark betroffen." Waren das Kirchenkonzert in Eschental und der Babybasar in Untermünkheim die beiden größten Infektionsherde? "Wir wissen, dass infolge der genannten Veranstaltungen signifikante Fallhäufungen aufgetreten sind. Da sich die Lage nach wie vor sehr dynamisch entwickelt, ist eine Einteilung nach Größe der Infektionsherde weder möglich noch sinnvoll", so Weinstock.

Zuletzt hatte das beauftragte Labor so viel zu tun, dass es am Montagabend gar keine aktuellen Befunde der Corona-Tests liefern konnte. Selbst telefonisch war es nicht zu erreichen. "Natürlich hätten wir genau wie jedes andere Gesundheitsamt die Ergebnisse der Abstriche möglichst schnell", sagt Sprecher Sascha Sprenger. "Uns ist aber auch bewusst, dass derzeit alle Labore an der Belastungsgrenze arbeiten."

 

 

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Yvonne Tscherwitschke

Yvonne Tscherwitschke

stv. Redaktionsleiterin Hohenloher Zeitung

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

Ralf Reichert

Ralf Reichert

Redaktionsleiter Hohenloher Zeitung

Ralf Reichert ist seit Oktober 2006 Redaktionsleiter der Hohenloher Zeitung. Die Region Hohenlohe ist seit jeher seine journalistische Heimat. Er kam vom Haller Tagblatt und stammt aus dem Taubertal. Bei der HZ kümmert er sich vor allem um die Kreisthemen. 

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