Bürgermut in Hohenlohe ausgezeichnet

Hohenlohe  Der Zivilcouragepreis wurde erstmals an Bürger im Hohenlohekreis verliehen. Die Preisträger haben durch ihr mutiges und schnelles Handeln Fremde aus teils ernsthaften Gefahrensituationen gerettet.

Von Sarah Arweiler

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Landrat Matthias Neth (1. v. li.) und Uwe Ralf Heer (2. v. li.) mit den Preisträgern des Zivilcouragepreises Hohenlohe 2019. Rechts: Werner Siller, Vorstand der Sparkasse Hohenlohekreis, daneben Hans Becker, Leiter des Polizeipräsidiums Heilbronn.

Foto: Ralf Seidel

"Sie sind alle Vorbilder für wahren Bürgermut." Diese Worte richtet Landrat Matthias Neth am Dienstagabend auf dem Polizeirevier Künzelsau an neun Menschen, die durch ihr mutiges und schnelles Handeln Fremde aus teils ernsthaften Gefahrensituation gerettet und Einbrüche gemeldet haben oder einen wichtigen Beitrag für Zivilcourage an Schulen leisten.

Für ihr spontanes, selbstloses Verhalten wurden sie mit dem ersten Zivilcouragepreis im Hohenlohekreis ausgezeichnet. Initiatoren des Preises sind der Präventionsverein "Sicher im Hohenlohekreis", die Sparkasse Hohenlohekreis und die Hohenloher Zeitung. Bürger, Organisationen und Schulen konnten sich in drei Kategorien bewerben oder vorgeschlagen werden: ür den Einzelpreis "Spontanes Einschreiten", den Gruppenpreis und den Schulpreis "Projekte oder Aktionen zum Thema Zivilcourage".

Zeichen für Nächstenliebe

Hans Becker, Leiter des Polizeipräsidiums Heilbronn, stellt klar: Bürgermut ist ein wertvolles Gut und hat für die Polizei eine überragende Bedeutung. Becker: "Wir brauchen Menschen, die bereit sind, zu handeln und zu helfen. Das ist ein Zeichen von Nächstenliebe." Die Preisträger hätten es verdient, dass ihr couragiertes Verhalten öffentlich gemacht werde. Sie waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort und haben geistesgegenwärtig richtig gehandelt.

Manchem der Preisträger ist es fast ein bisschen unangenehm, derart im Mittelpunkt zu stehen. So zum Beispiel Kathleen Böhme. Sie hat mit zwei Bekannten einen aggressiven Schläger überwältigt und dem Opfer damit das Leben gerettet. Der Täter wurde zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt. "Das, was ich getan habe, war für mich Ehrensache. Eine Selbstverständlichkeit. Ich würde in dieser Situation jederzeit immer wieder so handeln", sagt die mutige Frau.

 

 

Solidarität keine Selbstverständlichkeit

Andreas Fritz, Mitarbeiter des städtischen Bauhofs Öhringen, verhinderte durch sein spontanes Eingreifen, dass der Brand eines Pkw auf umliegende Fahrzeuge und Gebäude übergriff. Dass er sich dabei selbst in Gefahr begibt, daran denkt er in dieser Situation nicht. "Ich habe einfach eingegriffen. Das gehört sich so. Wenn ich in Gefahr bin, will ich auch, das mir geholfen wird." Dennoch: Eine schöne Anerkennung sei die Auszeichnung allemal. "Wir alle müssen uns fragen: Hätte ich in dieser Situation genauso gehandelt?" gibt Uwe Ralf Heer, Chefredakteur der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung, den Zuschauern zu bedenken.

Aus seinem Arbeitsalltag als Erster Kriminalhauptkommissar weiß Jörg Hachenberg genau: Es ist nicht selbstverständlich, sich mutig und selbstlos für Fremde einzusetzen. "Der Egoismus hat in unserer Gesellschaft zugenommen, leider. Das beobachte ich schon lange." Doch jeder solle die Situation einmal umgekehrt betrachten: Man selbst ist in einer Gefahrensituation, hilflos - und die Leute gehen achselzuckend weiter. Hachenberg: "Niemand soll sich selbst in Gefahr bringen, wir brauchen keine Helden. "

 

Diese Menschen wurden für ihren Bürgermut ausgezeichnet

Brand eines Mehrfamilienhauses

André Regner (re.) und Polizeihauptkomissar Thomas Gebhard. Fotos: Ralf Seidel

Bei dem Brand in einem Mehrfamilienhaus in Neuenstein werden drei Personen verletzt. André Regner, ein aufmerksamer Zeuge, verhindert noch Schlimmeres. Anwohner bemerken, wie Rauchmelder aufheulen. Rasch ist ihnen klar: Hier brennt es. Sie verständigen über Notruf die Einsatzkräfte der Feuerwehr. André Regner erahnt die drohende Gefahr für die im Haus lebenden Menschen. Er handelt schnell und couragiert und klingelt an den Wohnungstüren die Bewohner heraus. Dadurch rettet er einen schwer verletzten 70-jährigen Mann, seine Wohnung brannte bereits. Eine 32-jährige Frau kann sich dank Regner mit ihren drei Kindern ebenfalls rechtzeitig in Sicherheit bringen. Die Feuerwehrleute können noch eine Katze befreien.

 

Auto in Flammen

Auto in Flammen

Andreas Fritz (re.) und Patrick Hauser, Landratsamt Hohenlohekreis.

Aus unbekanntem Grund gerät ein Mercedes auf dem Parkplatz der Stadthalle Kultura in Öhringen in Brand. Aus dem Auto steigen hohe Flammen auf, es brennt rasch vollständig aus. Es besteht die Gefahr, dass der Brand auf einen danebenstehenden Fiat übergreift. Andreas Fritz, Mitarbeiter des städtischen Bauhofs Öhringen, erkennt die Gefahrensituation sofort und greift beherzt ein. Sein rettender Einfall: Mit dem Wasser aus seiner Kehrmaschine hält er den Fiat bis zum Eintreffen der Feuerwehr kühl und nass und verhindert somit Schlimmeres. Und als ob nichts geschehen wäre, arbeitet er nach dem Einsatz der Feuerwehr mit seiner Kehrmaschine seelenruhig weiter, die er wegen des Feuers unterbrechen musste.

 

Aggressiven Schläger überwältigt

Kathleen Böhme und Ralf Reichert, Redaktionsleiter Hohenloher Zeitung.

Aggressiven Schläger überwältigt

Er könne sich an nichts mehr erinnern, lautet die Aussage des Täters. Nicht daran, dass er seinen Trinkkumpanen in einer Notunterkunft mehrfach ins Gesicht geschlagen und auf ihn am Boden liegend eingetreten hat. Und auch nicht daran, ihm mit einer Zigarette Brandwunden zugefügt und ihn schwer misshandelt zu haben. Kathleen Böhme die sich in einem Nebengebäude aufhält, zögert nicht lange. Sie verständigt zeitgleich den Rettungsdienst und die Polizei. Die Notunterkunft ist abgesperrt, doch sie klopft mehrfach an die Fensterscheibe, dadurch lässt der Täter immer wieder von seinem Opfer ab, öffnet sogar das Fenster. Andere Personen unterstützen Kathleen Böhme, den Täter überwältigen. Das Opfer überlebt seine Tortur.

 

Mann vor Feuer gerettet

Patrick Reinhardt (re.) und Hans Becker, Polizeipräsident Präsidium Heilbronn.

Mann vor Feuer gerettet

Am Stau-Ende fährt ein Sattelzug auf einen anderen Laster. Ein Lkw hatte den feuergefährlichen Stoff Dimethylesther geladen. Bei dem Laster, der den Unfall verursachte, beginnt der Motorraum zu brennen. Die Flammen schlagen in das stark beschädigte Führerhaus, der Fahrer ist darin eingeklemmt und schreit um Hilfe. Die Ersthelfer Markus Koschitzky und Patrick Reinhardt setzen sofort einen Notruf ab. Markus Koschitzky und Patrick Reinhard sowie weitere Personen sammeln von anderen Lkw die Feuerlöscher ein. Damit bekämpfen sie den Brand im Führerhaus. Noch vor Eintreffen der Feuerwehr kann der Brand gelöscht werden. Dieser Einsatz von Markus Koschitzky und Patrick Reinhard rettet dem eingeklemmten Fahrer das Leben.

 

Exhibitionist spricht Mädchen an

Jana Mittnacht (Mitte) und Hanna Rekovsky mit Werner Siller.

Exhibitionist spricht Mädchen an

Ein unbekannter Mann spricht in alkoholisiertem Zustand ein 9-jähriges Mädchen an, öffnet seine Hose und zeigt seine Männlichkeit. Das Mädchen läuft nach Hause und erzählt den Vorfall ihrem Vater. Dieser verständigt die Polizei, die Fahndung nach dem Mann beginnt sofort. Im Rahmen dieser Fahndung sprechen Jana Mittnacht und Hannah Rekovsky eine Polizeistreife an. Ihnen hatte sich der unbekannte Mann ebenfalls als Exhibitionist präsentiert. Jana Mittnacht filmt den unbekannten Mann mit ihrem Smartphone und übergibt das Videomaterial der Polizei. Ihre Freundin Hannah Rekovsky spricht den Mann auf sein Verhalten an und fordert ihn zum Gehen auf. Die Freundinnen beschützen ein weiteres 14-jähriges Mädchen vor ihm.

 

Einbruch im Recyclinghof

Kim Jessica Kühner und Lars Walther, Leiter Polizeirevier Künzelsau.

Einbruch im Recyclinghof

Die Zeugin Kim Jessica Kühner ist kurz vor Mitternacht in Künzelsau unterwegs, als sie an einem Recyclinghof vorbeikommt. Ihr fällt auf: Mehrere Taschenlampen flackern hastig in der Dunkelheit. Irgendjemand muss dort sein. Über Notruf verständigt sie die Polizei über einen möglichen Einbruch im Recyclinghof. Kim Jessica Kühner bleibt vor Ort, schildert über Telefon ihre Beobachtungen aus sicherer Entfernung und wartet, bis die Beamten am Recyclinghof eintreffen. Mit ihrer Vermutung hatte Kim Jessica Kühner ins Schwarze getroffen: Die Polizeistreife überprüft das Areal und nimmt zwei polizeibekannte Tatverdächtige fest. Sie haben diverse Wertstoffe wie Elektroschrott und Altgeräte auf dem Recyclinghof gestohlen.

 

Exhibitionist in Stadt unterwegs

Armin Xaver Thudium (re.) und Landrat Dr. Matthias Neth.

Exhibitionist in Stadt unterwegs

Ein Exhibitionist zeigt sich im Stadtgebiet von Künzelsau vor zwei jungen Mädchen. Geschockt und angewidert rennen die Mädchen in eine Schule und erzählen dort von ihrer Begegnung. Sie gehen anschließend weiter und treffen den Mann am Kochersteg erneut. Als er sich ihnen wieder zuwendet, rennen die Mädchen in Panik zum nahegelegenen Hallenbad. Von dort aus wird die Polizei verständigt. Schwimmmeister Armin Xaver Thudium, der die Personenbeschreibung des Tatverdächtigen mit anhört, macht sich zu Fuß auf den Weg, um den Mann zu suchen. Er entdeckt ihn im Bereich eines Lebensmittelmarktes, verständigt erneut die Polizei, die aufgrund dieses entscheidenden Hinweises den Tatverdächtigen festnehmen kann.

 

Schulprojekt "Wir sind stark"

Schulprojekt "Wir sind stark"

Stefanie Dürr und Uwe Ralf Heer, Chefredakteur Heilbronner Stimme.

Stefanie Dürr gehört zum Förderkreis der Grund- und Werkrealschule Krautheim. Der Verein bietet an der Grund-, Haupt- und Werkrealschule in Krautheim seit dem Schuljahr 2016/2017 in den Klassen 1, 3 und 7 das Projekt "Wir sind stark". Dies ist ein Gewaltpräventionsprogramm, bei dem externe Projektleiter Kinder schulen in den Bereichen Konfliktlösung, Stärkung des Selbstwertes, Selbstbehauptung, Verhalten bei Grenzübertritten, Zivilcourage und Umgang mit fremden Erwachsenen. Der Trainer erarbeitet mit den Klassen anhand sehr anschaulicher Beispiele Strategien, sich selbst und anderen in Gefahrensituationen zu helfen. Durch Rollenspiele und Abwehrstrategien wird den Schülern das richtige Verhalten vermittelt.

 

 

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