Broschüre über extrem rechte Strukturen in der Region

Hohenlohe  Die Broschüre "Organisierte rechte Strukturen zwischen Tauber, Kocher und Neckar" zeigt eine Auflistung rechtsmotivierter Straftaten in der Region.

Von Yvonne Tscherwitschke

Vom völkischen Siedeln in der Region: Timo Büchner informiert über extrem rechte Strukturen in der Region.

Am 17. November 2016 brannte die Flüchtlingsunterkunft Pfedelbach. Die Täter sind bis heute nicht bekannt, während die Neuensteiner verurteilt wurden.

Foto: Archiv/Hohl

64 rechts motivierte Straftaten listet die Broschüre "Organisierte rechte Strukturen zwischen Tauber, Kocher und Neckar" für die vier Landkreise Hohenlohe, Schwäbisch Hall, Main-Tauber und Neckar-Odenwald auf für den Zeitraum 2013 bis Juni 2018.

Neben Körperverletzungen sind es Schmierereien, rassistisch motivierte Beleidigungen, Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Schmierereien an Moscheen und sogar Brandstiftungen und Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte.

Unterkünfte für Flüchtlinge angezündet

So brannte am 17. November 2016 in Pfedelbach die nahezu bezugsfertige Flüchtlingsunterkunft. Die Täter wurden nicht ermittelt. Verurteilt sind dagegen die zwei Männer, die am 19. Januar 2017 die Neuensteiner Flüchtlingsunterkunft anzündeten.

Recherchiert hat Timo Büchner von der Initiative "Mergentheim gegen rechts". Er hat auch die Broschüre verfasst, die einen Einblick in die Strukturen gibt. So werden die Aktivitäten der Gruppierung "Hohenlohe wacht auf" beschrieben, die ab Oktober 2015 Kundgebungen in Öhringen veranstalten.

Die nach Büchners Einschätzung extrem rechte Gruppierung "Widerstand gegen Baden-Württemberg" sei eine Abspaltung von "Hohenlohe wacht auf" und habe am 13. Februar 2016 eine Kundgebung auf den Künzelsauer Wertwiesen veranstaltet. Anmeldung und Moderation war Brit Berger, die zuvor schon in Öhringen mehrfach Kundgebungen organisiert hatte.

Auftritte bei Demonstrationen

Auch Sonnhild Sawallisch redete auf den Öhringer Kundgebungen. Sie ist nach Recherchen von Timo Büchner und der Hohenloher Zeitung Aktivistin des völkisch-antisemitischen Bundes für Gotterkenntnis (Ludendorff). Nachdem die Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung darüber berichtet hatte, hat Gudrun Kling, Mutter von Sonnhild Sawallisch und Bundesvorsitzende des Bundes für Gotteserkenntnis, nochmals bei Kundgebungen das Wort ergriffen. Doch dann wurde es in Hohenlohe wieder ruhig um die beiden im Kochertal lebenden Frauen.

Dass sie sich so öffentlich präsentiert haben, so die Einschätzung von Timo Büchner, sei eher ungewöhnlich. Er hat bei seinen Recherchen festgestellt, dass in der völkischen Ideologie Frauen aufgrund ihrer harmlos wirkenden Art als hilfsbereite Nachbarinnen gelten.

Auch um die Versammlungsstätte in Herbolzheim sei es ruhig geworden. Vor einigen Jahren noch, so Büchner, seien Veranstaltungen wie die Sonnwendfeiern publik gemacht worden. Büchner zeichnete auch die Strukturen der AfD in der Region nach, zeigte die unterschiedlichen Grade der Aktivität rund um die einzelnen Landtagsabgeordneten dieser Partei und deren Ziele für die nahende Kommunalwahl auf.

Man muss Kinder stärken, damit sie nicht auf plumpe rechte Parolen hereinfallen, das war in der anschließenden Diskussion immer wieder zu hören.

 


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