Auf Schnaps-Tour in Pfedelbach

Pfedelbach  Mit dem Tag der offenen Brennereien starten fünf prämierte Branntwein-Produzenten in die Saison. Es gab hochgeistige Getränke und tiefe Einblicke in die Destille.

Von Christian Nick
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Hier hat sich der Schnaps mit Hilfe eines fachkundigen Konditors eine feste Erscheinungsform ausgesucht. Die Pralinen sehen nicht nur lecker aus...

Mit ganzen 80 Prozent Volumenalkohol fließt der Willi in den schweren blechernen Eimer. Rainer Sasse und ein ebenfalls durchaus fachkundiger Gast strecken den kleinen Finger in das Rinnsal - und schlecken ebendiesen danach mit Kennermiene ab: Klare Sache, die Qualität des Birnen-Brandes passt auch in diesem Jahr.

Mehr als die Mini-Menge zu trinken, welche die beiden Hobby-Brenner zum Verkosten nehmen, empfiehlt sich jedoch erst, nachdem der Alkoholgehalt des Schnapses dann mit Wasser auf rund die Hälfte verdünnt worden ist.

Auf Schnaps-Tour in Pfedelbach

Prosit in fröhlicher Runde: Der erste Edelbrand schmeckt beim Auftakt zum Tag der offenen Destillerien in Windischenbach besonders gut.

Fotos: Christian Nick

Erst die Reden, dann das Vergnügen

Das gilt jedenfalls für alle, die nicht die Promilletoleranz eines sibirischen Hafenarbeiters haben. Und das wiederum trifft wohl auf die meisten der rund 50 Menschen zu, die zum Auftakt der diesjährigen Destillerien-Tour auf den Hof des ambitionierten Hobbybrenners gekommen sind, um dort zu der nunmehr fünften Auflage der "Pfedelbacher Brennpunkte" zu starten.

Bevor jedoch der erste Himbeergeist oder Johannisbeer-Likor ins Glas eingeschenkt wird und die hochprozentige Genießer-Tour zu fünf prämierten Brennern im "Schnapsdorf" Pfedelbach so richtig ins Fließen kommt, haben der Windischenbacher Männerchor und diverse Redner ihre Auftritte.

Den letzten ihrer "Schnapskarriere" hat die (noch) amtierende Destillatkönigin Anna Schleicher - ihre zweijährige Amtszeit endet in wenigen Tagen.

Pfedelbacher Brenner sind gut aufgestellt

Nachdem Bürgermeister Torsten Kunkel betont hat, dass für Pfedelbach als Fairtrade-Gemeinde auch und gerade die regional erzeugten Produkte von besonderer Wichtigkeit seien, erfahren die Gäste durch Peter Link von der zuständigen Steueraufsicht des Zolls, welche Folgen das zum Jahresbeginn weggefallene Branntweinmonopol für die über 100 örtlichen Produzenten hochgeistiger Getränke hat:

"Einige Regeln müssen erst noch den Praxistest bestehen, aber ich sehe die Pfedelbacher Brenner, die bereits lange Jahre den Fuß schon fest in der Selbstvermarktung drin haben, sehr gut aufgestellt."

Auf Schnaps-Tour in Pfedelbach

Da wird der leckere Geist im Glas erzeugt: Brennereibesitzer Rainer Sasse (rechts) erklärt in seinem Refugium den Destillationsprozess.

Wie aus Abfall Gold wird

Zurück zu Rainer Sasse, der Destille und dem Willi - der bei Weitem nicht das einzige Produkt des 37-Jährigen ist: Sechs Liköre und vier Schnapssorten stellt der Nebenerwerbs-Brenner, der erst vor recht kurzer Zeit ein Gewerbe angemeldet hat, in dieser Saison aus eigenem Obst her.

Schon Jahre bevor er diesbezüglich eine Nummer beim Finanzamt wurde, war er indes vom Landesverband der Klein- und Obstbrenner ausgezeichnet worden - wie auch alle weiteren vier Betriebe, zu denen die Trink-Tour mit Schaubrennen und Shuttle-Bus an diesem Tag führt.

Sein eigener Favorit im Glas? "Das ist der Trester aus dem Akazienfass", schwärmt Sasse. Seine Augen bekommen Glanz, als habe er heute bereits daran genippt. "Der wird aus der Gewürztraminer-Traube hergestellt: Der Tresterschnaps wird nach der Weißwein-Herstellung aus dem vergorenen Traubentrester destilliert", erklärt Sasse, ehe er die "tolle florale Note" seines Erzeugnisses rühmt, das ein Abfallprodukt zu hochprozentigem Gold im Glas werden lässt.

Gold im Glas und am Himmelszelt

Pünktlich zeigt sich dann auch das Gold am Firmament: Die Sonne schiebt sich durchs Wolkengrau und illuminiert das bunte Treiben auf dem Hof. Die Stimmung wird noch fröhlicher - was freilich nicht nur am Wetter liegt. Die Gäste genießen die ein oder andere Plauderei beim ein oder anderen Getränk, ehe es bald schon zur nächsten Station der "Brennpunkte" weitergeht.

 

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