Ab 2021 gibt es im Hohenlohekreis den Gelben Sack

Hohenlohe  Leichtverpackungen und Altpapier werden wieder strikt getrennt entsorgt. Bisher gilt: Beides kommt in die Grüne Tonne. Ein neues Gesetz und der hohe Kostendruck geben den Ausschlag für den Kreistagsbeschluss.

Von Ralf Reichert

Ab 2021 gibt es im Hohenlohekreis den Gelben Sack

Für Altpapier: Grüne Tonnen weiter nutzen oder Blaue Tonnen anschaffen?

Für Leichtverpackungen und Altpapier gibt es im Hohenlohekreis seit 2002 nur einen Sammelbehälter: die Grüne Tonne. Aus Bürgersicht ist das geschickt. Man spart Platz. Und der Abfall ist stets gut verstaut. Für den Hohenlohekreis hingegen ist diese Praxis nicht länger tragbar. Weil sie zu kompliziert und zu teuer geworden ist. Das neue Verpackungsgesetz, seit diesem Jahr gültig, lässt grüßen.

Duales System hier, Abfallwirtschaft dort

Deshalb wird es ab 1. Januar 2021 wieder zwei strikt getrennte Entsorgungssysteme geben: Leichtverpackungen kommen in Gelbe Säcke, Altpapier entweder in die bisherigen Grünen Tonnen oder in neue Blaue Tonnen. Das eine managen die privatwirtschaftlichen Dualen Systeme, das andere ist Sache der kommunalen Abfallwirtschaft. In einer Vereinbarung klären sie weitere Details, um dem Verpackungsgesetz Rechnung zu tragen und die Entsorgung bestmöglich aufeinander abzustimmen.

Die Änderungen beim Altpapier beschloss der Kreistag am Miittwoch in Weißbach einstimmig. Die Einführung des Gelben Sacks als Sammelform für die Leichtverpackungen hießen 26 Kreisräte gut. Sechs waren dagegen, einer enthielt sich.

Gelbe Säcke werden alle zwei Wochen abgeholt

Ab 2021 gibt es im Hohenlohekreis den Gelben Sack

Durchsichtig und dünn: Fehlwürfe sind bei Gelben Säcken unwahrscheinlicher, weil sie besser erkannt werden und das Material leicht reißt.

Fotos: dpa/privat/Krauth

Wichtigste Neuerung: Die Gelben Säcke mit den Leichtverpackungen werden ab 2021 alle zwei Wochen abgeholt. Aktuell wird die Grüne Tonne alle vier Wochen geleert. Und: Es gibt keine Mengenbegrenzung wie jetzt durch die Tonnengröße (120 Liter, 240 Liter, 1100 Liter). "Die Haushalte können pro Abfuhr also auch mal zwei oder drei Gelbe Säcke rausstellen", sagt Sebastian Damm, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft, im Gespräch mit der HZ.

Er ist überzeugt: "Unterm Strich überwiegen für die Bürger klar die Vorteile." Natürlich werde es Diskussionen über eine Vermüllung des öffentlichen Raumes geben: wegen wild herumfliegender Gelber Säcke oder nicht schön anzuschauenden Sack-Haufen in Innenstädten.

Altpapier: Grüne oder Blaue Tonnen?

Laut Damm sei sichergestellt, dass stets genügend Gelbe Säcke zur Verfügung stünden. Der Entsorger würde jeden Haushalt zu Jahresbeginn beliefern. Außerdem könnten Bürger jederzeit zusätzliche Säcke holen: etwa in den Rathäusern.

In welchen Behälter ab 2021 das Altpapier wandert, ist noch offen. Entweder der Kreis übernimmt die 55.000 Grünen Tonnen, die im Eigentum der Abfuhrfirma Veolia sind. Oder er kauft ganz neue Blaue Tonnen, die mit Chips ausgestattet wären. Entscheidend ist der Preis. Klar ist: Es bleibt hier beim vierwöchentlichen Abfuhrrhythmus.

Kosten spielen große Rolle

Ab 2021 gibt es im Hohenlohekreis den Gelben Sack

Allzu oft zweckentfremdet: Die Grünen Tonnen für Leichtverpackungen.

Das Kosten-Argument ist aus Sicht der Abfallwirtschaft ganz wesentlich für die Systemumstellung. Bisher sind die Verrechnungen mit den Partnern extrem kompliziert. Die Grünen Tonnen gehören dem Abfuhrunternehmen, das von den Dualen Systemen mit der Entsorgung der Leichtverpackungen beauftragt wurde. Es nutzt die Tonnen damit genauso wie die Abfallwirtschaft, die beim Altpapier pro Jahr eine Mengenpauschale von zwölf Prozent an die Dualen Systeme abtreten muss, weil dieser Anteil als Leichtverpackung gilt, für deren Entsorgung Hersteller und Kunden bereits bezahlt haben. Dieser wirre Knäuel wird nun entknotet.

Nicht zuletzt die höheren Recyclingquoten bei Leichtverpackungen (seit 2019 von 36 auf 58,5 Prozent, bis 2022 sogar auf 63 Prozent) verlangt nach einer klaren Trennung der Zuständigkeiten, weil Grüne Tonnen im Hohenlohekreis allzu oft zweckentfremdet werden, indem darin Restmüll entsorgt wird. "Wir haben 50 Prozent Fehlwürfe", sagt Damm. Grüne Tonnen sind dafür viel empfänglicher als durchsichtige Gelbe Säcke. Der Haken: Mit den höheren Quoten steigt für die Entsorger der Druck, alles haarklein auszusortieren. Und damit die Kosten, die am Ende wohl am Hohenlohekreis hängen geblieben wären.

Altpapier: Kreis kann sparen und mittelfristig Gewinne machen

Doch auch bei der ab 2021 geänderten Altpapierentsorgung spart die Abfallwirtschaft. Derzeit muss sie jährlich 350.000 Euro drauflegen, was der Gebührenzahler finanziert. Selbst wenn der Kreis neue Blaue Tonnen kauft, würde dieser Betrag auf 110.000 Euro sinken. Und: Bei weiter steigenden Altpapierpreise seien mittelfristig sogar Gewinne drin - zugunsten der Müllgebühren.


Gelbe Säcke

In den meisten Landkreisen in Deutschland laufe die Sammlung von Leichtverpackungen über Gelbe Säcke, heißt es in der Beschlussvorlage des Kreistags − allein in Baden-Württemberg sei dies in 25 von 35 Landkreisen der Fall. Die Abfuhr erfolge dort aber meist nur alle vier Wochen. Auch in den Nachbarkreisen hätten sich die Gelben Säcke etabliert − mit Ausnahme des Landkreises Heilbronn, wo die Bürger ihre Leichtverpackungen selbst auf die Wertstoffhöfe bringen müssten. An einigen Stellen im Hohenlohekreis seien die Gelben Säcke schon im Einsatz− vor allem in Innenstädten, die für Müllfahrzeuge zu eng seien. 

 

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