63-facher Missbrauch vor dem Landgericht Heilbronn angeklagt

Heilbronn/Hohenlohe  Ein Großvater aus dem Jagsttal soll jahrelang seine minderjährige Enkelin sexuell missbraucht haben. Als die Taten angefangen haben sollen, war das Mädchen sechs Jahre alt.

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Seit Mitte Januar befindet sich der angeklagte Großvater in Untersuchungshaft. Vor Gericht sagte er nur zur Person aus.

Foto: Yvonne Tscherwitschke

Die Vernehmung der Enkeltochter wird ohne Öffentlichkeit stattfinden. Darauf einigen sich die Verfahrensbeteiligten am Ende des ersten Verhandlungstags. Und das ist gut so, denken sich die Zuhörer im Großen Strafgerichtssaal am Landgericht Heilbronn. Noch zu deutlich haben sie in den Ohren, was Staatsanwalt Joachim Müller-Kapteina dem 63 Jahre alten Angeklagten in der Anklageschrift vorgeworfen hat: Mindestens 63 Mal soll der Mann zwischen 2008 und 2013 seine eigene Enkeltochter missbraucht haben.

Die Taten sollen sich in der Wohnung des Angeklagten im Jagsttal zugetragen haben. Dort habe das Mädchen oft die Wochenenden verbracht. Das Kind sei zu Beginn des Missbrauchs sechs Jahre alt gewesen. Erst als das Mädchen elf Jahre alt war, soll es ihm gelungen sein, sich gegen den Großvater zur Wehr zu setzen.

Kind dachte, das ist normal

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hätten ergeben, dass das Mädchen mittags zum Schlafen gelegt wurde. Der Großvater solle das Kind mit ins Schlafzimmer genommen, ausgezogen und auf den Mund geküsst haben. Er solle ihre noch nicht entwickelten Brüste geknetet und dann ungeschützten Analverkehr mit ihr gehabt haben.

Das Mädchen, führt der Staatsanwalt aus, habe lange Zeit gedacht, das sei normal für eine Großvater-Enkelin-Beziehung, habe es geduldet, dass der Großvater sich hinter sie legte. Zugunsten des Angeklagten, so Müller-Kapteina, wurde angenommen, dass es sich so einmal im Monat zugetragen habe.

Vergewaltigung nach Gegenwehr

Mit elf Jahren habe sich das Mädchen dem Großvater widersetzt. Daraufhin habe er sie mit Gewalt auf das Bett geworfen und sie erneut missbraucht. Der Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes in 63 Fällen und die Vergewaltigung führten dazu, dass der Mann aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde, die er in der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall verbringt.

Obwohl sein Verteidiger angekündigt hatte, dass er nur zur Person aussagen werde, hob der komplett in Jeans gekleidete grauhaarige Angeklagte sofort zum Protest an. Das alles stimme so nicht, wollte er sagen, als sein Anwalt eingriff und ihn an die Vereinbarung erinnerte.

Familie zerstritten, Frau ausgezogen

So befragte der Vorsitzende Richter Martin Liebisch den Angeklagten zu seinem Werdegang, seiner Kindheit in Rumänien, seiner Hochzeit mit 21 Jahren und seiner 40 Jahre dauernden Ehe und seinem Verhältnis zu seinen 1978 und 1979 geborenen Kindern, einer Tochter und einem Sohn.

Seit "der Sache" rede er nicht mehr mit seiner Tochter, erklärt der Angeklagte vor Gericht. Seine Frau habe sich von ihm getrennt, nachdem er Streit mit dem gemeinsamen Sohn gehabt habe. Mit dem habe er sich sehr gestritten, als der erklärt habe, dass er mit einer dritten Frau nach Kanada gehen werde, um dort als Metzger zu arbeiten. Er sei wütend geworden und habe gesagt, das könne er nicht tun, er habe schon in Deutschland zwei Kinder von zwei Frauen, sagte der Angeklagte. Zwei Tage nach dem Streit sei seine Frau aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen und lebe seither bei der Tochter. Sie habe ihn mit allem allein gelassen, nur den Hund mitgenommen, erklärt der Mann, der die meiste Zeit den Lebensunterhalt für die vierköpfige Familie als Lastwagenfahrer bestritt. Zu Beginn seines Berufslebens habe er versucht, Wohneigentum zu erwerben. Das aber hat dazu geführt, dass er Privatinsolvenz anmelden musste.

Aussage ohne Öffentlichkeit

Die Enkelin wird ohne Öffentlichkeit aussagen. Darauf verständigten sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung und die Nebenkläger-Vertreterin. Das Verhörprotokoll wird in Form einer Video-Aufzeichnung ins Verfahren eingebracht.


Yvonne Tscherwitschke

Yvonne Tscherwitschke

stv. Redaktionsleiterin Hohenloher Zeitung

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

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