Verraten und verkauft?

Künzelsau - Es rappelt in der CDU. Seit dem Debakel von Stadträtin Verena Löhlein-Ehrler bei der Nominierung des Kandidaten für die Landtagswahl kommt der Stadtverband nicht zur Ruhe.

Von Matthias Stolla

Verraten und verkauft?

V. Löhlein-Ehrler

Foto: Archiv/Reichert

Künzelsau - Es rappelt in der CDU. Seit dem Debakel von Stadträtin Verena Löhlein-Ehrler bei der Nominierung des Kandidaten für die Landtagswahl kommt der Stadtverband nicht zur Ruhe. Vorwürfe machen die Runde: Das desaströse Ergebnis der Künzelsauer Anwältin zeige deutlich, dass ihr Stadtverband keineswegs hinter ihr stehe.

Christdemokraten sind enttäuscht oder sauer oder beides. Die Unternehmer Helmut Sigloch und Heiner Sefranek haben ihrem Unmut per Brief Luft gemacht und ergreifen Partei für die Kommunalpolitikerin. Die Vorstände von Stadtverband und Fraktion stehen in der Kritik. Von mangelnder Unterstützung, sogar von Verrat ist die Rede − hinter vorgehaltener Hand.

Rücktritt
 
Fakt ist: Verena Löhlein-Ehrler hat mit Datum vom 21. Juni mitgeteilt, dass sie "ihr Amt als stellvertretende Stadtverbandsvorsitzende mit sofortiger Wirkung zur Verfügung stellt". In einem Schreiben an den Vorsitzenden David Kappel begründet sie den Schritt so: "Mein Ergebnis bei der Nominierung (...) habe ich als eindeutiges Misstrauensvotum gegen meine Person von Seiten des Künzelsauer Stadtverbands empfunden." Dass der Rückhalt im Stadtverband nicht groß gewesen sein kann, legt das Ergebnis nahe: Abzüglich eigens vor der Nominierung in die CDU eingetretener Verwandter und Vertrauter seien 35 Stimmen für Löhlein-Ehrler dürftig, heißt es in CDU-Kreisen, zumal mindestens 80 der rund 200 Mitglieder des Stadtverbands anwesend waren.

David Kappel, Vorsitzender des Stadtverbands, bestätigt, dass CDU-Mitglieder verärgert sind. Gerade wegen der schlechten Stimmung unter Künzelsauer CDU-Promis spricht er von "einem ganz heißen Thema". Vom schlechten Ergebnis seiner Stellvertreterin sei er "selbst erstaunt", sagt Kappel. Allzu hoch könnten die Erwartungen nicht gewesen sein, denn der Vorstand habe Löhlein-Ehrler empfohlen, auf eine Kandidatur zu verzichten, weil man keine Mehrheit für ihre Nominierung erkennen könne, sagt Kappel. Nur ein Vorstandsmitglied habe gegen die Empfehlung gestimmt.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten war in der entsprechenden Sitzung mit dabei und bestätigt: "Wir haben ihr von einer Kandidatur abgeraten."

Gewarnt

Verena Löhlein-Ehrler will davon nie gehört haben. "Das stimmt nicht. Einige Freunde haben mich gewarnt", sagt sie und betont, "Freunde, nicht Parteifreunde". David Kappel bestätigt, dass Löhlein-Ehrler bei der Sitzung nicht anwesend war. Einen Tag später will er sie über den Beschluss informiert haben. "Das ist wohl nicht so rübergekommen", räumt er ein.

Dahinter scheint mehr als nur ein Missverständnis zu stecken: ein Konflikt in der CDU-Gemeinderatsfraktion. Verena Löhlein-Ehrler sieht sich als Mobbing-Opfer: Die CDU-Fraktion habe die verbleibende Amtszeit ihres Vorsitzenden Karl Wunderlich (70) auf eineinhalb Jahre beschränkt, erklärt sie: "Das hängt er mir an, obwohl ich mich da ganz am Rand gehalten habe." Karl Wunderlich wehrt ab: "In der Fraktion war die Kandidatur nie Thema. Das gehört in den Stadtverband." Löhlein-Ehrler sieht das anders. In einem Schreiben an ihre Fraktionskollegen erklärt sie: "Mit dem Ergebnis der Nominierung habe ich meine politische Heimat verloren. Momentan kann ich mir eine gedeihliche Zusammenarbeit mit der CDU-Fraktion nicht vorstellen..." Gegenüber der HZ erklärt sie: "Ich glaube, ich bin in den letzten Wochen so oft angelogen worden wie noch nie in meinem Leben."

Trotz aller Enttäuschung könne sie dem Ganzen auch eine unfreiwillige Komik abgewinnen, sagt Verena Löhlein-Ehrler: Den Bus, der die Künzelsauer CDU-Mitglieder zur Nominierung nach Kupferzell gefahren hat, "den darf ich bezahlen". Kommentar "Wirklich wirken"

Hintergrund: Ergebnisse

Mit 35 Stimmen belegte Verena Löhlein-Ehrler den letzten Platz im ersten Wahlgang bei der Nominierung des CDU-Landtagskandidaten am Freitag, 18. Juni. In der Stichwahl setzte sich Arnulf von Eyb mit 265 Stimmen gegen Rolf Weibler mit 256 Stimmen durch. Verena Löhlein-Ehrler ist CDU-Stadträtin in Künzelsau. Von 2004 bis 2009 war sie zudem Mitglied des Hohenloher Kreistags. mas