Ulrich Heinrich überraschend gestorben

Langjähriger FDP-Bundestagsabgeordneter aus Großhirschbach wurde 67 Jahre alt - Tiefe Betroffenheit in der Region

Von Ralf Reichert

Ulrich Heinrich überraschend gestorben
Mit Ulrich Heinrich hat die FDP eine herausragende Persönlichkeit verloren. Der Großhirschbacher war 18 Jahre lang Bundestagsabgeordneter.Foto: Archiv/Stegmüller

Neuenstein - „Ich bin fassungslos.“ Der Schock saß tief, als Ute Oettinger-Griese gestern Morgen die traurige Nachricht erfuhr. Ulrich Heinrich ist tot. Der langjährige FDP-Bundestagsabgeordnete aus Großhirschbach starb völlig überraschend in der Nacht von Montag auf Dienstag im Alter von 67 Jahren. Der Vorsitzenden des FDP-Kreisverbands Hohenlohe fiel es schwer, die richtigen Worte zu finden. Wie all den anderen Weggefährten, die von Heinrichs Tod tief betroffen Kenntnis nahmen. „Er war mein politischer Ziehvater“, sagte Oettinger-Griese, die ihn seit über 30 Jahren kannte. Und in dieser Zeit sehr schätzen lernte. „Für ihn war immer am Wichtigsten, was unterm Strich für den Bürger herauskommt. Er ist in all den Jahren immer der gleiche geblieben und hat sich nie verbiegen lassen.“

Aushängeschild Für die FDP in Hohenlohe war Ulrich Heinrich das Aushängeschild schlechthin. Vor zwei Jahren hat sich der Landwirtschaftsmeister aus der Politik verabschiedet. Doch irgendwie war er immer noch der heimliche Chef. Beim Liberalen Hoffest am 9. September auf dem Grafenhof in Großhirschbach war Heinrich ganz der Alte - obwohl er sein Bundestagsmandat im Herbst 2005 verloren hatte. Keiner hätte gedacht, dass es sein letztes Hoffest sein würde. Auch Michael Link nicht, der nun als FDP-Bundestagsabgeordneter die Region Heilbronn-Franken vertritt. „Ich habe ihn letzte Woche noch in Berlin gesehen beim Treffen der ehemaligen Abgeordneten. Er war voller Pläne: privat und in seinem Engagement für Afrika.“ Umso geschockter war Link über Heinrichs Tod. „Er war als Charakter einer der stärksten und prägnantesten Köpfe, die Hohenlohe und die Region je hatten. Er war für die FDP ein unglaublich wichtiger Ratgeber. Und für mich war er ein guter Freund.“

Ulrich Heinrich war immer fest mit seiner Heimat und mit seinem Berufsstand verwurzelt - doch er hatte auch immer einen Blick für das Ganze und für die Probleme in der Welt. Diese Eigenschaft zeichnete ihn aus. Michael Link kennt „keinen anderen, die dies in der Region so verkörpert hat wie er“. Hohenlohe lag ihm genauso nah wie Afrika. Und im Grafenhof fühlte er sich genauso gut aufgehoben wie in Bonn oder Berlin. Ulrich Heinrich klopfte keine großen Sprüche. Er bevorzugte die Sachpolitik. Und die lautlose Kärrnerarbeit im Hintergrund. Birgit Homburger, die Landesvorsitzende der FDP, wusste dies ebenfalls zu schätzen: „Ulrich Heinrich stellte sein Expertenwissen und seine praktische Erfahrung, aber auch seine menschliche und freundschaftliche Art in den Dienst der Menschen und der liberalen Sache. Wir werden ihn sehr vermissen.“

Glaubwürdig Mit Wolfgang von Stetten (CDU) saß Ulrich Heinrich viele Jahre im Bundestag: „Er war immer sehr kollegial. Ich habe mit ihm im Wahlkreis sehr gut zusammengearbeitet.“ Hermann Bachmaier (SPD) bestätigt dies - und fügt hinzu: „Was er gemacht hat, hat er aus voller Überzeugung getan. Er war ein sehr glaubwürdiger Politiker.“ Der SPD-Mann aus Crailsheim teilte mit Heinrich das gleiche Schicksal: Beide schafften es 2005 nicht mehr in den Bundestag, weil ihre Landesverbände andere auf die vorderen Listenplätze setzten. „Das hat ihn sicherlich genauso schwer getroffen wie mich.“ Doch Ulrich Heinrich fand schnell eine neue Aufgabe - als „freier Mensch“, wie er selbst sagte. Afrika war sein Kontinent. Dafür engagierte er sich seit vielen Jahren. Jetzt hatte er noch mehr Zeit - und er nutzte sie. Als Berater einer katholischen Universität in Mosambik, die ihre landwirtschaftliche Fakultät ausbauen möchte. Mehrere Wochen verbrachte er 2007 in dem ostafrikanischen Küstenstaat - um zu helfen und um seine Erfahrung einzubringen. Die Afrikaner, sie werden ihn vermissen. Genauso wie alle, die ihm in Hohenlohe nahestanden.

Im Juni 2007 bekam Ulrich Heinrich das Bundesverdienstkreuz. Es war die letzte große Auszeichnung für seinen unermüdlichen Einsatz - innerhalb und außerhalb der Politik.