Künzelsau will Stadtbahnanschluss

Hohenlohe - Künzelsau lässt nicht locker: Für gut 10.000 Euro lässt die Kreisstadt prüfen, ob sich eine Fortsetzung der Stadtbahnstrecke Heilbronn-Öhringen bis ins Kochertal wirtschaftlich darstellen lässt. Bürgermeister Volker Lenz setzt seine Hoffnungen auf inzwischen veränderte Rahmenbedingungen wie deutlich gestiegene Spritpreise.

Von Matthias Stolla

Sehen, wie die Chancen stehen
Schön wär's, meint der Bürgermeister. Bislang ist die Stadtbahn am Künzelsauer Bahnhof aber nur ein Traum.Fotos: Heiko Fritze/Archiv, Montage: Uwe Lockstädt

Künzelsau - "Es wird ein dickes Brett“, sagt Volker Lenz. Der Bürgermeister will die Stadtbahn, aber er will auch realistisch bleiben. Deshalb soll eine erneute Untersuchung klären, ob eine Fortsetzung der Strecke Heilbronn-Öhringen bis Künzelsau heute wirtschaftlich mehr Sinn machen würde als früher.

„Etwas über 10.000 Euro kostet die Untersuchung“, sagt Stadtkämmerer Eckhard Angelmaier. Das Geld bekommt die Switch Transit Consult GmbH in Stuttgart, ein Unternehmen, das die Untersuchung jetzt zum zweiten Mal angeht.

Veränderung

Der zweite Versuch mache dennoch Sinn, versichert der Bürgermeister, denn in den zurückliegenden sieben Jahren habe sich einiges verändert: die Spritpreise zum Beispiel, aber auch die Entwicklung der Fahrgastzahlen auf der 2005 eingeweihten Stadtbahnstrecke Heilbronn-Öhringen: „Die sind positiver als bislang gedacht.“ Und außerdem, betont der Stadtchef, sei auch der Raum Künzelsau „von Zuwachs geprägt“. Gründe genug also, um zu sehen, ob sich die Chancen für einen Anschluss der Kreisstadt inzwischen verbessert haben. Dass die Stadtbahn nicht bis Künzelsau fährt, gefällt Volker Lenz nicht. Nach wie vor hält er es für einen „taktischen Fehler“, dass der Kreistag damals im Rahmen der sogenannten Standardisierten Bewertung nur die Strecke bis Öhringen, nicht aber weiter bis Künzelsau untersuchen ließ. Das Ergebnis war bekanntermaßen positiv - Öhringen bekam den Stadtbahnanschluss. Künzelsau musste sich mit einer selbst in Auftrag gegeben Voruntersuchung und ihrem Ergebnis bescheiden: keine Chance.

Einschätzung

Verkehrsplaner Johannes Meister von der Firma Switch wird sich jetzt an die Arbeit machen und alles noch einmal untersuchen - ganz wissenschaftlich, deshalb hält er sich auch mit Einschätzungen zurück: „Da gibt es im Moment keine.“

Volker Lenz will auf jeden Fall „die Chancen wahren“. Sprich: am Ball bleiben. Im Unterschied zu anderen Gemeinden an der ehemaligen Kochertalbahn hat die Kreisstadt darauf geachtet, die Trasse nicht zu überbauen. Abgesehen vom Radweg, der durchs idyllische Künsbachtal nach Haag auf die Ebene führt. „Das war eine weise Entscheidung des Gemeinderats“, sagt Lenz, „sonst wäre das Eisenbahn-Täle möglicherweise ein Biotop geworden.“

Selber bauen

Der Bürgermeister setzt auf Unterstützung im Kreistag: „CDU und SPD haben sich bei der Verabschiedung des Etats positiv geäußert.“ Im Kommunalwahlkampf will Lenz auch schon die „platte Forderung“ gehört haben, Künzelsau solle die Stadtbahn selbst bauen - genügend Gewerbesteuer-Millionen gebe es ja. „Damit wäre das Problem nicht gelöst“, sagt der Stadtchef, „wenn die Bahn nicht wirtschaftlich zu betreiben ist, finden wir keinen, der sie betreibt.“ Noch vor der Sommerpause sollen die Ergebnisse der Untersuchung vorliegen, sagt der Bürgermeister.

Kosten und Nutzen

Die 1 ist die magische Zahl für alle Stadtbahnplaner. Sie nehmen eine Region unter die Lupe, berücksichtigen Verkehrsströme, die Entwicklung von Schüler- und Bevölkerungszahlen, Beschäftigungsentwicklungen und mehr, setzten den Nutzen in Relation zu den Investitions- und Betriebskosten einer Stadtbahn und errechnen daraus den Nutzen-Kosten-Koeffizienten. Das ergibt einen simplen Zahlenwert, der Antwort gibt auf die Frage, ob eine Stadtbahn Sinn macht oder nicht: ja, wenn der Wert über 1,0 liegt – nein, wenn nicht.

 



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