Kneipen vor neuen Konflikten

Hohenlohe - In Hohenlohe ist die Nichtraucher-Kneipe verschwunden. Fast alle Bars lassen ihre Gäste wieder nach Herzenslust qualmen, obwohl im August 2007 ein sogenanntes Nichtraucherschutzgesetz erlassen wurde.

Von Hagen Stegmüller

Kneipen vor neuen Konflikten
Hin- und hergerissen sind die Gastronomen im Kreis in Sachen Rauchverbot. Das Nichtraucherschutzgesetz verzerre den Wettbewerb, kritisiert mancher Wirt.Foto: dpa

Hohenlohe - In Hohenlohe ist die Nichtraucher-Kneipe verschwunden. Fast alle Bars lassen ihre Gäste wieder nach Herzenslust qualmen, obwohl im August 2007 ein sogenanntes Nichtraucherschutzgesetz erlassen wurde. Mit dem Ende der warmen Jahreszeit bahnen sich neue Konflikte an.

"Bei uns darf wieder geraucht werden", sagt Stefo Stefanidis, Pächter des Café de Paris in Öhringen. So wie andere Gastronomen hat er das Eckkneipen-Urteil des Verfassungsgerichts vom Juli 2008 genutzt, um das Rauchverbot rückgängig zu machen. Seither wird in nahezu allen Hohenloher Lokalen, die kleiner als 75 Quadratmeter sind und kein Essen ausgeben, wieder zur Zigarette gegriffen. Größere Bars haben zwar Nichtraucherräume abgetrennt, doch das Leben spielt sich oft in den Raucherbereichen ab.

Wachsames Auge

"Im Sommer war's kein Thema, jetzt wird es wieder eins", kommentiert Axel Schramm, Leiter des Öhringer Ordnungsamts, die Debatte ums Rauchverbot. Mit Beginn der kalten Jahreszeit würden die Raucher von den Tischen im Freien zurück ins Lokal kehren. Das Ordnungsamt werde ein wachsames Auge haben, ob die Wirte nun ihrer Pflicht zum Nichtraucherschutz nachkämen. Raucher- und Nichtraucherbereiche müssten durch Wände voneinander getrennt werden, die Verbindungstür dürfe nicht dauernd offenstehen. Auf dem Weg zum Klo müssten Nichtraucher einen kurzen Gang durch Tabakqualm aber in Kauf nehmen, erläutert Schramm. So habe es das Ministerium verfügt.

Unterdessen mehren sich die Stimmen nach einem totalen Rauchverbot in Kneipen, für das sich auch die Europäische Union starkmacht. Dr. Elisabeth Schrödter, Vorsitzende der Künzelsauer Kreisärzteschaft, würde das begrüßen. "Jeder Mensch hat das Recht auf einen rauchfreien Arbeitsplatz", sagt Schrödter und denkt an die Angestellten in Bars und Spielcasinos, die dem Rauch schutzlos ausgeliefert seien. "Wir behandeln diese Leute in unserer Praxis. Ihr Bronchialsystem ist überempfindlich, Asthma verschlimmert sich", warnt die Künzelsauer Ärztin vor den Gefahren des Passivrauchens. Neuere Studien belegten, dass Passivrauchen das Lungenkrebsrisiko erhöhe.

Hin- und hergerissen sind derweil die Gastronomen im Hohenlohekreis. Viele stehen einem Rauchverbot durchaus offen gegenüber, fürchten aber Umsatzeinbußen.

Der Künzelsauer Szene-Wirt Konstantin Papadopoulos ist der Ansicht, dass das Nichtraucherschutzgesetz den Wettbewerb verzerrt. Weil er im "Oxn" auch Pizza und Baguettes anbietet, muss er Raucher im Gegensatz zu anderen Eckkneipen vor die Tür setzen. "Für mich bedeutet das Rauchverbot ein Umsatzminus von 15 bis 20 Prozent."

Hintergrund: Gefahr am Arbeitsplatz

Zahlen der Europäischen Union (EU) zufolge starben vergangenes Jahr rund 6000 Erwachsene durch Tabakrauch am Arbeitsplatz, knapp die Hälfte davon waren Nichtraucher. „Weitere 72 000 T odesfälle, davon 16 400 bei Nichtrauchern, waren durch die häusliche Belastung durch Tabakrauch in der Umgebungsluft bedingt“, schreibt die EU-Kommission in einem Strategiepapier. Allein durch Rauchen am Arbeitsplatz seien in den Mitgliedstaaten zirka 1,3 Milliarden Euro Kosten für medizinische Behandlungen entstanden.

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