In der Hand haben, was man isst

Künzelsau - Mit großer Sicherheit haben nie zuvor so viele Menschen auf Martin Franks Feld Dinkel gesät. Der Demeter-Landwirt in Garnberg beteiligt sich als einziger Betrieb in der Region an der Aktion „Zukunft säen!“. Die geht zurück auf den Schweizer Öko-Pionier Peter Kunz, der seit 30 Jahren Saatgut züchtet.

Von Matthias Stolla

Das Feld reichte gerade so für die vielen jungen und alten Säer. Der Demeter-Hof Frank machte als einziger in der Region mit bei der Aktion für ökologisches Saatgut.

Künzelsau - Mit großer Sicherheit haben nie zuvor so viele Menschen auf Martin Franks Feld Dinkel gesät. Der Demeter-Landwirt in Garnberg beteiligt sich als einziger Betrieb in der Region an der Aktion „Zukunft säen!“. Die geht zurück auf den Schweizer Öko-Pionier Peter Kunz, der seit 30 Jahren Saatgut züchtet.

Gummistiefel sind schwer in Mode an diesem Vormittag hoch über dem noch nebligen Kochertal. Auf den Hof scheint bereits die Sonne, und die 20 Viertklässler der Grund- und Hauptschule Künzelsau wollen loslegen. Schließlich haben sie eine Patenschaft für das Dinkelfeld übernommen. Weil aber Erwachsene in großer Zahl fast nie etwas gemeinsam beginnen, ohne vorher Reden zu schwingen, müssen sie noch warten.

Martin Frank versorgt Säfrauen und Sämänner mit Saatgut.Fotos: Matthias Stolla
Martin Frank arbeitet seit Jahren mit Peter Kunz’ Saatgut. Von genetisch verändertem Saatgut will er nichts wissen: „Wenn Hohenlohe gentechnikfrei sein soll, müssen alle mit im Boot sein, auch die konventionellen Bauern.“ Jochen Fritz vom Bündnis Gentechnikfreies Hohenlohe ist sich sicher: „Agro-Gentechnik hat in dieser vielseitigen Region keinen Platz.“ Aussaat von Hand gelte als altmodisch und rückständig. Fritz ermutigte deshalb zur Rückbesinnung: „Bauer müssen den Wert der Saat wieder schätzen lernen.“

Worauf es beim Saatgut ankommt, erklärte Reiner Schmidt vom Beratungsdienst Ökologischer Landbau in Schwäbisch Hall. Kriterien wie Verträglichkeit und Geschmack spielten in Gentechnik-Labors keine Rolle. Dort komme es einzig auf die Ertragssteigerung an.

Scheffel

Was aus Dinkelsaat werden kann: leckere Bratlinge zum Beispiel.
Dann ging es raus aufs Feld. Große und kleine Säer bekamen jeweils einen Scheffel Dinkelsaat in die rote Aktionsmütze, und Senior Fritz Frank erklärte, wie man fachmännisch sät. Eine lange Reihe Hohenloher schritt danach übers Feld und warf Dinkel auf die feuchte Erde. Die allermeisten waren so begeistert, dass kaum einer die Zehn-Meter-Line beachten wollte, wo eigentlich Schluss sein sollte.

Der Künzelsauer Stadtrat Wilhelm Lüdemann fühlte sich an alte Zeiten erinnert: „Zuletzt gesät habe ich vor 50 Jahren bei meinem Großvater in der Lüneburger Heide.“ Die Viertklässler holten Nachschub, solange der Dinkelvorrat reichte. Säen macht Spaß meinten sie, „weil man mit den Gummistiefeln im Matsch stehen darf“ (Silva), „weil wir gefilmt wurden“ (Yasin), aber auch „weil die Gentechnik nicht umweltfreundlich ist“ (Joshua). Bäuerin Gisela Frank will, dass die Feld-Patenschaft eine Runde Sache wird: „Die Klasse soll regelmäßig kommen und sehen, was aus der Saat wird.“

Jochen Fritz karrt Saatgut und den Lautsprecher raus aufs Feld.
Wenn Jochen Fitz nicht nur Zukunft säen, sonder auch in die Zukunft sehen könnte, dann am liebsten das: „Ein Schild an der Autobahn auf dem steht: Hohenlohe bleibt genfrei im Trog und auf dem Feld und zwar für immer.“


  

Kommentar hinzufügen